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Hungrig nach Veränderung: die Lebensmittelbranche im Umbruch

Die Lebensmittelbranche im Umbruch

Ruedi Noser und Roman Hartmann sprechen über die Veränderungen in der Konsumgüterindustrie und die Innovationsfähigkeit ihres Startups.

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Farmy: Verwaltungsrat Ruedi Noser und Co-CEO und Gründer Roman Hartmann

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Wie reagiert Ihre Branche auf die permanente Veränderung der Kundenbedürfnisse und welche zusätzlichen Faktoren beeinflussen Ihr Geschäftsverhalten?

Farmy: Der Anteil Kunden, die «offline» im klassischen Ladengeschäft einkaufen, schwindet zunehmend zugunsten des digitalen Online- und Mobile-Handels. Zudem wächst die Nachfrage nach regionalen und nachhaltig produzierten Erzeugnissen; deren Anteil wird – gemessen am Lebensmittel-Gesamtmarktvolumen – weiter steigen. «Vertical Agriculture» ist ein interessanter Aspekt dieser Entwicklung und wird sich vor allem in grösseren Städten und einzelnen Haushalten etablieren. Hier wird die Lebensmittelproduktion quasi in die Gebäude integriert. Der Konsument verlangt zunehmend nach Transparenz, was die Herkunft, die Inhaltsstoffe und den ökologischen Fussabdruck der gekauften Produkte anbelangt. Aus Unternehmenssicht bedeutet dies eine verstärkte Nutzung von Big Data für die Kommunikation rund um Produktion, Transport und Lagerung – und mehr Informationen über die Nährwerteigenschaften unserer Lebensmittel. So nimmt beispielsweise die Zahl der bio-zertifizierten und regionalen Produkte stetig zu.

An dieser Stelle kommen wir ins Spiel. Farmy steht für Transparenz und gesunde, ethisch korrekte Lebensmittel. Es stimmt: Die Lebensmittelindustrie trägt eine extrem hohe Verantwortung, denn wir können nicht einfach mit unveränderten Essgewohnheiten unsere Erde herunterwirtschaften. Wir müssen alternative Ernährungsformen finden, um der wachsenden Mittelschicht in Asien entgegenzukommen und uns der Herausforderung zu stellen, den weltweiten CO2-Ausstoss und Wasserverbrauch zu senken.

Wie passen Sie und Ihre Wettbewerber sich mittels Innovationen gesellschaftlichen Trends an bzw. wie prägen Sie solche Trends selbst mit?

Das ist je nach Land unterschiedlich. So sehen wir beispielsweise am Marktgeschehen in den USA und in Grossbritannien, wo die Digitalisierung bereits weiter fortgeschritten ist, was auch uns in der Schweiz im Zuge der zunehmenden Digitalisierung erwartet. Einerseits entstehen neue Marktteilnehmer, die von Anfang an digital ausgerichtet sind und regelrecht auf den Markt drängen. Hierbei handelt es sich vor allem um ausländische Unternehmen. Andererseits sind auch traditionelle Marktteilnehmer gefordert, die Digitalisierung zu meistern – und zwar in einem bisher unüblichen Tempo. Das ist natürlich nicht auf die Lebensmittelbranche beschränkt. Im Handel mit Büchern, Elektronik und Bekleidung sind die Online-Anteile so hoch, dass sie den etablierten Offline-Playern ernste Schwierigkeiten bereiten. Die Lebensmittelindustrie befindet sich derzeit in einer sehr spannenden Phase und hat grosse Veränderungen vor sich.

Digitalisierung verändert die Konsumgüterindustrie grundlegend. Wer treibt diese Entwicklung voran?

Inzwischen hat nun wirklich jeder verstanden, dass die Digitalisierung jedes einzelne Unternehmen und jeden Markt tiefgreifend verändern wird. Der treibende Faktor neben den Verbrauchertrends ist der Innovationshunger des Silicon-Valley-Ökosystems. Dieses Ökosystem ist die wichtigste Treibkraft des digitalen Fortschritts und dient als Prototyp für andere Innovations-Hubs, beispielsweise in China, Israel oder auch Berlin. Unternehmen wie Amazon, Uber oder Alibaba agieren nach ganz anderen Prinzipien, als es in der Vergangenheit der Fall war. Profitabilität spielt nur eine zweitrangige Rolle. Mit sehr viel Risikokapital werden als primäres Ziel grosse Marktanteile erobert und Kundendaten gesammelt. Das setzt ganze Märkte in Bewegung und treibt die Digitalisierung voran.

Es werden nur Händler überleben, die über einen direkten Kundenzugang verfügen und Kundendaten besitzen. Alle anderen verlieren an Relevanz. Zudem wird die Digitalisierung immer tiefer in der Wertschöpfungskette und im Leben der Konsumenten verankert – zum Beispiel durch immer einfacheres Mobile-Shopping, das Suchen per Spracheingabe oder das «Internet der Dinge». Leider haben europäische Unternehmen hier nicht die Nase vorne. Wir werden überschattet von Google, Amazon, Facebook und Apple sowie Giganten aus Asien wie Alibaba oder Flipkart.

Welche Rolle spielt Ihre eigene Forschung & Entwicklung bei diesem Fortschritt?

Einen eigentlichen F&E-Bereich haben wir nicht. Stattdessen sind wir als Jungunternehmen bzw. Startup mit einem disruptiven Ansatz «von Natur aus» innovativ und verändern unsere Produkte laufend. Das gesamte Management des Unternehmens ist darauf ausgerichtet, die Produkte und die Prozesse kontinuierlich zu verbessern und alles laufend zu überprüfen. Wir arbeiten in agilen Strukturen und passen uns sehr schnell neuen Gegebenheiten an.

Die Konsumgüterindustrie wird vermehrt durch M&A verändert. Setzt sich dieser Trend Ihrer Ansicht nach fort? Und welche Rolle wird Farmy dabei spielen?

Wir denken, dass der Trend so lange anhält wie der Innovationshunger, den das Silicon Valley und andere Innovationshubs bekunden. Die Entstehung neuer, junger Unternehmen mit innovativen Technologien und Produkten wird nicht nachlassen, woraus sich viel Potenzial für M&A ergibt. Als Startup verfügen wir nicht über die notwendigen Mittel für Übernahmen. Stattdessen setzen wir stark auf einen internen Innovationsprozess mit eigenen Ressourcen.

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