Interview mit Jürg Birri | KPMG | CH

«Computerunterstützt geht es häufig schneller, günstiger und auch präziser»

Interview mit Jürg Birri

Jürg Birri äussert sich im Interview zu den Veränderungen in der Rechtsberatung und erklärt, welche Kompetenzen Juristen künftig mitbringen müssen.

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Welche rechtlichen Themen treiben den Puls bei Schweizer Unternehmen derzeit am stärksten in die Höhe?

Das hängt von der Unternehmensgrösse, von der Branche und weiteren Faktoren ab. Aber aktuelle branchenspezifische Themen etwa bringen immer auch rechtliche Fragestellungen mit sich. Als Beispiel kann ich die Finanzbranche nennen, die heute immer noch vor sehr anspruchsvollen regulatorischen Herausforderungen steht. Dies führt letztlich zu einer Konsolidierung des Markts – sprich, auch zu M&A-Aktivitäten. Ausserdem sind international tätige Unternehmen daran interessiert, einen Überblick über ihre zahlreichen, juristisch relevanten Dokumente wie Verträge zu behalten. Damit verbunden ist zudem das Compliance-Thema – das heisst, das Einhalten gegebener Regeln und das aktive Vermeiden von Verstössen oder Risiken. Weiter müssen beispielsweise Unternehmen mit Mitarbeitenden, die beruflich grenzüberschreitend reisen, Themen wie Steuern, Sozialversicherungen und Arbeitsbewilligungen unter Kontrolle haben.

Inwiefern haben technologische Entwicklungen und der Trend zur Globalisierung einen Einfluss auf diese Unternehmen?

Da die Schweizer Wirtschaft einen starken Dienstleistungssektor und einen Exportüberschuss hat, spielen beide Faktoren eine entscheidende Rolle. Die Maschinenindustrie hat die Entwicklung zur Automatisierung bereits vor einiger Zeit durchlebt. Nun erleben wir eine ähnliche Entwicklung im Dienstleistungssektor, der sich der Digitalisierung und der damit verbundenen Automatisierung stellen muss. Treiber dafür sind verfügbare Technologien, Kundenbedürfnisse und Kostendruck. Gerade repetitive Arbeiten oder Abläufe mit einem klar definierten Prozess, wie beispielsweise in der Administration, bei Finanzdienstleistern oder in der Buchhaltung, sind davon betroffen.

Was bedeuten diese Entwicklungen für die Rechtsberatung?

Die Rechtsberatung ist als typische Vertreterin des Dienstleistungssektors natürlich direkt davon betroffen. Die grundlegende Frage für Juristinnen und Juristen lautet: Was kann ich wirklich besser als eine Software, bzw. wo braucht es kreatives, strategisches und vernetztes Denken und wo eben nicht? Denn dieses kann Ihnen heute und auch in weiter Zukunft kein Computer ersetzen. Juristische Dienstleistungen aber, die einen hohen Grad an Standardisierung ermöglichen oder arbeitsintensiv sind und gleichzeitig wenig Expertise verlangen, kann man mit entsprechender Software unterstützen. Ein Beispiel dafür sind spezialisierte Dienstleister, die für ihre Kunden gegen eine geringe Gebühr die Entschädigung für einen annullierten Flug eintreiben. Auch eine Due Diligence-Prüfung bei Vertragsdokumenten mit tausenden Seiten kann computerunterstützt viel schneller, günstiger und häufig auch präziser gemacht werden, als wenn drei Anwälte tagelang alles lesen und von Hand markieren müssen.

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf Ihre Arbeit?

Die Digitalisierung verändert, wie wir arbeiten, wie wir unsere Dienstleistungen erbringen und schliesslich auch Kundenbedürfnisse erfüllen. Das kann beispielsweise eine Plattform sein, welche die Zusammenarbeit unterstützt. Diese erlaubt es, intern mit Prüfern, Steuer- oder Unternehmensberatern effizient gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten. Dem Kunden ermöglicht es zugleich, von externer Seite am Projekt sowie direkt bei der Erstellung von Dokumenten mitzuwirken.

Damit einher geht auch ein verändertes Anforderungsprofil an Mitarbeitende in der Rechtsberatung: Neben dem juristischen Fachwissen müssen sie zukünftig entsprechend technologisches Know-how mitbringen. Zudem bringt die Digitalisierung neue Fragestellungen im Bereich Compliance mit sich. Grosse Relevanz hat in diesem Zusammenhang der Datenschutz.  

Welchen Trends begegnen Sie als Leiter der globalen Rechtsberatung von KPMG?

Ich wage heute zu prognostizieren, dass wir in den kommenden Jahren eine verstärkte Aufteilung des juristischen Beratungsgeschäfts erleben werden – auf der einen Seite das Grossvolumen-Geschäft mit einem hohen Grad an Automatisierungspotential, auf der anderen Seite das Expertengeschäft, das menschliches Denken verlangt. Dazu wird es Marktakteure geben, die bei gewissen Fragen den Gang zum Anwalt obsolet machen, weil diese gestützt auf softwarebasierte Tools beantwortet werden können.

Neben der erwähnten Digitalisierung sehen wir bei unseren Kunden auch den Bedarf nach grenzüberschreitender Beratung und den Wunsch nach einem gesamtheitlichen Ansatz, der über das Abklären von juristischen Fragestellungen hinausgeht. Beides können wir mit unseren über 1'400 Anwältinnen und Anwälten in 74 Ländern, der Zusammenarbeit mit anderen Teams von KPMG sowie den Projektmanagement-Fähigkeiten unserer Mitarbeitenden gut abdecken.

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