«Die Revision gewinnt an Relevanz» | KPMG | CH

«Die Revision gewinnt an Relevanz»

«Die Revision gewinnt an Relevanz»

Philipp Hallauer spricht im Interview über die neue Form des Revisionsberichts und erläutert, was dieser für die Wirtschaftsprüfung bedeutet.

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Philipp Hallauer

Philipp Hallauer, Mitglied der Geschäftsleitung von KPMG Schweiz

Welche Neuerungen beinhaltet die neue Form des Revisionsberichts rund um die sogenannten «Key Audit Matters» (KAM)?

Wir verabschieden uns vom Standardwortlaut der Revisionsberichte und berichten erstmals über unsere Prüfungsschwerpunkte. So erfährt der Leser, welche Elemente der Jahresrechnung erhöhten Risiken einer falschen Darstellung unterliegen. Das können jährlich wiederkehrende Positionen der Bilanz und Erfolgsrechnung, aber auch konkrete Transaktionen sein, die eine gewisse Komplexität aufweisen und entsprechendes Ermessen bezüglich der bilanziellen Erfassung und Bewertung erfordern.

Welche Branchen werden davon besonders betroffen sein?

Jede Branche hat ihre Besonderheiten. In stark regulierten Branchen wie der Pharmaindustrie oder des Finanzsektors dürften regulatorische Risiken und die damit verbundenen Rückstellungen ein Thema sein. Im Anlagenbau stellt die Anwendung der Percentage-of-Completion-Methode, eine nach IFRS und US-GAAP vorgeschriebene Bewertung nach Fertigstellungsgrad bei längerfristigen Grossprojekten, eine Herausforderung dar. Dann gibt es aber auch branchenübergreifende Themen wie zum Beispiel die Werthaltigkeit des Goodwills, die Ermittlung von beizulegenden Zeitwerten nicht marktgängiger Finanzinstrumente oder die Beurteilung von Ausserbilanzgeschäften oder komplexer Transaktionen wie beispielsweise Geschäftsübernahmen und Joint Ventures.

Wo sehen Sie die Vorteile der neuen Regelung?

Der Blick des Lesers in Bezug auf die kritischen Aspekte, Risiken und Ermessensspielräume der Jahresrechnung wird geschärft. Insofern können die «Key Audit Matters» als Einstiegshilfe in das Studium der Jahresrechnung dienen. Gleichzeitig wird die Diskussion über diese Themen zwischen der Revisionsstelle und dem Audit Committee beziehungsweise dem Verwaltungsrat intensiviert. Das hat möglicherweise auch einen positiven Einfluss auf die Offenlegung relevanter Zusatzinformationen im Anhang.

Welche Risiken birgt die neue Berichterstattung?

Es wird auch in Zukunft Impairment-Verluste, Fortführungsprobleme oder Betrugsfälle geben, die zu Sondereffekten in der Jahresrechnung führen, welche die Revisionsstelle im Vorjahr so nicht erkannt hat oder hat erkennen können. Der neue Bericht weist zwar explizit darauf hin, dass es keine Garantie gibt, dass im Rahmen einer regelkonform durchgeführten Revision eine mögliche wesentliche falsche Darstellung – sei es aufgrund eines Fehlers oder einer bewussten Zuwiderhandlung – aufgedeckt wird. Doch mit der detaillierten Berichterstattung über die Prüfungsschwerpunkte ist die Revisionsstelle auch deutlich exponierter, wenn später Unregelmässigkeiten auftauchen und ein Unternehmen in Schwierigkeiten gerät. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Revisionsstelle nicht zu den einzelnen Prüfungsschwerpunkten selbst, sondern nur zur Jahresrechnung als Ganzes Stellung bezieht.

Eine weitere Herausforderung besteht darin, dem Leser teilweise sehr komplexe Sachverhalte mit wenigen Worten verständlich zu machen. Die umfassende Diskussion dieser zentralen Themen kann letztlich nur zwischen Revisionsstelle und Verwaltungsrat stattfinden.

Was bedeuten die Neuerungen für KPMG als Wirtschaftsprüfungsgesellschaft?

Unsere Arbeit als Wirtschaftsprüfer dient dem öffentlichen Interesse. Bisher waren unsere Möglichkeiten beschränkt, den Berichtsempfängern Einblick in unsere Prüfung zu geben und unsere Überlegungen zu wesentlichen Aspekten einer konkreten Revision darzulegen. Nun erhält der Leser unseres Testats erstmals Einblick in die wirklich wichtigen Themen der Abschlussprüfung. Er erfährt mehr über die anspruchsvolle Tätigkeit des Wirtschaftsprüfers. Die Revision gewinnt damit an Relevanz und Attraktivität.

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