«Die Chinesen kennen kein Minus»

«Die Chinesen kennen kein Minus»

Stefan Ludewig spricht im Interview über die kulturellen Differenzen im Rahmen der Übernahme von SIGG durch Investoren aus China.

1000

Verwandte Inhalte

Stefan Ludewig

Stefan Ludewig, ehemaliger CEO von SIGG

Patrik Kerler: SIGG wurde Anfang 2016 vom chinesischen Konzern Haers übernommen. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Stefan Ludewig: SIGG gehört – obwohl in einem kleinen Marktsegment zuhause – zu den bekanntesten Schweizer Marken. Dementsprechend emotional war die öffentliche Reaktion, als die Übernahme von SIGG durch das chinesische Unternehmen Haers bekannt wurde. Die Folge war auch eine gewisse Unruhe im Betrieb und bei der Belegschaft. Ich bin aber überzeugt, dass die neuen Eigentümer langfristig auf den Standort Frauenfeld setzen werden. Oft wird von den Medien ein sehr negatives und alarmistisches Bild bei Übernahmen von Schweizer Unternehmen durch chinesische Käufer gezeichnet. Ich finde das unnötig und auch ein Stück weit unverantwortlich, weil so in der Bevölkerung Ängste geschürt werden. Grundsätzlich ist es doch nichts schlechtes, wenn Chinesen in Schweizer Firmen investieren. Wichtig ist, dass ein Investor unternehmerisches Denken mitbringt – unabhängig von der Herkunft. Es ist hingegen schon etwas schade, dass sich nur schwer inländische Käufer für kleinere und mittlere Betriebe finden lassen. Hier wäre etwas mehr Lokalkolorit doch erfreulich.

Welche kulturellen Unterschiede erleben Sie in Ihrer Zusammenarbeit?

In erster Linie erschwert natürlich die Sprachbarriere die Kommunikation. Viele meiner Ansprechpartner sprachen kein oder kaum Englisch, weshalb wir ständig auf Übersetzungen und Dolmetscher angewiesen waren. Dabei leidet mitunter auch der Inhalt, gerade auch bei heiklen Themen. Ausserdem haben wir festgestellt, dass die chinesischen Eigentümer sehr hohe Wachstumserwartungen haben, und dabei auch immer eigenfinanziertes Wachstum im Auge haben. Eine verständliche Erwartung, wenn man auf die jüngere Wirtschafsgeschichte Chinas zurückblickt, die bisher stets geprägt war von zweistelligen Wachstumsraten und nie ein Nullwachstum oder gar Rückgang aufzeigte. Die Chinesen kennen, überspitzt formuliert, das mathematische Minus gar nicht. Hier muss SIGG im Sinne eines guten Expectation-Managements die Erwartungshaltungen harmonisieren.

Rechnen Sie damit, dass chinesische M&A-Aktivitäten in der Schweiz in Zukunft noch zunehmen werden?

Ich sehe das als einen allgemeinen Trend. China ist auf Expansion ausgelegt. Die chinesischen Unternehmen haben einen klaren Plan, wie und wo sie weltweit weiter wachsen möchten. Dies wird auch die Schweiz spüren. Diese Entwicklung – also die steigende Zahl von chinesischen Investoren in der Schweiz und in Europa im Allgemeinen – schliesst auch mit ein, dass künftig vermehrt auch kleinere und mittlere chinesische Unternehmen hierzulande aktiv sein werden. Prinzipiell ist das eine begrüssenswerte Entwicklung. Allerdings ist davon auszugehen, dass mit zunehmendem Engagement von weniger erfahrenen und bisher noch nicht international ausgerichteten chinesischen Konzernen die Professionalität bei M&A-Aktivitäten zunächst einmal sinken wird und die kulturellen Gräben, die es zu überbrücken gilt, grösser werden.

Was macht gerade Schweizer Unternehmen attraktiv für chinesische Investoren aus?

Die Tradition. Chinesen schätzen die Geschichte der hiesigen Unternehmen und sind beeindruckt von ihrer langjährigen Erfahrung. Die meisten Firmen in China sind gerade einmal 10 bis 15 Jahre alt, da macht es natürlich Eindruck, wenn man wie im Fall von SIGG auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblicken kann. Das reizt die chinesischen Investoren.

Newsletter-Registrierung

Newsletter-Registrierung

Erhalten Sie regelmässig Informationen von den KPMG Spezialisten. Gezielt zu denjenigen Themen, die Sie interessieren.

© 2017 KPMG Holding AG is a member of the KPMG network of independent firms affiliated with KPMG International Cooperative (“KPMG International”), a Swiss legal entity. All rights reserved.

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Einreichen

Marketplace von KPMG

Finden Sie die passenden Mitarbeiter – sofort. Ihr direkter Zugang zu hochqualifizierten Experten und Expertinnen.