«Leider hat der Winter nur wenige Wochenenden»

«Leider hat der Winter nur wenige Wochenenden»

FIS-Präsident Gian Franco Kasper über die Angst vor Schneemangel, Nachwuchsprobleme im Breitensport und Olympia 2026 in der Schweiz.

1000

Verwandte Inhalte

Gian Franco Kasper

Gian Franco Kasper, FIS-Präsident

Am 6. Februar startet in St.Moritz die Ski-WM. Welche Erwartungen haben Sie an den Wettkampf?

Gian Franco Kasper: Eine Weltmeisterschaft in St. Moritz ist für mich als gebürtiger St. Moritzer natürlich etwas Spezielles. Ich habe hier das Gefühl, für alles bis ins Detail verantwortlich zu sein. Das ist auch ein wenig stressig. Aber es sieht momentan in Sachen Vorbereitung alles sehr gut aus. St. Moritz hat ja auch jahrzehntelange Erfahrung mit der Durchführung von Sportanlässen. Jetzt muss nur noch das Wetter passen.

Wie wichtig sind gute Leistungen der Schweizer für die Heim-WM?

Es tut der Stimmung des Turniers natürlich immer gut, wenn die Heimnation im Hoch ist. Daher wäre es natürlich erfreulich, wenn die Schweizer Athleten – nach den bisher eher enttäuschenden Resultaten – noch ein wenig zulegen könnten. Aber auch die italienischen und österreichischen Fans werden in St. Moritz für gute Stimmung sorgen, da mache ich mir keine Sorgen.

Welches sind die wichtigsten Entwicklungen im Ski-Sport?

Der Skisport hat als Breitensport in Mitteleuropa an Stellenwert eingebüsst. Dies hat vor allem mit der Angst vor Schneemangel zu tun, kombiniert mit extrem günstigen Flugreisen in warme Regionen während der Wintersaison. Global gesehen findet aber eine gegenteilige Entwicklung statt: Das Interesse am Skifahren ist beispielsweise in Asien riesig. Asien ist deshalb auch ein extrem wichtiger Markt mit einem riesigen Potential: für uns, den Tourismus und die Ski-Industrie. In China existieren bereits heute etwa 300 Skiorte, bis zu Olympia 2022 in Peking soll sich diese Zahl verzehnfachen. Das steigende internationale Interesse am Ski-Sport zeigt sich auch bei den Einschaltquoten bei Weltcup-Rennen. Hier verzeichnen wir global gesehen eine Zunahme von über 10 Prozent.  

Was bedeutet dies für die FIS als Verband?

Wir werden über kurz oder lang mit dem Weltcup in diese aufstrebenden Regionen vorstossen. Leider verfügt der Winter nur über eine begrenzte Anzahl von Wochenenden, was unseren Kalender natürlich einschränkt. Das bedeutet, dass gewisse angestammte Weltcup-Destinationen auf ihr Rennen werden verzichten müssen, oder aber dieses nicht mehr in jedem Jahr werden ausrichten können. Adelboden, Wengen oder auch Kitzbühel werden davon aber sicher nicht betroffen sein. Schliesslich muss über diesen Verdrängungskampf eine politische Diskussion mit allen Beteiligten geführt werden.
Neben dieser Expansions-Thematik beschäftigt uns als Verband vor allem auch der Nachwuchs – nicht im Spitzensport, sondern viel mehr im Breitensport. Früher war es selbstverständlich, dass Kinder früh mit dem Schneesport in Berührung kommen. Heute ist dies, insbesondere auch bei Kindern mit Migrationshintergrund, nicht mehr der Fall. Auch weil immer mehr Lehrer, verständlicherweise, aufgrund des immensen Verantwortungsdrucks die Durchführung von Ski-Lagern scheuen. Hier setzen wir mit unserer Kampagne «Bring Children to the Snow» an und versuchen Gegensteuer zu geben.
 

Wie beurteilen Sie die Pläne für eine Kandidatur für Olympia 2026 in der Schweiz?

Als Sport-Fan und Mitglied des olympischen Komitees begrüsse ich natürlich die Bemühungen um die Ausrichtung von olympischen Winterspielen in der Schweiz. Ob die Kandidaturen, welche sich momentan in der Konzeptphase befinden – Graubünden/Zürich und die Westschweiz – dann erfolgreich sein werden, steht auf einem anderen Blatt. Es ist aber sicher richtig, eine Kandidatur für Olympia 2026 einzureichen. Die Schweiz hat ganz klar das Potential für die Ausrichtung von Winterspielen.

Sie sind seit über 40 Jahren beim Weltski-Verband tätig. Was motiviert Sie nach all den Jahren immer noch?

Meine Motivation ist immer noch gross. Ich bin einfach ein begeisterter Sportsmann und vor jedem Rennen noch so nervös wie als kleiner Junge. Ich bin bis 2018 gewählt und werde dann zeitnah vor dem nächsten Kongress entscheiden, ob ich mich nochmals zur Wahl stelle. Mein abwechslungsreicher Job macht mir jeden Tag Spass. Nur beim Reisen versuche ich mich ein wenig einzuschränken. Ich muss nicht mehr 365 Tage im Jahr im Flieger sitzen – heute reichen mir 364 Tage.

Newsletter-Registrierung

Erhalten Sie regelmässig Informationen von den KPMG Spezialisten. Gezielt zu denjenigen Themen, die Sie interessieren.

 
Lesen Sie mehr

© 2017 KPMG Holding AG is a member of the KPMG network of independent firms affiliated with KPMG International Cooperative (“KPMG International”), a Swiss legal entity. All rights reserved.

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Einreichen

Marketplace von KPMG

Finden Sie die passenden Mitarbeiter – sofort. Ihr direkter Zugang zu hochqualifizierten Experten und Expertinnen.