Werden Innovation und Digitalisierung unser Geschäftsleben neu ordnen?

Schweizer Wirtschaftsführer im Gespräch

Die Zukunft der Geschäftswelt – die grosse Unbekannte, die uns alle brennend interessiert. Was treibt uns an, was bestimmt unser Leben und die wirtschaftlichen Beziehungen? Diesen Fragen gehen wir in einer Gesprächsrunde mit Heinz Baumgartner, CEO Schweiter Technologies AG, Severin Moser, CEO Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG und Stefan Pfister, CEO von KPMG Schweiz, nach. Moderiert wird das Gespräch von René Lüchinger, Chefpublizist Blick-Gruppe.

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Severin Moser (CEO, Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG), Stefan Pfister (CEO, KPMG Schweiz) und Heinz Baumgartner (CEO, Schweiter Technologies AG)

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René Lüchinger: Welche Themen werden die Zukunft der Schweizer Wirtschaft am stärksten beeinflussen?

Heinz Baumgartner: Ich bin überzeugt, dass Innovation langfristig der wichtigste Werttreiber sein wird, ganz unabhängig von der Branche. Damit geht natürlich die Frage einher, was die Bedürfnisse unserer Kunden von morgen sein werden. Innovation ist immer von der Kundenseite getrieben, das heisst, wir müssen den Kunden und seine Bedürfnisse verstehen und antizipieren können.

Lässt sich diese Maxime auch auf das Beratungsgeschäft anwenden, wo der Innovationsbegriff abstrakter umrissen ist als in der produzierenden Industrie?

Stefan Pfister: In der Beratung müssen wir die Problemstellungen, welche unsere Kunden beschäftigen, möglichst frühzeitig erkennen, um dann vorausschauend innovative Lösungsansätze zu entwickeln. Dies kann aber nur geschehen, wenn wir über genügend qualifizierte Ressourcen, sprich Fachkräfte verfügen, welche letztlich unser Leistungsvermögen definieren. Und dieser Rucksack an Anforderungen, an Know-how, Erfahrung und Fertigkeiten verändert sich derzeit sehr schnell. Die aktuelle Herausforderung für unser Geschäftsmodell liegt deshalb darin, dass wir die fachlichen Kompetenzen, die wir brauchen, derzeit zu einem grossen Teil mit interner Aus- und Weiterbildung selbst entwickeln müssen. Der Bildungsmarkt bietet diese sich rasch wandelnden Qualifikationen noch gar nicht an.

Severin Moser: Auch die Versicherungsbranche bietet letztlich ein wenig greifbares Produkt an, und dennoch leben auch wir das Prinzip der Innovation und der Früherkennung von neuen Kundenbedürfnissen. Bei uns spielt die Innovation jedoch nicht nur auf der Ebene des Produkts, sondern auch in der Interaktion mit dem Kunden und in den Prozessen der Leistungsabwicklung eine grosse Rolle.

Was heisst das konkret?

Severin Moser: Das heisst, dass die Kunden rund um die Uhr und sieben Tage pro Woche mit uns kommunizieren möchten – sei dies wegen einer Schadensmeldung, dem Abschluss einer Police oder einer Offertanfrage. Klassische Öffnungszeiten von Agenturen interessieren heute immer weniger. Auch die örtliche Unabhängigkeit ist heute wichtig. Der klassische Besuch des Versicherungsagenten zu Hause wird bei der jüngeren Generationen weniger nachgefragt. Vielmehr kommen heute Vergleichsportale und Online-Rechner von Versicherungslösungen zum Einsatz.

Die Diskussion über Zukunftsszenarien wird derzeit von einem grossen Begriff dominiert: der Digitalisierung. Und zwar nicht nur im Sinne neuer Vertriebskanäle, sondern auch in der Entwicklung und Produktion von Gütern und Dienstleistungen. Wie äussert sich das in Ihren Branchen?

Heinz Baumgartner: Digitalisierung wird unser Geschäft verändern, aber wohl nicht so kurzfristig, wie gemeinhin prognostiziert wird. In unserem Bereich der industriellen Produktion werden wir in Zukunft intelligente Bauteile haben, zum Beispiel Fassadenelemente, die äussere Wetterbedingungen erfassen und an die Klimasteuerung im Gebäudeinneren weiterleiten.

Das bedeutet, dass die Wertschöpfung einfacher Bauteile massiv steigt, richtig?

Heinz Baumgartner: Das ist so. Insofern bringt die Digitalisierung grosse Chancen für die produzierende Industrie, aber es gibt auch negative Aspekte.

Woran denken Sie?

Heinz Baumgartner: Einerseits gibt es Fragen bezüglich Datenschutz und Datensicherheit zu klären, andererseits kommen wir irgendwann an einen Punkt, an dem der Computer immer mehr Entscheide fällt und ausführt, die bisher von Menschen evaluiert und ausgelöst wurden. Das führt uns zu neuen rechtlichen und ethischen Fragestellungen, zum Beispiel bei der Vision des selbstfahrenden Autos.

In der Industrie ersetzen mittlerweile virtuelle Servicemitarbeiter via Smartphone den Aussendienstler. Kommt bald auch der virtuelle Berater oder Wirtschaftsprüfer von KPMG?

Stefan Pfister: In gewissen Ländern und in Bereichen mit tiefem Komplexitätsgrad gibt es das tatsächlich schon. Für uns bei KPMG ist die Digitalisierung eines der bestimmenden Themen und sie dringt auf drei Ebenen in unser Geschäft ein. Erstens stellen wir uns die Frage, welchen Mehrwert wir den Kunden durch Datenanalyse und Digitalisierung bringen können. Die Beratungsbranche muss hier eine gewisse Vorreiterrolle einnehmen und prüfen, was aus dem Kosmos der Digitalisierung für den Kunden von Nutzen sein kann und was nicht. Zweitens beschäftigen wir uns mit der bestmöglichen Anwendung der selbstgenutzten Technologie. Dabei geht es um Prozessoptimierung und zum Beispiel um die Verarbeitung von grossen Datenmengen (Big Data). Drittens hinterfragen wir die Ausgestaltung unserer Arbeitsplätze, sprich die Profile unserer Mitarbeitenden. Werden wir durch die Entwicklung der Digitalisierung in Zukunft mehr, weniger oder einfach nur anders qualifizierte Fachkräfte haben? Diese drei Felder bringen eine enorme Dynamik in unsere Geschäftsentwicklung.

Erzählen Sie uns mehr zu Big Data.

Stefan Pfister: Heute weiss eigentlich noch niemand, wohin die Reise wirklich geht, beziehungsweise, was wir alles aus den riesigen Datenmengen generieren können, die wir erfassen, speichern und in neue Algorithmen giessen. Da werden wir in fünf Jahren mehr darüber wissen. Ich sehe aber grosses Potenzial nicht nur im Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsbereich, sondern auch in der Entwicklung von Dienstleistungen und Produkten. Sei das in der Versicherungsbranche bei Herrn Moser oder in der industriellen Fertigung von Herrn Baumgartner. Für uns in der Wirtschaftsprüfung heisst das zum Beispiel, dass wir uns ständig fragen müssen, welche zusätzlichen Erkenntnisse wir aus unseren Prüfungshandlungen gewinnen können und wie diese Informationen bei unseren Kunden zusätzlichen Nutzen stiften können. Hier können wir den Unternehmen zu bisher nicht bekannten Informationen verhelfen, welche die Überwachungsmöglichkeiten auf Verwaltungsratsebene erleichtern und Führungsentscheide unterstützen oder vereinfachen können.

Clarity on KPMG Switzerland – Jahresbericht 2016

Clarity on KPMG Switzerland – Jahresbericht 2016

Die Schweizer Wirtschaft wird derzeit fundamental umgebaut. KPMG hat entsprechend in digitale Innovationen und Engagements investiert.

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