"Gigantismus schadet"

"Gigantismus schadet"

Jörg Schild äussert sich im Gespräch zu den Voraussetzungen für eine künftige Kandidatur um Olympische Spiele in der Schweiz.

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Joerg Schild

Jörg Schild, Präsident von Swiss Olympic

Mit wie vielen Medaillen für die Schweiz dürfen wir rechnen?

Ich rechne nicht. Ich bin ein Gegner dieser Medaillenspiegel. Wer olympische Spiele kennt, weiss, dass hier eine ganze Menge von Zufälligkeiten und der Tagesform der jeweiligen Athleten abhängt. Wenn man beispielsweise an Fabian Cancellara in London 2012 zurückdenkt: Da hat alles genau geklappt bis zu dieser einen ominösen Kurve. Deshalb kommunizieren wir von Swiss Olympic keine konkreten Medaillenerwartungen. Ich persönlich würde mich jedenfalls über drei bis fünf Medaillen sehr freuen, möchte aber unsere Athleten auf keinen Fall noch zusätzlich unter Druck setzen.

Befürchten Sie, dass die aktuellen Unsicherheiten in Brasilien auf die Athleten abfärben werden?

Es ist unsere Aufgabe als Swiss Olympic, dafür zu sorgen, dass unsere Athleten vor Ort optimale Rahmenbedingungen vorfinden. Entscheidend für die Sportler sind bei olympischen Spielen vordergründig ein funktionierendes Transportwesen sowie eine angemessene Unterkunft und Verpflegung. Von der Sicherheit der Delegation müssen wir aber grundsätzlich ausgehen können.

Olympische Spiele sind in den letzten Jahren immer grösser geworden. Ist eine Durchführung in der Schweiz in naher Zukunft trotz Bedenken in der Bevölkerung überhaupt noch realistisch?

Der Gigantismus, den wir bei den letzten olympischen Spielen erlebten, schadet der Glaubwürdigkeit des Sports enorm. Sotschi 2014 war wohl mit ein Grund, weshalb sich die Bündner Bevölkerung gegen die Kandidatur für die olympischen Winterspiele 2022 entschieden hat. Es ist nun aber wichtig und richtig, dass das IOC mit der sogenannten Agenda 2020 versucht, diesem Grössenwahn etwas Gegensteuer zu geben. Das ist aber leichter gesagt als getan, wenn man sich anschaut, welche Standorte die kommenden Spiele ausrichten. Umso wichtiger wäre es, dass die Schweiz mit einer ökonomisch und ökologisch nachhaltigen Kandidatur für die olympischen Winterspiele 2026 aufzeigt, dass es auch anders geht. Fünf Regionen haben ihr Projekt offiziell für den nationalen Bewerbungsprozess angemeldet, den Swiss Olympic für die Ausarbeitung einer Kandidatur für die Winterspiele 2026 lanciert hat. Wir versuchen nun mittels einer Taskforce, die aus namhaften Experten aus Politik, Umwelt, Wirtschaft, Tourismus und Sport besteht, zu evaluieren, ob ein Projekt und gegebenenfalls welches geeignet ist für eine definitive Kandidatur. Hier müssen vor der Einreichung bereits gewisse Grundbedingungen erfüllt sein. Dazu gehört nebst dem Nutzen für den Sport auch der Rückhalt in Politik, Wirtschaft und vor allem in der Bevölkerung.

Legt die Schweiz den Fokus gar zu fest auf den Breitensport und vernachlässigt sie dabei die gezielte Förderung von Spitzensport?

Wir setzen bewusst keinen einseitigen Fokus. Unsere Breitensportförderung funktioniert via die Verbandsbeiträge, die wir als Sportdachverband an unsere Mitglieder leisten. Die Verbände haben hier deutlich mehr Spielraum als beim Spitzensport. Denn beim Geld, welches in den Leistungssport fliesst, sind wir gegenüber dem Bund und unseren Partnern deutlich mehr Rechenschaft schuldig. Deshalb müssen wir bei unseren Mitgliedsverbänden auch eine gewisse Kontrolltätigkeit wahrnehmen. Die Grenzen zwischen Breiten- und Spitzensport sind aber auch oft fliessend, und beide haben wichtige gesellschaftliche Aufgaben zu erfüllen: Man denke nur an den positiven Beitrag des Sports in Sachen Integration oder im Gesundheitsbereich.

Worauf freuen Sie sich persönlich besonders bei Rio 2016?

Ich freue mich auf unsere Athleten! So einfach ist das.

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