Die Zukunft des Rohstoffhandels: Auswirkungen und Treiber

Herausforderungen des Rohstoffhandels

Craig Pirrong, Professor of Finance am Bauer College of Business der Universität Houston sowie Gastprofessor an der Universität Genf, teilt mit uns seine Erkenntnisse über die aktuellen Entwicklungen im Rohstoffhandel und die Richtung, in die sich der Markt nach seiner Ansicht in den kommenden Jahren entwickeln wird.

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Prof. Craig Pirrong

Professor of Finance am Bauer College of Business der Universität Houston

Der Preiszerfall am Rohstoffmarkt hat die Nachrichten aus der Branche im vergangenen Jahr dominiert. Sehen Sie die Preisentwicklung negativ oder positiv?

Professor Pirrong: Für Unternehmen und Endverbraucher sind niedrige Preise im Zeitalter der Kostenkontrolle eine gute Sache – jedoch nicht unbedingt für Rohstoffhändler. Wir müssen die Ursachen der Niedrigpreisentwicklung genauer betrachten. Niedrigpreise durch hohes Angebot sind gut für Händler, da ein hohes Angebot mit hohen Absatzmengen und Margen gleichgesetzt werden kann. Niedrigpreise durch geringe Nachfrage sind dagegen alles andere als gut für Händler, da sie zu geringeren Absatzmengen und dementsprechend geringeren Margen führen. Dies bedeutet, dass sich die Händler weniger Fehler erlauben können, bevor sie die Margenerosion zu spüren bekommen, aber ich sehe in der Folge keine tatsächlichen Änderungen an Geschäftsmodellen. Betroffene Händler müssen sich unter Umständen verkleinern und auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Dadurch haben grössere Akteure die Möglichkeit, die von kleineren verlassenen Marktsegmente zu erobern oder die kleineren Akteure im Rahmen von M&A zu übernehmen.

Wie wirkt sich vor diesem Hintergrund die Regulierung auf die Branche aus?

Der eigentliche unbekannte Faktor ist die Auswirkung auf Kapitalanforderungen. Je nachdem, welche Vorschriften genau eingeführt werden und wie, könnten sich Kapitalanforderungen als massive Belastung erweisen. Auch der damit verbundene Compliance-Aufwand wird die Kosten der Geschäftstätigkeit erhöhen. Insgesamt wird der Handel also weniger profitabel. Auch hier sind überwiegend kleine Händler betroffen, von denen einige sogar ganz vom Markt verschwinden könnten. Ironischerweise könnte eine Politik, deren Ziel die Bewältigung systemrelevanter Probleme hätte sein sollen, grössere Unternehmen auf Kosten der kleineren begünstigen.

Wo rechnen Sie in diesem Umfeld mit Investitionen?

Wenn die Nachfrage nach Rohstoffen gering bleibt, sollten langfristig im Midstream-Geschäft weniger Investitionen getätigt werden. Obwohl sie in der Regel weniger riskant sind als Upstream-Vermögenswerte, machen Midstream-Vermögenswerte Händler anfälliger für Verlangsamungen bei Absatzmenge und Durchlauf. Bereits heute leiden zum Beispiel in den USA einige Unternehmen enorm unter den Folgen einer expansiven Bilanz im Hinblick auf Midstream-Vermögenswerte. Darüber hinaus besteht eine ernsthafte Gefahr, dass die aktuellen Bedingungen zum Verlust von Vermögenswerten führen könnten.

Welche Entwicklungen erwarten Sie im Hinblick auf die Finanzierung?

Zunächst einmal würde ich sagen, dass eine Entwicklung in Richtung Public Equity unwahrscheinlich ist, da dies im Moment einfach keinen Sinn ergibt. Ich gehe davon aus, dass die Finanzierungsstrukturen und -modelle – wie schon seit einiger Zeit – stabil bleiben, solange im regulatorischen Bereich keine wesentlichen Veränderungen angestossen werden. Für Rohstoffhändler bestimmt die Geschäftsstrategie den Finanzierungsansatz, nicht umgekehrt. Einige Händler verstehen es mittlerweile ausgezeichnet, langfristige Finanzierungsstrategien umzusetzen, ohne das Kernstück ihres Geschäfts opfern zu müssen. Diese Strategien umfassen vor allem Ausgründungen, Minderheitsbeteiligungen und sehr langfristige Verbindlichkeiten. Eine aus meiner Sicht mögliche Änderung in den kommenden Jahren ist der Markteintritt von Private Equity. Private Equity ist eine gute Ergänzung zum ausserbörslichen Charakter des Handels. Wie attraktiv der Rohstoffhandel für Private-Equity-Gesellschaften ist, hängt natürlich davon ab, ob sich die Handelsbranche verengt. Ich kann mir Private Equity als nützliche Quelle für neues Wachstum vorstellen.

Apropos Zukunftstrends, können Sie Ihre Prognose kurz für uns zusammenfassen?

Es versteht sich von selbst, dass der Umfang der Handelsbranche sehr stark von makroökonomischen Entwicklungen in den Schwellenländern, allen voran China, bestimmt wird. Diese Länder können die Rohstoffnachfrage, insbesondere im Metallbereich, erheblich beeinflussen. Mögliche Folgen sind eine geringere Nachfrage und weniger Investitionen in Infrastruktur. Auf der anderen Seite sehe ich Zukunftspotenzial für flüssiges Erdgas (LNG) als Handelsgut. Aus meiner Sicht könnte ein Überangebot an LNG sehr positiv für Händler sein, da es das herkömmliche Modell untergräbt, nach dem LNG unter langfristigen Verträgen mit wenig Spothandel verengt wird. Anders ausgedrückt, kann ein Überangebot meiner Meinung nach einen Wandel im LNG-Bereich bewirken und dazu führen, dass es künftig ähnlich wie Öl gehandelt wird. Darüber hinaus profitiert LNG von negativen Entwicklungen im Kohlegeschäft, das durch die Konkurrenz der erneuerbaren Energiequellen sowie zunehmende Umweltbedenken geschwächt wird. Im Metallbereich müssen tatsächlich Kapazitäten vom Markt abgezogen werden. Ähnlich wie die meisten anderen angesprochenen Entwicklungen sollte sich dies langfristig abspielen.

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