«Regulierung treibt Konsolidierung voran»

«Regulierung treibt Konsolidierung voran»

Jürg Birri, Leiter Kompetenzzentrum Finanzmarktregulierung von KPMG Schweiz, äussert sich im Gespräch zu den Auswirkungen des automatischen Informationsaustauschs (AIA), des Geldwäschereigesetzes (GWG) und des Finanzdienstleistungsgesetzes (FIDLEG) auf dem hiesigen Finanzplatz. 

Partner, Leiter Rechtsberatung und Regulatory Competence Center / Global Head of Legal

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Ist die grosse Regulierungswelle langsam vorüber, die nach der Wirtschaftskrise über die Finanzindustrie hereingebrochen ist?

Nein, eher das Gegenteil ist der Fall. Die Finanzindustrie wird auch in den nächsten Jahren verschiedenste regulatorische Anforderungen umsetzen müssen. Dies ist gerade eine der grossen Herausforderungen für die Finanzdienstleiser. Diese können sich nicht auf ein einzelnes Thema fokussieren, wie z.B. die per 1. Januar 2016 in Kraft tretende Revision im Bereich der Geldwäschereibekämpfung, sondern müssen sich gleichzeitig mit verschiedensten neuen Regulierungen beschäftigten.

Zu beachten ist zudem, dass viele der zukünftigen Regulierungen relativ stark in die Geschäftsabläufe eingreifen (FIDLEG) oder aber über Jahre gelebte Standortvorteile wie das Bankgeheimnis erodieren lassen (AIA).

Welches sind denn die aktuellen, wichtigsten Themen? (AIA, GWG, FIDLEG)

Zurzeit sind sämtliche Banken damit beschäftigt, ihre Prozesse und Systeme an die neuen Geldwäschereibestimmungen anzupassen. Der wichtigste Stichtag ist dazu der 1. Januar 2016. Abhängig vom effektiven Geschäftsmodell sind die Institute unterschiedlich stark davon betroffen. Je nach Institut sind die Änderungen bei der Identifizierung der Vertragspartei und der Feststellung der wirtschaftlich Berechtigten, oder aber die Tatsache, dass schwere Steuerdelikte neu als Vortaten für Geldwäscherei qualifizieren, am zentralsten. 

Eine weitere grosse Herausforderung für den gesamten Finanzplatz ist der Automatische Informationsaustausch (AIA). Während dieser in den EU Staaten aber z.B. auch in Liechtenstein bereits am 1. Januar 2016 in Kraft tritt, wird der AIA in der Schweiz am 1. Januar 2017 in Kraft treten. Das entsprechende Umsetzungsgesetz wird noch in der laufenden Herbstsession im Nationalrat behandelt werden. 

Das FIDLEG ist demgegenüber eine Regulierung, welche mindestens aus Schweizer Sicht noch in den Kinderschuhen steckt. Stark vereinfacht gesagt sollen dort in Europa etablierte Prinzipien der Kundenbetreuung, welche in der MIFID und MIFID II geregelt sind, für die Schweiz adaptiert werden. Da der europäische Markt für Schweizer Finanzdienstleister von enormer Bedeutung ist und auch in diesem Bereich Äquivalenz mit der EU angestrebt wird, kommt der Regulierung hohe Bedeutung zu.

Und was haben diese für Konsequenzen für die Finanzinstitute und deren Kunden?

Bezüglich den Anpassungen im Geldwäschereigesetz zeigt sich wiedermal, dass vermeintlich kleine regulatorische Anpassungen im formellen Bereich wie beispielsweise im Bereich der Feststellung des wirtschaftlichen Berechtigten im Kundenannahmeprozess wie auch im IT-System einer Bank erheblichen Anpassungsbedarf auslösen. 

Der AIA erfasst beispielsweise sämtliche Kunden von Banken, aber auch z.B. von Versicherungsgesellschaften, welche im Ausland steuerlich ansässig sind. Dementsprechend müssen aufgrund des AIA eine Vielzahl von Prozessen und Systemen bei allen Finanzdienstleistern angepasst werden. So braucht es insbesondere angepasste Formulare für die Eröffnung neuer Geschäftsbeziehungen. Das wichtigste ist zurzeit aber eine klare Kommunikation gegenüber den Kunden um zu verhindern, dass diese verunsichert den Finanzplatz Schweiz verlassen.

Bezüglich FIDLEG ist es für Umsetzungsfragen noch zu früh, erst im Dezember wird ja die Botschaft des Bundesrates erwartet. Hingegen sollten Institute schon heute Überlegungen auf einer strategischen Ebene anstellen, in welchen Bereichen und in welchem Umfang ihr jetziges Geschäftsmodell von der zukünftigen Regulierung betroffen sein wird.

Ist der hiesige Finanzplatz für diese Veränderungen gerüstet?

Die Finanzinstitute  haben in den letzten Jahren Ressourcen und Know-How aufgebaut, um mit den regulatorischen Veränderungen Schritt halten zu können. Diese Veränderungen sind jedoch auch mit Kosten verbunden, was zu einer weiteren Fokussierung der Finanzinstitute führt und auch die Konsolidierung auf dem Finanzplatz Schweiz weitertreibt.

 

 

Regulatory Horizon

Die erste umfassende Online-Übersicht zu den wichtigsten geplanten Regulierungen für Finanzdienstleister in der Schweiz.

 
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