«Hervorragendes Sozialversicherungssystem»

«Hervorragendes Sozialversicherungssystem»

Ivo Furrer, Chief Executive Officer Schweiz bei Swiss Life, und Thomas Gerber, Leiter Leben und Geschäftsleitungsmitglied bei AXA Winterthur, sprechen über das Geschäftsumfeld im Bereich Lebensversicherungen.

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Welche Ihrer Leistungen im Lebengeschäft macht Sie besonders stolz?

Ivo Furrer (IF): Es ist uns gelungen, Swiss Life trotz Niedrigzinsumfeld nachhaltig in die Profitabilität zu führen und gleichzeitig zu wachsen. Einen wesentlichen Teil unseres Erfolges sehe ich zudem in der gelungenen Neuausrichtung unserer Strategie und in unserer gesteigerten Interaktion mit den Kunden. Unsere Mitarbeitenden sind stolz darauf, bei Swiss Life zu arbeiten. 

Thomas Gerber (TG): Im Zuge des demografischen Wandels und der damit einhergehenden Veränderungen an den Finanzmärkten haben wir in den letzten Jahren ein wesentlich besseres Kundenverständnis entwickelt und Einsicht in die Entscheidungen gewonnen, vor denen unsere Kunden stehen. Daher sind unsere Einzellebenprodukte gemäss aktuellen Standards in der Beratung eine Kombination aus Sicherheit und Renditechance. Wir erkennen auch, dass wir die Bedürfnisse unserer Stammkunden erneut prüfen müssen, um sie den veränderten Rahmenbedingungen und Anforderungen infolge des Niedrigzinsumfelds anzupassen. Wir beraten unsere Kunden im Rahmen von reellen Wahlmöglichkeiten. Kurz gesagt; für uns steht nicht mehr die Finanzanalyse der Produkte im Vordergrund, sondern wir nehmen die Perspektive unserer Kunden ein.

Welche Themen beschäftigen Sie zurzeit am meisten?

TG: Für die kommenden Jahre verfolgen wir eine entschlossene, klare Strategie, die im Einklang mit dem Zins-Rekordtief steht. Wir unterstützen auch weiterhin die Reformen des Altersvorsorgesystems, da unser Geschäft ein ausgesprochen langfristiges ist und weitsichtige Planung erfordert. Zurzeit versuchen wir, die Zukunft des Vorsorgemarkts zu gestalten, indem wir unseren Kunden über ein umfassendes Beratungskonzept alternative Lösungen vorstellen und den Umwandlungssatz im überobligatorischen Bereich senken. Es ist nicht immer gemütlich, allen vorauszuschreiten, doch ich bin überzeugt, dass das gesamte System sich nicht weiterentwickelt, wenn niemand sich bewegt. Es gehört zu unserer Rolle als Marktführer zu gewährleisten, dass die Branche für unsere Kunden relevant bleibt und deren Bedürfnisse erfüllt – und dies nicht nur jetzt, sondern auch in zukünftigen Jahrzehnten.

Ich stelle auch Überlegungen zum Lebengeschäft 2020 und darüber hinaus an, weil unser Geschäft eben langfristig ausgerichtet ist – für mich ist das ein Zeithorizont bis 2030. Daher gilt es, die breiteren Veränderungen in der Finanzdienstleistungsbranche – einschliesslich der Bedürfnisse unserer bestehenden und potenziellen Vertriebspartner – zu berücksichtigen. Und natürlich wollen wir bei allen Anpassungen auch immer unserem übergeordneten Anspruch gerecht werden, unseren Kunden einen echten Wert zu bieten. 

IF: Als CEO befasse ich mich primär mit zukunftsgerichteten Themen. Die fortschreitende Digitalisierung wird bei uns Lebensversicherern eine Veränderung des Geschäftsmodells erforderlich machen. Der Umgang mit grossen Datenvolumina ist komplex und herausfordernd und wird eine völlig neue Ausgangslage für unsere Kunden, aber auch für die Vertriebskanäle mit sich bringen. Das zweite grosse Thema auf meiner Agenda ist die Reform der Altersvorsorge 2020. Wir glauben, dass es eine Reform braucht, entscheidend ist jedoch, dass die wichtigen Themen adressiert und auch prioritär umgesetzt werden. Entsprechend intensiv engagieren wir uns in der politischen Arbeit.

Worin unterscheiden Sie sich von der Konkurrenz?

TG: Auf Makroebene ist unser Lebengeschäft in der Schweiz Teil des weltweiten Lebengeschäfts der AXA Gruppe. Als einer der Schweizer Marktführer können wir einen Beitrag zu den globalen Perspektiven hinsichtlich Diversifikation und Risikomanagement leisten und Erkenntnisse dazu beisteuern, wie das Lebengeschäft sich entwickeln wird. Andererseits können wir von den Erfahrungen unserer internationalen Kolleginnen und Kollegen profitieren. Zudem verfügen wir über ein umfassendes Verständnis betreffend finanzieller und genereller Absicherung und haben, als ganzheitliche Versicherungsgesellschaft, ein effektives Vertriebsmodell, eine bewährte Kundensegmentierung und eine verlässliche Positionierung. Darauf begründet unsere starke Stellung im Markt. Wir kennen unsere Kunden und müssen keine Verkaufsabschlüsse forcieren. Unsere Kundenbeziehungen beginnen häufig mit einem Nicht-Leben-Produkt und entwickeln sich von dort aus weiter. Das lohnt sich für beide Seiten, da wir dem langfristigen Wesen unseres Geschäfts grosse Bedeutung beimessen. Transparenz und vertrauensvolle Beziehungen sind Kernelemente dieser Vision.

 IF: Wir sind multikanalmässig aufgestellt, das heisst, wir bieten dem Kunden verschiedene Möglichkeiten, um mit uns in Kontakt zu treten. Swiss Life besitzt mit zirka 1300 Vertriebsmitarbeitenden hohe Kapazitäten, die wir in Zukunft sogar noch ausbauen wollen. Ebenso verfügen wir über gute Beziehungen zu Brokern und Partnern. Zudem investieren wir intensiv in die digitale Distribution.

Als weitere Stärke sehe ich die grosse Selbständigkeit der Schweizer Tochtergesellschaft innerhalb der Gruppe – wir leben den multilokalen Ansatz. Wir verfügen über kurze Entscheidungswege, was uns im Vergleich zu den Konkurrenten rasch und agil handeln lässt.

Wo sehen Sie Wachstumschancen in der Lebensversicherungsbranche?

IF: Die reinen Lebensversicherungsprodukte verlieren an Marktanteil, hingegen gewinnt die Vorsorge im umfassenden Sinn aufgrund der sich abzeichnenden demografischen Veränderungen an Gewicht. Es gibt heutzutage neue Lösungen und Produkte, die ähnliche Zielsetzungen erreichen, aber über eine reine Lebensversicherung hinausgehen. Typische Beispiele hierfür sind Bankanlagen und bankanlageähnliche Produkte, Produkte im Dritte-Säule-Bereich sowie Immobilien, welche ebenfalls als Teil der Vorsorge gewertet werden. Hier wollen wir für unsere Kunden einen ganzheitlichen Mehrwert generieren.

TG: Die Wachstumschancen in der Lebensversicherungsbranche hängen eng mit der demografischen Entwicklung zusammen. Selbst wenn man das potenzielle Geschäftsvolumen aus der Migration einmal ausser Acht lässt: Auch in der Kundengruppe der über 50-Jährigen besteht ein gestiegener Bedarf an Altersvorsorgeplanung für die 15 Jahre bis zum Renteneintritt. Angesichts der steigenden Lebenserwartung sind flexible Finanzlösungen nötig. Auch die Menschen, die das Rentenalter erreicht haben, können wir kompetent darin beraten, wie sie ihre Altersversorgung mehren können. Und wir können ihnen helfen, ihren persönlichen Bedarf in dieser aktiven Lebensphase zu decken. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeiten des vorgezogenen Ruhestands oder flexibler Rentenzahlungen. Wir kennen uns mit den vielfältigen Lebenszyklen des Sparens und der Absicherung aus und wir erwarten, dass dieser attraktive Markt weiter wächst. Um daran teilzuhaben, gehen wir proaktiver auf unsere Kunden zu als viele andere Versicherer dies bisher taten und haben noch attraktivere Angebotspakete geschnürt. Insbesondere ist dies im Lebensegment der Fall, denn die Beratung bei Lebensversicherungen ist äusserst komplex. Kundenorientierung und regelmässiger Kontakt sind entscheidend. Im Wesentlichen versuchen wir, Wertschöpfung auf eine sehr transparente Weise zu generieren, die bei den Kunden gut ankommt und damit den Grundstein für eine lange Kundenbeziehung legt.

Die alternde Bevölkerung ist eine der aktuell grössten Herausforderungen für die Lebensversicherungsbranche. Wie begegnet Ihr Unternehmen dieser Entwicklung und der anhaltenden Niedrigzinsphase?

IF: Wir sind diesbezüglich hervorragend aufgestellt und praktizieren seit vier Jahren ein nachhaltiges Margen- und Kapitalmanagement. Wir bilden dabei jedes Produkt einzeln ab und bewerten es, sodass wir bei einer Zinsveränderung – Senkung oder Anstieg – mit einem entsprechenden Repricing reagieren können. Diese Überprüfung findet im Monatsrhythmus statt. Dabei wird jedes Produkt einzeln überprüft und nicht, wie vermutlich bei den meisten unserer Konkurrenten, das Gesamtportfolio. Bei der Profitabilität machen wir keine Kompromisse, da diese die langfristige Erfüllung unseres Versprechens garantiert.

Ein ähnliches Szenario beobachten wir in Japan, wo man auf eine Deflation reagieren musste. Die Japaner wie die Schweizer haben sich an niedrige Zinsen gewöhnt. Wenn ein Anleger nur 0,2% auf die Gelder in einem Sparkonto bekommt – dann ist die Lebensversicherung eine sehr überlegenswerte Alternative!

TG: Wir sind die Spezialisten für alle Altersgruppen. Es ist an uns, unseren Kunden Lösungen anzubieten. Garantien bleiben für unser Geschäftsfeld und für unsere Kunden im Niedrigzinsumfeld wichtig. Man könnte sagen, dass wir die Garantien, die wir für Einzellebensversicherungen gewähren, voll finanziert haben – und wir verfügen über das erforderliche Kapital. Unsere Kollektivverträge für Lebensversicherungen sind ausgesprochen transparent. Es geht darum, langfristige Sicherheit zu bieten – in Bezug auf die Kapitalausstattung unseres Unternehmens und somit, indirekt, natürlich auch unseren Kunden. Die aktuell extrem niedrigen Zinsen erfordern entschlossene, realistische Entscheidungen und Handlungen.

Die Altersvorsorge 2020 oder „AHV +“ ist eine grössere politische Initiative. Wo sehen Sie die grössten Risiken und Herausforderungen?

TG: Meiner Ansicht nach sollte das Drei-Säulen-System auf keinen Fall geschwächt werden; ich halte es für eines der besten Systeme. Bei der Reform der drei Säulen geht es sehr stark um Fairness. Wir müssen fair bleiben und dürfen die jüngere Generation nicht übermässig belasten. Junge Leute interessieren sich nur wenig für Altersvorsorgeplanung, aber man sieht in Ländern ohne eine starke Säule betrieblicher Altersversorgung und Einzellebensversicherung in ihrem Vorsorgesystem, dass die wirtschaftliche Belastung hoch ist.

IF: Ich habe zehn Jahre im Ausland gelebt und viele Diskussionen zu Sozialversicherungssystemen geführt. Dabei bin ich zum Schluss gekommen, dass die Schweiz ein hervorragendes System besitzt. Wir müssen das Schweizer Volk überzeugen können, dass wir zwingend am Drei-Säulen-Konzept festhalten müssen. Jedoch sollte die Generationenfairness mit der Reform verbessert werden. Es ist richtig, dass beim Konzept der Generationengerechtigkeit die Arbeitnehmer für die Rentner einstehen. Auf der anderen Seite kann es nicht sein, dass die Berufstätigen jährlich im Durchschnitt 1‘000 Schweizer Franken an Rentner bezahlen müssen, nur weil der Umwandlungssatz in der zweiten Säule zu hoch ist. Nicht nur die Älteren können von Armut betroffen sein, sondern auch die Jungen. Diese Thematik sollte transparent diskutiert werden.

Eine mögliche Erhöhung der Legal Quote würde die Eigenkapitalrentabilität weiter senken. Wo liegt Ihrer Meinung nach die Schmerzgrenze?

IF: Die Schmerzgrenze liegt meiner Meinung nach bei 90%. Mit den Rahmenbedingungen, die 2002 eingeführt wurden, können wir gut leben. Entscheidend ist der Pflichtprozentsatz. Ob dieser bei 90% oder 92% liegt, macht einen grossen Unterschied für einen Asset Manager und seine Risikofähigkeit. Wird dieser auf 92% erhöht, verkleinert sich der Gesamtkuchen. Auf den ersten Blick erhalten die Versicherten mehr, aber auf den zweiten Blick ist es eben weniger. Dies ist kontraproduktiv für die Kunden, die Versicherten und auch für die Versicherer.

TG: Als die zweite Säule eingeführt wurde, waren noch 26 Gesellschaften in diesem Bereich tätig. Heute sind nur sechs übrig. Jede Änderung an der Legal Quote wird Debatten nach sich ziehen. Bei AXA bewerten wir die Situation kontinuierlich und finden Lösungen, um die nötigen Änderungen vornehmen zu können, damit wir weiterhin, ungeachtet der Umstände, Kundenwert generieren können. Wird die Legal Quote allerdings erhöht, verliert meiner Meinung nach das gesamte System an Wert. Wir müssten defensiver investieren. Dies würde bedeuten, dass der überwiegende Teil unserer Kunden im Bereich Lebensversicherung, die das Vollversicherungsmodell wählen – beispielsweise kleinere und mittlere Unternehmen – negativ betroffen wären. Denn die im Vollversicherungsmodell gewährte Garantie würde teurer und die Wertentwicklung geringer. 

IF: In unserer Branche herrscht ein kompetitiver Markt, da gilt es, flexibel zu agieren. Finanzielle Sicherheit und demzufolge Garantien haben Ihren Preis, dies haben auch unsere Kunden verstanden. Wir brauchen sehr viel Kapital, mehr Kapital, als einige ausländische Versicherer als vertretbar erachteten. Dies hat manche dazu bewogen, aus dem Markt auszutreten. 

Die Branche steht vor einer Reihe regulatorischer Veränderungen. Welche betreffen Ihr Unternehmen am meisten und was sind die Auswirkungen auf Ihr Geschäftsmodell?

TG: Der Schweizer Solvenztest (SST) ist sehr viel anspruchsvoller als Solvency II in Europa. Einerseits haben wir eine stabile und gesunde Kapitalbasis aufgebaut. Andererseits gerät die Kapitalrendite unter Druck. Aber damit können wir leben. Wir befinden uns in Gesprächen mit den Regulierungsbehörden, um sicherzustellen, dass der Test seinen Zweck erfüllt und die Kapitalanforderungen nicht unnötig hochschraubt.  

IF: Es gilt hier, eine Unterscheidung zwischen dem Solvenz-Regime und konsumentenorientierterer Regulierung zu machen. In Bezug auf die Solvenz haben wir den Swiss Solvency Test (SST) immer unterstützt, obwohl dieser deutlich kapitalintensiver als Solvency II ist. Es braucht einen definierten Grenzwert, der sich für Lebensversicherer hauptsächlich auf den SST auswirken würde. Wenn man jedoch SST und Solvency II vergleicht und dann massive Unterschiede feststellt, wirft dies schon Fragen auf. Oder anders gesagt, wenn die Kapitalanforderungen zu hoch sind, führt dies zu einem klaren Wettbewerbsnachteil für Schweizer Versicherer.

TG: Was das FIDLEG betrifft: Dies ist ein Gesetz, welches die Versicherungsbranche weder benötigt noch haben will. Es ist ursprünglich für die Banken- und Finanzbranche geschaffen worden. Die Versicherungsbranche hat mit dem VVG bereits eine gute Basis. Eine Revision des VVG könnte einige Verbesserungen in Bezug auf den Verbraucherschutz und die Transparenz bewirken. Die Einführung des FIDLEG wird lediglich zusätzliche Bürokratie in der Versicherungsbranche nach sich ziehen und zu Lasten von Klarheit und Kostenbremsung gehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Transparenz ein Haupterfolgstreiber für die Zukunft ist; diese dürfen wir nicht gefährden.

IF: Betreffend FIDLEG bin ich weniger skeptisch. Die Versicherer und die Beziehungen zu ihren Kunden sind bereits ausreichend reguliert. FIDLEG kann nur bewirken, dass die Produkte zusätzlich geschützt werden. Wenn das FIDLEG sogenannte «Beipackzettel» sowie Beratungsprotokolle verlangt, finde ich das einen fairen Ansatz – schliesslich sind wir selber an zufriedenen Kunden interessiert, die durch unsere Vertriebskanäle gut beraten werden und mit ihrer Unterschrift das Besprochene bestätigen.

Kann das Vertrauen der Kunden in die Marktteilnehmer mit immer mehr Regulierung gestärkt werden?

TG: Das ist eine wichtige Frage. Unsere Kundenumfragen zeigen eine hohe Kundenzufriedenheit. Ich glaube, wir müssen das Vertrauen unserer Kunden über eine hochwertige Beratung stärken. Für den Vertriebsansatz bedeutet dies meiner Ansicht nach, dass das richtige Mass an Transparenz und das Schaffen von Mehrwert für den Kunden ausschlaggebend sind. Gleichzeitig muss der Vertriebspartner sein Modell langfristig weiterentwickeln dürfen.  

IF: Ich sehe mich selber als liberalen Menschen und bin Regulierungen gegenüber tendenziell skeptisch eingestellt. Das Ziel von Regulierungen ist das Eindämmen von mutmasslichen Auswüchsen – Auswüchse, welche in der Vergangenheit unbestritten stattgefunden haben. Ob damit jedoch auch das Vertrauen erhöht wird, wage ich zu bezweifeln. Unsere Erfahrung bei der täglichen Arbeit zeigt, dass wir Vertrauen schaffen über unsere Berater, unsere Systeme und schlussendlich auch mit der Marke Swiss Life.

Data Analytics ist derzeit das Schlagwort: Welche Bedeutung haben Datenanalyse, Datenmanagement und Digitalisierung für Ihr Unternehmen? Wie gehen Sie diese Themen an?

IF: Dies ist ein sehr wichtiges Thema für uns und stellt eine der strategischen Stossrichtungen dar. Wir führen ein Projekt namens «Face-To-Customer», welches Finanzsimulationen für Kunden ermöglicht und die Abwicklung über Portale steuert. Ganz wichtig bei der Digitalisierung sind die Rechte der Kunden bezüglich eigener Daten. Die Kunden alleine entscheiden, welche Angaben sie in welcher Form auf dem Portal machen möchten, wer Zugriff auf diese Informationen erhält und wie diese verwendet werden dürfen. Wenn sich Kunden dafür entscheiden, die Möglichkeiten eines solchen Portals zu nutzen, können wir mit ihnen in Dialog treten und ihnen massgeschneiderte Angebote unterbreiten. 

TG: Unser Hauptaugenmerk der nächsten paar Jahre gilt der Kollektiv-Leben-Sparte und dem Service. Es besteht ein erhebliches Potenzial, eine grössere Menge an Informationen auf viel effizientere Weise bereitzustellen, um unsere Kunden zu bedienen und zugleich die Kosten zu senken. Wir sollten dabei die Aspekte Datenverarbeitung, Kundenvertrieb und Service mit einschliessen. Die Digitalisierung kann die Effizienz und Effektivität entlang der Wertschöpfungskette enorm steigern. 

Traditionelle Produkte werden immer stärker von komplexeren Produkten abgelöst. Was treibt diese Entwicklung voran?

TG: Bei einem traditionellen Produkt ist es leicht zu sagen, dass es einen Garantiezins und einen Bonus gibt, obwohl die Mechanismen dahinter kompliziert sind. Unser Einzelversicherungsportfolio bietet einerseits einen Garantiezins und andererseits eine Rendite, die an die Entwicklung der Kapitalmärkte gekoppelt ist. Marktübergreifend sind wir der Überzeugung, dass es besser ist, sich in jeder Phase des Lebenszyklus auf Kernprodukte zu konzentrieren. Ich würde sagen, dass die Komplexität des gesamten Produktportfolios abgenommen hat und für eine deutliche Fokussierung auf das Angebot und eine Beratung in der Anspar-, der Absicherungs- und der Rentenphase gesorgt hat. Langfristig scheint sich hier eine signifikante Möglichkeit abzuzeichnen, die Komplexität dort zu reduzieren, wo sie für den Kunden keinen Wert hat. Wenn ich jedoch ehrlich bin – das wird nicht einfach. 

IF: Wir entwickeln neue und transparentere Produkte, die leichtverständlich für unsere Kunden sind. Dies stellt in der Tat eine Ablösung von rein traditionellen Produkten mit Vollgarantie dar – es handelt sich hierbei jedoch nicht um komplexere, sondern um flexiblere Lösungen. Der Kunde entscheidet, ob er vollen Kapitalschutz oder eine Partizipation möchte, ob das Produkt am SMI oder SPI partizipiert oder eine fixe Zinsgarantie enthält. Weiter besteht die Option, die Ausgestaltung jährlich neu anzupassen.

Werden Sie eine Altersrente beziehen oder die Kapitalleistung wählen?

IF: Ich habe mich noch nicht festgelegt. Eine Mischform ist in der Regel keine schlechte Idee, insbesondere für Personen, die die Risikofähigkeit eines Kapitalbezuges einschätzen können. Dies scheint mir eine wichtige Voraussetzung, um das eigene Vermögen selber verwalten und betreuen zu können. Andererseits ist die Altersrente auch bei einem Umwandlungssatz von 5,5% oder 5% noch recht gut. Wo bekommt man heutzutage noch so viel Rendite und Sicherheit über Jahre hinweg? 

TG: Ich bin wahrscheinlich noch zu jung, um diese Frage schon heute zu beantworten. Ich werde einen unserer Berater konsultieren und natürlich werde ich die Meinung meiner Frau berücksichtigen.

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