Medienmitteilung: Smartphone als wirksame Kostenbremse | KPMG | CH

Das Smartphone als wirksame Kostenbremse im Schweizer Gesundheitswesen

Medienmitteilung: Smartphone als wirksame Kostenbremse

Die Schweizer Gesundheitskosten haben sich seit Mitte der Neunziger Jahre fast verdoppelt. Laut Berechnungen von KPMG Schweiz führte eine konsequente Digitalisierung zu effektiveren und effizienteren medizinischen Behandlungen und böte ein Sparpotenzial von fast CHF 300 Mio.

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Die Gesundheitskosten in der Schweiz haben sich gemäss Daten des Bundesamtes für Statistik (BFS) seit 1995 verdoppelt: 2014 beliefen sich die direkten Gesundheitskosten auf CHF 74.6 Mrd. bzw. CHF 759 pro Einwohner und Monat, was 11.6% des Schweizer Bruttoinlandprodukts entspricht. Fast 80% dieser Kosten werden von 2.2 Mio. chronisch kranken Patienten verursacht. Direkte Kosten bezeichnen dabei die Ausgaben, welche unmittelbar durch Behandlungen anfallen, wie beispielsweise Arzt- oder Operationskosten.

Im Zuge der Digitalisierung wächst die Anzahl Smartphone-Nutzer in der Schweiz jährlich um rund 10 Prozentpunkte. «Mit Blick auf die damit verbundenen technologischen Möglichkeiten stellt die Verknüpfung des Smartphones mit dem künftigen elektronischen Patientendossier einen effektiven Ansatzpunkt für Kosteneinsparungen dar», erklärt Michael Herzog, Sektorleiter Gesundheitswesen von KPMG Schweiz. Vor diesem Hintergrund hat KPMG Schweiz berechnet, welchen Beitrag die Digitalisierung zu effektiveren und effizienteren medizinischen Behandlungen und insbesondere auch zu einer Stabilisierung der Kosten im Gesundheitswesen leisten kann.

Elektronisches Patientendossier und Smartphone steigern Effizienz

Das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG) wurde im Juni 2015 vom Parlament verabschiedet und im April 2017 in Kraft gesetzt. Als Rahmengesetz regelt es die Voraussetzungen für die elektronische, zentrale Bearbeitung von sensiblen Patientendaten. Dadurch können Gesundheitsfachpersonen künftig auf bereits vorhandene behandlungsrelevante Daten ihrer Patienten zugreifen, die zu einem früheren Zeitpunkt von Dritten bereits erhoben und erfasst wurden.

Da der Nutzen eines elektronischen Patientendossiers erst bei wiederholter Konsultation von Leistungserbringern zum Tragen kommt, ist diese Neuerung besonders für chronisch kranke Menschen von Bedeutung. So ergab eine gemeinsame Regulierungsfolgenabschätzung des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) für Einführung des elektronischen Patientendossiers potenzielle Kosteneinsparungen von über CHF 1.6 Mrd. Koppelt man das elektronische Pateientendossier mit den technologischen Möglichkeiten des Smartphones (Gesundheits-Apps, Wearables) entlang eines digitalisierten Patientenpfades, entsteht ein hohes Potenzial für signifikante Kosteneinsparungen im Schweizer Gesundheitswesen.  

Fast 300 Millionen Schweizer Franken Einsparpotenzial

Der traditionelle Patientenpfad ist geprägt von physischen Kontakten zwischen Patient und Leistungserbringer, von telefonischen Terminvereinbarungen sowie vom Austausch medizinischer Verlaufsdokumente per Mail, Fax oder Post. Mit einem digitalen Patientenpfad könnten hingegen Wearables und Gesundheits-Apps beispielsweise die Vitalfunktionen des Patienten laufend überwachen und bei Bedarf direkt dem Arzt zur Überprüfung übermitteln. Telemedizinische Anbieter würden dabei die Funktion des ersten Ansprechpartners bei medizinischen Problemen oder Rückfragen einnehmen. Der Patient wäre beim digitalen Patientenpfad auch ausserhalb der Öffnungszeiten stets in der Lage, beispielsweise über sein Smartphone unabhängig von Öffnungszeiten Arzttermine zu buchen. Dadurch entfielen die bisherigen aufwendigen Terminabsprachen. Und der physische Austausch von medizinischen Patientendaten fiele vollständig weg, da diese über das elektronische Patientendossier zentral gespeichert, heruntergeladen und eingesehen werden könnten.

Berechnungen von KPMG zeigen, dass sich bei einem vollständigen Durchlaufen dieses digitalen Patientenpfades über fünf Stationen (Hausarzt, Spezialist, Akutspital, Rehabilitationsklinik, Hausarzt) pro Patient ein Einsparpotenzial von bis zu 87 Minuten bzw. CHF 59 ergibt.  

Bei einem vollständigen Durchlaufen des digitalen Patientenpfades liessen sich pro Patient bis zu 87 Minuten Zeit und CHF 59 Kosten einsparen.

* Annahme: Die Daten eines chronisch kranken Patienten werden beim wiederholten Besuch beim gleichen Leistungserbringer nicht mehr vollständig physisch aufgenommen. Zudem erfolgt eine verkürzte Anamnese. Deswegen wird ein Abschlag von 25 Prozent gemäss den KPMG-Erfahrungswerten vorgenommen.

** Im digitalen Patientenpfad beschränkt sich die physische Patientenaufnahme grundsätzlich auf die Eröffnung des elektronischen Patientendossiers. Dadurch entfällt auch der Austausch des medizinischen Verlaufs voll- ständig.

*** Basis für die Berechnung bilden der Schweizer Median des Brutto-Monatslohns 2014 (CHF 6'427) und die tat- sächliche Jahresarbeitszeit 2015 (1‘893 Std.) laut BFS.

Obschon der Fokus auf den chronischen Krankheiten liegt, wurde zur Berechnung des Einsparpotenziales die Gesamtheit der Patienten ausgewertet, da alle Patienten gleichermassen von der Digitalisierung betroffen sind. Bei der Berechnung wurde auf der Grundlage von BFS-Daten von 1.4 Mio. Hospitalisierungen sowie 16.8 Mio. spitalambulanten Konsultationen ausgegangen. Dabei fällt auf, dass das Einsparpotenzial im Vergleich zu den Anzahl Stationen exponentiell wächst, womit sich die Digitalisierung insbesondere ab mehreren Stationen bezahlt macht. Deshalb sind solche Skaleneffekte insbesondere für chronisch Kranke bedeutend, die oft mehrere Stationen durchlaufen.

Selbst bei konservativen Annahmen bei den ambulanten Konsultationen hat KPMG je nach durchlaufenen Stationen im digitalen Patientenpfad ein Einsparpotenzial von CHF 296 Mio. errechnet. «Mit Blick auf die enormen Skaleneffekte der Digitalisierung könnte dieses Potenzial deutlich gesteigert werden. Würde das elektronische Patientendossier – gekoppelt an die Möglichkeiten eines Smartphones – konsequent genutzt, wäre die Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit der Patientendaten gewährleistet, wodurch wiederum die Qualität in der medizinischen Versorgung merklich gesteigert und dem ungebremsten Kostenanstieg im Schweizer Gesundheitswesen Einhalt geboten werden könnte», folgert Marc-André Giger, Gesundheitswesen-Spezialist von KPMG, aus den Studienergebnissen.

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