USR III: Bei Scheitern stehen mehrere Milliarden Franken auf dem Spiel

Swiss Tax Report 2016

Wie der «Swiss Tax Report 2016» von KPMG zeigt, liegt die Schweiz im internationalen Steuerwettbewerb weiterhin auf den Spitzenrängen – insbesondere bei der Unternehmensbesteuerung. Die anstehende Unternehmenssteuerreform III ist in diesem Wettbewerb von elementarer Bedeutung. Zur Diskussion steht ein geschätztes Steuersubstrat von bis zu 14 Milliarden Schweizer Franken.

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Der «Swiss Tax Report 2016» von KPMG vergleicht die Gewinn- und Einkommenssteuersätze von 130 Ländern sowie allen 26 Kantonen. Der diesjährige Report bestätigt den abgeflachten Abwärtstrend der jüngsten Vergangenheit bei den maximalen Gewinnsteuersätzen für Unternehmen: Während dieser im Schweizer Durchschnitt über die letzten zehn Jahre um insgesamt 3.42%-Punkte gesunken ist, war für 2015 nur noch eine durchschnittliche Reduktion um 0.01%-Punkte und für 2016 um 0.08%-Punkte zu verzeichnen. Im Bereich der Spitzensteuersätze für natürliche Personen lässt sich gegenüber dem Vorjahr ein marginaler Anstieg des Durchschnittswerts aller Schweizer Kantone um 0.01%-Punkte feststellen.

Zentralschweizer Kantone bei Unternehmensbesteuerung top

Im nationalen Vergleich der Gewinnsteuersätze in den Kantonshauptorten steht der Kanton Luzern mit einem maximalen effektiven Vorsteuersatz von 12.32% wie bereits im Vorjahr an der Spitze, dicht gefolgt von den Kantonen Nidwalden und Obwalden mit 12.66% sowie Appenzell Ausserrhoden mit 13.04%. Während beim Kanton Uri eine leichte Steuersatzreduktion um 0.11%-Punkte von 15.12% auf 15.01% auszumachen ist, hat der Kanton Schwyz seinen Steuersatz von 14.86% um 0.41%-Punkte auf 15.27% angehoben. Die grösste Senkung weist wie bereits im Vorjahr der Kanton Neuenburg mit 1.40%-Punkten auf, wobei auch der Kanton Waadt seinen Steuersatz von 22.79% auf 22.09% merklich gesenkt hat. Die Westschweiz, das Mittelland und die Stadtkantone liegen bei den ordentlichen Gewinnsteuersätzen wie bereits im Vorjahr deutlich hinter den Zentral- und Ostschweizer Kantonen zurück. Die höchsten Steuersätze für Unternehmen werden in den Kantonshauptorten Genf (24.16%) und Basel-Stadt (22.18%) erhoben.

(Bild, JPG)

Auch im europäischen Vergleich behaupten sich die Zentral- und Ostschweizer Kantone im Vergleich mit Konkurrenzstandorten als steuerlich sehr attraktive Wirtschaftsregionen. Einzig die Kanalinseln und vereinzelte ost- und südosteuropäische Staaten weisen tiefere Gewinnsteuersätze aus. Die grösste Konkurrenz bei der Besteuerung von Unternehmen in Europa stellt nach wie vor Irland dar: Mit dem ordentlichen Gewinnsteuersatz von 12.50% kann hierzulande lediglich der Kanton Luzern mithalten (12.32%). Ausserhalb Europas erweisen sich die beiden Finanzplätze Hongkong und Singapur als harte Konkurrenten. Mit durchschnittlichen Gewinnsteuersätzen von 16.50% resp. 17% liegen sie unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt. Bei diesem Vergleich ist allerdings zu beachten, dass sich der internationale Wettbewerb nicht nur auf der Ebene der ordentlichen Steuersätze abspielt, sondern dass auch steuerliche Sonderregimes nach wie vor eine gewichtige Rolle spielen. Entsprechend sind auch die aktuell zur Diskussion stehenden Ersatzmassnahmen der Unternehmenssteuerreform III (USR III) von grosser Bedeutung.

Schwerwiegende Folgen bei einem Scheitern der USR III

KPMG hat im Rahmen des Swiss Tax Reports 2016 öffentlich verfügbare Informationen zusammengetragen und damit Berechnungen angestellt, was potentiell auf dem Spiel stünde, wenn die USR III nicht resp. ohne wirksame Ersatzmassnahmen implementiert würde. Dabei wurden vorwiegend Informationen über die Anzahl Gesellschaften mit besonderem Steuerstatus, die von ihnen bezahlten Steuern sowie die Anzahl der von diesen Gesellschaften angebotenen Arbeitsplätze berücksichtigt.

Demnach beschäftigen die derzeit rund 24‘000 Gesellschaften mit besonderem Steuerstatus rund 135‘000 bis 175‘000 Arbeitnehmende. Ein signifikanter Teil dieser Arbeitsplätze und Steuerzahlungen fällt dabei auf die rund 3‘900 sog. gemischten Gesellschaften. Insgesamt schätzt KPMG das mit den Gesellschaften mit besonderem Steuerstatus verbundene Steuersubstrat wie folgt (Bild, JPG):

Schätzung mit drei Szenarien für das potenzielle Steuersubstrat, das bei einem Wegzug betroffener Gesellschaften auf dem Spiel stünde (Zahlen in Mio. CHF):

Somit wird deutlich, welche Folgen eine partielle Abwanderung dieser Gesellschaften und damit einhergehend ein partieller Verlust des Steuersubstats für die Schweizer Volkswirtschaft nach sich ziehen würde. Es ist davon auszugehen, dass bereits ab einem Verlust von rund 20% des erwähnten Steuersubstrats mehrere Milliarden Ausfälle auftreten und diese die Kosten der gegenwärtig politisch diskutierten Ersatzmassnahmen deutlich übersteigen würden. Daher ist es zwingend notwendig, dass die Schweiz im Rahmen der USR III eine wirksame Lösung findet, welche die steuerliche Attraktivität der Schweiz gewährleistet, und die innen- wie aussenpolitisch akzeptiert wird.

Weniger wettbewerbsfähige Besteuerung natürlicher Personen

Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Durchschnitt der kantonalen Steuersätze für hohe Einkommen nur minimal an – um 0.01%-Punkte. Auch hier liegen die Innerschweizer Kantone auf den Spitzenrängen: An erster Stelle bei den Steuersätzen der Kantonshauptorte liegt weiterhin unangefochten der Kanton Zug mit 22.86%, gefolgt von den Kantonen Obwalden (24.30%), Appenzell Innerrhoden (25.34), Nidwalden (25.49%) und Uri (25.55%).

Im europäischen Vergleich hingegen liegen die Schweizer Kantone bei den Einkommenssteuersätzen teilweise zurück, insbesondere mit Blick auf die Standortkonkurrenz aus Osteuropa: So rangiert die Schweiz hinter Ländern wie beispielsweise Bulgarien (10%), Litauen (15%), Ungarn (16%) oder der Ukraine, Estland und Jersey (20%) sowie Tschechien (22%). Und der Blick über die Kontinentalgrenzen hinaus zeigt Altbekanntes: Die karibischen Offshore-Domizile und einige arabische Staaten liegen aufgrund ihrer Nullbesteuerung an der Spitze bei der Einkommensbesteuerung. Dahinter folgen Russland (13%) sowie asiatische Standortkonkurrenten wie Hongkong (15%) und Singapur (20%). Die Schweiz fügt sich mit einem durchschnittlichen maximalen Einkommenssteuersatz von 33,99% lediglich im Mittelfeld ein.

Der KPMG Swiss Tax Report

Der «Swiss Tax Report» wird von KPMG Schweiz jährlich herausgegeben. In der aktuellen Studie wurden 130 Länder und alle 26 Schweizer Kantone berücksichtigt. Verglichen wurden die maximalen effektiven Gewinnsteuersätze für Unternehmen (Bund, Kanton, Gemeinde) sowie die maximalen Einkommenssteuersätze für natürliche Personen (Bund, Kanton, Gemeinde; ledig, keine Kinder, keine Konfession) für das Jahr 2016 im jeweiligen Landes- oder Kantonshauptort.

Steuerlandschaft Schweiz

Steuerlandschaft Schweiz

Aktuelle Trends zum Steuerstandort Schweiz im internationalen Vergleich.

Weitere Informationen

Videointerview – Swiss Tax Report 2016

Peter Uebelhart erklärt im Videointerview, was auf dem Spiel stünde, wenn die Reform der USR III scheitern würde.

 
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