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Herausforderungen des Schweizer Finanzplatzes im Kampf gegen organisiertes Verbrechen und Geldwäscherei

Medienmitteilung: Clarity on Financial Crime in Banking

Im Kampf gegen organisiertes Verbrechen und Geldwäscherei steht der Schweizer Finanzplatz aufgrund seiner weltweiten Bedeutung besonders im Fokus. Entsprechend sehen sich Banken und Behörden mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. Eine neue Studie von KPMG ortet sechs Bereiche mit Handlungsbedarf.

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Im Kampf gegen organisiertes Verbrechen, Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung steht der Schweizer Finanzplatz aufgrund seiner weltweiten Bedeutung besonders im Fokus. Entsprechend sehen sich Banken und Behörden mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert – besonders bei der Prävention und Identifizierung krimineller finanzieller Aktivitäten.

Der Staat will die Finanzintermediäre durch Regulierungen stärker in die Pflicht nehmen: Diese sollen eine präventive Rolle einnehmen, indem sie beteiligte Parteien und die Herkunft neuer Gelder umfassender prüfen. Keine leichte Aufgabe, zumal neue Technologien und digitale Währungen Kriminellen in die Hände spielen, und grenzüberschreitende Geldströme immer schwieriger nachzuverfolgen sind.

Demgegenüber wirkt die Regulierung zum einen reaktiv, da sie der technologischen Entwicklung hinterherhinkt. Zum anderen weisen einige Banken Defizite hinsichtlich ihrer Risikoansätze sowie IT-Infrastrukturen auf. Dies zeigt die neue Studie «Clarity on Financial Crime in Banking» von KPMG, in deren Rahmen 50 Schweizer Banken zu den Herausforderungen im Kampf gegen organisiertes Verbrechen und Geldwäscherei, aber auch zu regulatorischen Rahmenbedingungen befragt wurden.

Handlungsbedarf in sechs Bereichen

Die Studie ortet für Schweizer Finanzintermediäre in sechs Bereichen Handlungsbedarf:

  1. Schweizer Banken bietet sich die Chance, ein klares Zeichen zu setzen bei der konsequenten Verhinderung und Aufdeckung von Finanzkriminalität;
  2. Sie können die Effektivität ihres Risikomanagements durch die Berücksichtigung institutsspezifischer Ansätze wesentlich steigern;
  3. Sie können ihre Compliance-Ziele erreichen und entsprechende Kosten senken, indem sie einen dynamischen Ansatz verfolgen und das Mitarbeiterbewusstsein schärfen;
  4. Sie können ihr eigenes Personal durch den Einbezug von externem Fachwissen stärken;
  5. Sie können sich durch eine robuste Compliance, die auf einer soliden Unternehmenskultur, entsprechenden Tonalität an der Spitze sowie einem effektiven Sanktionssystem gründet, besser schützen;
  6. Sie können die Qualität der Meldungen an die Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) weiter steigern, um den Kampf gegen organisiertes Verbrechen und Geldwäscherei noch effektiver zu gestalten.

Gezielteres Engagement bei Prävention und Identifizierung

Ein gezielteres Engagement der Schweizer Banken bei der Prävention und Identifizierung krimineller finanzieller Aktivitäten dient letztlich den Banken selbst. Dazu zählen genauere Risikobewertungen, welche das jeweils eigene spezifische Geschäftsmodell einer Bank berücksichtigen und dazu dienen, kriminelle finanzielle Aktivitäten effektiver identifizieren und verhindern zu können.

Die aktuellen Risiko-, Kunden- und Transaktionsüberwachungsansätze sind für heutige Herausforderungen unzureichend. Zwar zeigen sich 52% der Banken mit ihren derzeitigen Kunden-Screening-Systemen hinsichtlich Verständlichkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen zufrieden. Aber nur 12% der Finanzdelikte werden von den bestehenden Transaktionsüberwachungssystemen identifiziert. Für 11% der Finanzintermediäre lag eine der grössten Herausforderungen der letzten zwei Jahre in der Bewältigung zu vieler falscher Treffer in den Überwachungssystemen.

Auch sollten einige Banken Werkzeuge zur effektiven Umsetzung der jeweiligen Risikoansätze wie auch zur Verbesserung der Qualität ihrer Kundendatenbanken entwickeln. Die Datenlage ist vielerorts nicht mehr aktuell oder zu wenig aussagekräftig. Hinzu kommt die Notwendigkeit einer effektiveren Kalibrierung von Transaktionsüberwachungssystemen. Der Einsatz künstlicher Intelligenz würde zu einer Verbesserung der Qualität von Warnmeldungen und zur Verringerung der Anzahl von fehlerhaften Meldungen beitragen.

Berücksichtigung institutsspezifischer Risiken

Institutsspezifische Risiken, auch solche, die sich auf die eigenen Produkt- und Dienstleitungsmerkmale der Banken beziehen, werden in der Regel wenig berücksichtigt. Auch besteht eine gewisse Abhängigkeit von standardisierten, öffentlichen oder gekauften Datensätzen bei der Identifizierung von Kunden und Transaktionen aus Ländern oder Sektoren mit hohem Risiko. Dabei passt nur jede fünfte Bank öffentliche oder gekaufte Überwachungsdaten für Sektoren mit hohem Risiko an ihr eigenes Geschäfts- und Risikoprofil an, und bloss 10% passen Überwachungsdaten für Länder mit hohem Risiko an. Ein weiterer Handlungsbedarf besteht bezüglich der Anpassung von Sanktionslisten sowie deren stärkeren Einbezug in die Risikobetrachtung von Banken.

In der Konsequenz sind oftmals externe Quellen wie Kunden, Medien oder Behörden Auslöser für die Aufdeckung von kriminellen finanziellen Aktivitäten und Transaktionen. So wurden betroffene Finanzinstitute in 15% der aufgedeckten Fälle von Kunden auf Missstände oder verdächtige Aktivitäten hingewiesen. In 13% der Fälle waren Medienberichte verantwortlich für weitere Abklärungen bzw. die Aufdeckung eines Deliktes. Und Behörden standen in 11% der Fälle am Anfang einer Aufklärung.

Stärkung des eigenen Personals von aussen

Höhere Investitionen in IT und Personal werden häufig als bisherige Investitionsschwerpunkte genannt, um kriminelle finanzielle Aktivitäten effektiver bekämpfen zu können: 40% der Banken investierten dabei hauptsächlich in zusätzliches Personal und 38% in die IT-Infrastruktur. Offensichtlich reichen diese Investitionen nicht aus, da sich rund die Hälfte der befragten Finanzintermediäre (46%) weitere Investitionen in diesen Bereichen wünschen. Dieses Anliegen ist Indiz dafür, dass die getätigten Investitionen wenig zielführend sind. Vielversprechender sind Investitionen in die fachliche Unterstützung und Stärkung des eigenen Personals von aussen.

Eine weitere Verbesserung zur Bekämpfung von Finanzkriminalität kann mittels künstlicher Intelligenz von Compliance-Programmen erreicht werden. Automatisierte Programme unterstützen insbesondere die Bemühungen, strategische Compliance-Ziele zu erreichen, die Compliance-Kosten zu senken und die effektive Umsetzung von regulatorischen Änderungen sicherzustellen.

Solide Compliance-Kultur

Um den Risiken der Finanzkriminalität zu begegnen, bedarf es solider interner Rahmenbedingungen. Schliesslich sind Banken auch finanziellen Risiken und Reputationsschäden durch kriminelles oder zu wenig achtsames Verhalten ihrer eigenen Belegschaft ausgesetzt. Eine starke Compliance-Kultur und eine «angemessene Tonalität von oben» sind hierbei essentiell – reichen aber allein nicht aus, um Finanzkriminalität zu verhindern. Die tatsächliche Durchsetzung von Sanktionen gegen Mitarbeiter, die gegen Compliance-Richtlinien verstossen, ist ebenfalls unerlässlich. Bleiben nicht regelkonforme Mitarbeitende ungestraft, untergräbt dies die Compliance-Kultur eines Unternehmens.

Höhere Qualität im Meldewesen

Schliesslich bietet sich auch im Meldewesen Handlungsbedarf, da es an den Banken liegt, angemessene MROS-Meldungen zu erstatten und dabei eine hohe Qualität sicherzustellen, die dem ganzen Finanzplatz zugutekommt. Mit abnehmender Qualität, aber zunehmender Quantität der Meldungen steigt das Risiko für den Schweizer Finanzplatz. So ist die Zahl an MROS-Meldungen zwischen 2016 und 2017 zwar deutlich gestiegen – die Qualität hat sich hierbei aber kaum verbessert.

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