NaDiVeG | KPMG | AT
close
Share with your friends

Insurance News: Resümee der ersten Saison NaDiVeG – Fokus Versicherungen

NaDiVeG

Ein Jahr NaDiVeG (Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz): Zahlreiche sogenannte „nichtfinanzielle Erklärungen oder Berichte“ sind schon veröffentlicht. Die überwiegende Anzahl der österreichischen Versicherungen blickt bereits auf den Berichterstellungsprozess zurück. Status Quo der österreichischen Versicherungswirtschaft und die größten Herausforderungen im Überblick finden sie hier.

Für den Inhalt verantwortlich

Manager Advisory

KPMG Austria

Kontakt

Verwandte Inhalte

Resümee der ersten Saison NaDiVeG – Fokus Versicherungen

Das Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG) wurde im Dezember 2016 als österreichische Antwort auf die EU-Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung erlassen. Große Unternehmen von öffentlichem Interesse, welche im Jahresdurchschnitt mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen, sind zu Folgendem verpflichtet: Sie müssen für Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2016 beginnen, wesentliche Informationen zur Nachhaltigkeitsleistung in Form einer nichtfinanziellen Erklärung („NFI-Erklärung“) im Lagebericht oder eines gesonderten nichtfinanziellen Berichts (zB Nachhaltigkeitsbericht) aufstellen.

Ergänzend zur branchenübergreifenden KPMG Studie „Resümee der ersten Saison NaDiVeG“ zu den Unternehmen des Prime-Market, welche bereits im August veröffentlicht wurde, legt dieser Artikel den Fokus auf die Ergebnisse der Versicherungsbranche. Hierzu wurden die mit Anfang September bereits veröffentlichten nichtfinanziellen Berichte und Erklärungen von neun vom NaDiVeG betroffenen Versicherungsunternehmen (VU) analysiert. Verglichen wurden die Bereiche Publikationsform, verwendetes Rahmenwerk für die Berichterstattung, externe Prüfung sowie Erstberichterstattung.

Publikationsform

Die Mehrheit der VU erstellt eine nichtfinanzielle Erklärung im Lagebericht. Das heißt, die nichtfinanziellen Informationen werden in einem Kapitel des Lageberichts dargelegt. Verglichen mit den ATX-Prime-Unternehmen ist diese Form eher die Ausnahme. Diese erstellen mehrheitlich einen NFI-Bericht in Form eines eigenständigen Nachhaltigkeitsberichts oder eigenständigen Kapitels im Geschäftsbericht.

Rahmenwerk

In der EU-Richtlinie sowie dem Erläuterungstext zum NaDiVeG wird die Verwendung von Rahmenwerken als Hilfestellung zur Erstellung der NFI-Berichterstattung empfohlen. Knapp 70% der ATX-Prime-Unternehmen verwenden ein Rahmenwerk, in allen Fällen handelt es sich dabei um die Leitlinien und Standards der Global Reporting Initiative (GRI). Unter den VU nutzen rund 30% ein Rahmenwerk (ebenfalls GRI) zur Aufstellung der nichtfinanziellen Angaben.

Externe Prüfung

Die NFI-Erklärung (oder der NFI-Bericht) ist vom Aufsichtsrat zu prüfen. Eine freiwillige unabhängige Prüfung (bspw. durch den Wirtschaftsprüfer) trägt zur Qualitätssicherung bei und kann zusätzlich die Glaubwürdigkeit gegenüber externen Stakeholdern unterstützen. Bereits nach dieser ersten „Saison“ lässt sich ein Trend zur unabhängigen Prüfung feststellen: Annähernd die Hälfte (44%) der NFI-Berichterstattung im ATX-Prime ist von unabhängiger Stelle geprüft. Ein noch deutlicheres Bild zeichnet der Vergleich mit dem DAX-30 (Deutschland). Die Anzahl der geprüften Angaben liegt hier bei 97% (Quelle: KPMG-interne Analyse, Stand Juni 2018). In der Versicherungswirtschaft in Österreich wurden in diesem Jahr 11% der veröffentlichten NFI-Berichterstattungen geprüft.

Erstberichterstattung

Verglichen mit dem ATX-Prime-Market, sind unter den NFI-Erklärungen und -Berichten der österreichischen Versicherungswirtschaft vergleichsweise viele Erstberichte. Die nichtfinanzielle Berichterstattung ist grundsätzlich als kontinuierlicher Verbesserungsprozess zu verstehen. Unternehmen, die bereits seit vielen Jahren Nachhaltigkeitsberichte aufstellen, sind in der Regel daran interessiert, die Berichtsqualität hinsichtlich Umfang und Tiefe von Jahr zu Jahr zu steigern.

Die größten Herausforderungen der nichtfinanziellen Berichterstattung zusammengefasst:

Wesentlichkeit der berichteten Themen

In der nichtfinanziellen Erklärung /-Bericht sind insbesondere Angaben zu wesentlichen Auswirkungen aus der Geschäftstätigkeit zu machen. Um diese Themen systematisch zu erheben, hat bereits mehr als die Hälfte (56%) der VU eine Wesentlichkeitsanalyse durchgeführt. Vorrangig berichten die Unternehmen zu den Themen Arbeitnehmerbelange, nachhaltige Veranlagung sowie faire Geschäftspraktiken (Compliance).

Nichtfinanzielle Risiken – Perspektivwechsel erforderlich

Der erweiterte Risikobegriff stellt die meisten Unternehmen vor eine große Herausforderung. Gefordert ist die Beschreibung von Risiken, die wahrscheinlich negative Auswirkungen auf die Belange haben werden. Das bedeutet, ein Perspektivenwechsel ist erforderlich. Es gilt, auch solche Risiken zu beschreiben, die aus negativen Auswirkungen der eigenen Geschäftstätigkeit auf Mensch und Umwelt resultieren.

Konzepte & Due Diligence Prozesse

Die Themen mit den bedeutendsten Auswirkungen von Dienstleistungen und Produkten entstehen häufig in der vor- oder nachgelagerten Wertschöpfungskette. Im Bereich der Versicherungswirtschaft liegt beispielsweise ein besonderer Einfluss bei der Verwaltung der Finanzmittel sowie im Underwriting (Risikoselektion und -zeichnung).

Insbesondere beim Belang „Achtung der Menschenrechte“ sollte zukünftig noch stärker auf vorhandene Prozesse zur Identifizierung und Vermeidung von Risiken (Due Diligence Prozesse) in der Berichterstattung eingegangen werden.

Datenverfügbarkeit

55% der VU berichten zumindest einen Leistungsindikator zu den Belangen, wie zB den Energieverbrauch. Eine Mindestanzahl an Indikatoren ist zwar nicht gesetzlich festgelegt, jedoch gilt es, alle wesentlichen Leistungsindikatoren zu berichten. Die größte Herausforderung, insbesondere bei Erstberichterstattern, liegt dabei in der Verfügbarkeit valider Daten.

Fazit

Die Berichterstattung der österreichischen Versicherungsbranche legt eine solide Grundlage, auf der in den kommenden Jahren das Management und Monitoring wesentlicher nichtfinanzieller Belange weiter aufgebaut und ausgebaut werden kann.

Für weitere Informationen und zur Weiterentwicklung Ihrer nichtfinanziellen Berichterstattung, steht Ihnen das KPMG Sustainability Services Team gerne zur Verfügung.

 

Autoren: Michaela Kegel, Jasmin Huber

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden