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Insurance News: Bewertung festverzinsliche Wertpapiere: Abweichende Bewertungsvorschriften in BWG / VU – RLV und EStG

Wertpapiere

Die laut VU – RLV (an die Bestimmung im BWG angelehnt) zulässige Abschreibung des Ausgabeaufschlags (Agio) ist aus steuerlicher Sicht für am Sekundärmarkt erworbenen festverzinsliche Wertpapiere nur bedingt zulässig. Aufgrund der steigenden Kurse wird eine steuerliche Abschreibung oftmals nicht möglich sein.

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§ 3 Abs 1a VU-RLV entspricht wörtlich § 56 Abs 2 BWG, welcher ein Bewertungswahlrecht für festverzinsliche Wertpapiere vorsieht. Sind die Anschaffungskosten höher als der Rückzahlungsbetrag, so kann der Unterschiedsbetrag (Agio) entweder sofort als Aufwand verbucht oder zeitanteilig über die Laufzeit abgeschrieben werden.

Zu § 56 BWG entschied der VwGH (Erk vom 26.7.2005, Zl 2002/14/0039), dass „der Maßgeblichkeit dieser speziellen Bewertungsregel des Handelsrechts für das Steuerrecht die zwingende Bewertungsregel des § 6 Z 2 lit a EStG entgegensteht. Dem Umstand, dass sich der Kurswert festverzinslicher Wertpapiere in Abhängigkeit sowohl vom aktuellen Zinsniveau wie auch von der Restlaufzeit entwickelt und sich gegen Ende der Laufzeit dem Rückzahlungsbetrag (Nennwert) des Papiers annähern wird, ist nach § 6 Z 2 lit a EStG durch entsprechende Bewertung zum (niedrigeren) Teilwert Rechnung zu tragen.“

Im Gegensatz zur Anschaffung von über-pari Wertpapieren am Primärmarkt (sohin bei Emission), wird bei am Sekundärmarkt erworbenen Wertpapiere der Agiobetrag als Teil des Kaufpreises (und nicht als Zinsregulativ) gesehen. Daher ist der gesamte Erwerbspreis (samt Agio) als steuerliche Anschaffungskosten anzusetzen1. Eine Abschreibungen der Anschaffungskosten ist steuerlich nur zulässig, wenn der Teilwert gesunken ist (§ 6 Z 2a EStG).

Sofern der Unterschiedsbetrag unternehmensrechtlich über die Laufzeit verteilt (zB Effektivzinssatzmethode oder lineare Verteilung) bzw unabhängig vom Börsekurs sofort zur Gänze abgeschrieben wird, ist diese Abschreibung für steuerliche Zwecke nicht maßgeblich. Es ist zu prüfen, ob sich aus dieser Position eine Mehr-Weniger-Rechnung ergibt. Der daraus resultierende Bewertungsunterschied führt zu einer temporären Differenz und dementsprechend auch zu latenten Steuern. Der Unterschied zwischen steuerlichen und unternehmensrechtlichen Buchwert schlägt sich auch auf das Zuschreibungspotential nieder.

Wir weisen darauf hin, dass dieses Thema zu den Prüfschwerpunkten der Großbetriebsprüfung zählt, und je nach Bestand betragsmäßig nicht unwesentlichen Steuernachzahlungen festgesetzt werden.

1 vgl EStR 2000, Rz 2262

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