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Künstliche Intelligenz - Michael Hirschbrich und Thomas Schmutzer

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Künstliche Intelligenz erlebt einen immensen Aufschwung und ist aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken, ob beruflich, privat oder unterwegs – vielleicht sogar im „Self-Learning Car“ zum nächsten Termin. Thomas Schmutzer und APOLLO.AI-Gründer Michael Hirschbrich haben sich bei einer Autofahrt Zeit für ein Telefoninterview genommen.

Entscheidungen als Kraftfutter

„Die Möglichkeit der Bündelung mehrerer frei programmierbarer Prozessoren in Verbindung mit neuen Softwarearchitekturen, haben für einen massiven Aufschwung der KI gesorgt“, erklärt Michael Hirschbrich und erzählt weiter, dass die so künstlich geschaffenen neuronalen Netze, der Versuch sind, die Funktionsweise oder Denkstruktur des menschlichen Gehirns nachzuahmen. Bedeutung und Ziel der Künstlichen Intelligenz ist es nämlich, schnell die beste Entscheidung in den verschiedensten Fachfragen selbstständig – ohne den Menschen – treffen zu können. Aber ganz ohne den Menschen geht es dann eben doch (noch) nicht: Damit die Software auch wirklich intelligent agiert, muss das Netzwerk lernen, Muster zu erkennen (Stichwort: Machine Learning). Der Mensch füttert also das neuronale Netz mit Entscheidungen – dieses kann daraufhin intelligent reagieren.

Bereits heute ist das Thema Künstliche Intelligenz aus der Medizintechnik oder der Business Intelligence nicht mehr wegzudenken. Die Entscheidung für oder gegen einen Wirtschaftsstandort hängt oftmals davon ab, ob dort Intellectual Property (IP) im Bereich KI selbst aufgebaut wird oder nicht. Darum sind die Bemühungen der Europäischen Kommission oder großer Unternehmen in der Forschung so massiv. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 85 Prozent der Wertschöpfung mittels KI in unterschiedlichen Branchen substituiert werden kann.

„KI ist aktuell ein super Schlagwort“, wirft Thomas Schmutzer ein, „und läuft gerade dem bisherigen Leitwort ‚Digitalisierung‘ den Rang ab. Künstliche Intelligenz geistert durch alle Medien. Jeder spricht davon, obwohl das Wissen über KI nicht weit verbreitet ist. Da werden die Begriffe KI, Data Analytics und Machine Learning gemischt und übrig bleibt in der Theorie ein Synonym. Darum ist der KPMG KI-Award so wichtig. Wir wollen zeigen, welche Lösungen und Technologien es bereits jetzt am heimischen Markt gibt. Wo stehen wir eigentlich? Wo stehen wir auf europäischer Ebene oder auch international gesehen?“ Im Rahmen des KI-Awards fungieren unsere KPMG Experten als Vermittler zwischen den KI-Projekten und den großen österreichischen Unternehmen. Es entsteht somit ein Netzwerk, von dem beide Seiten profitieren.

Kopfstand für Unternehmen

„Die Künstliche Intelligenz ermöglicht echte Diversifikation: Wir haben damit die Chance wirklich neue Produkte und Produktabwandlungen zu entwickeln“, so Hirschbrich. Er führt ein aktuelles Beispiel an: UBER hat mit dem Einsatz von KI eine App entwickelt, mit der man Taxis bestellt, die Strecken optimiert und mit der Kunden bezahlen können bzw das Unternehmen die Verrechnung abwickeln kann. Derzeit arbeitet UBER an einer Erweiterung der KI, die das eigene Geschäftsmodell völlig auf den Kopf stellt: selbstfahrende Autos, die den Taxifahrer ersetzen. Das heißt das Kerngeschäft von UBER, nämlich Privatpersonen als Taxifahrer zu beschäftigen, wird radikal auf den Kopf gestellt, indem man Fahrzeuge vollautomatisiert. Aktuell nutzt das Research Team von UBER die gefahrenen Kilometer der Fahrer, um daraus Algorithmen zu entwickeln, sodass künftig selbstfahrende Autos eingesetzt werden können. Das ist nicht nur eine der größten Substitutionen an Arbeitskräften in dem Bereich, sondern das ist auch eine völlige Diversifikation des Geschäftsmodells. „Und von solchen grundlegenden Veränderungen werden wir noch sehr viele sehen, denn diese Analogie lässt sich auf fast jedes andere Unternehmen übertragen“, ist KI-Experte Michael Hirschbrich überzeugt.

Interfaces wie Alexa, die alle kennen und die viele auch schon zuhause privat nutzen, zeigen, dass es normal werden wird, dass Sprachsteuerung auf die Besitzer reagiert und auf die Gewohnheiten eingeht. „Sehr viel wird von den Unternehmen im privaten Bereich getestet und kommt dann erst über diesen Weg in den Geschäftsbereich. Für mich bedeutet das aber auch, dass dieser neue Weg, viele Unternehmen auf den Kopf stellen wird“, meint Thomas Schmutzer.

Auftauchen und vernetzen

Laut Michael Hirschbrich wartet die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) in Österreich mit einem sehr guten Förderumfeld für proprietär entwickelnde und forschende Unternehmen auf. Der Weg für Europa kann seiner Einschätzung nach nur lauten: Proprietäre IP im Bereich der Künstlichen Intelligenz aufbauen sowie eine intensive Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen, Bildungsinstituten und großen Unternehmen. „Mit dem Award werden wir die bereits vorhandenen Player und Champions an die Oberfläche holen und vernetzen“, so Hirschbrich.

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Michael Hirschbrich ist Gründer von APOLLO.AI und gilt als der Experte für Künstliche Intelligenz (KI) in Österreich. KPMG sprach mit ihm und Advisory Director Thomas Schmutzer über die Bedeutung von KI sowie die aktuelle Situation.

 

KI-Award 2018

Wir haben heuer erstmals den KI-Award an die besten heimischen KI-Projekte vergeben. Eine Experten-Jury aus Wirtschaft, Forschung und Politik bewertete die Einreichungen hinsichtlich Innovationskraft, Kundennutzen und Technologie.
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