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Neue EBA Leitlinien zum Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch (IRRBB)

IRRBB

Die EBA hat am 19. Juli 2018 neue Leitlinien für die Steuerung des Zinsänderungsrisikos im Anlagebuch veröffentlicht. Die neuen Anforderungen ersetzen jene vom 22. Mai 2015 und treten mit 30. Juni 2019 in Kraft.

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Die neuen Leitlinien übernehmen einen Großteil der Anforderungen aus dem bereits im Oktober 2017 veröffentlichten Konsultationspapier und orientieren sich damit an aktuellen Erwartungen und Praktiken der Aufsicht.

Um Inkonsistenzen und Überschneidungen zu vermeiden, hat man sich von der bisherigen Dokumentstruktur der „übergeordneten“ und „detaillierten“ Leitlinien abgewandt und sämtliche neuen Anforderungen in sechs neue Sektionen unterteilt:

  1. Definitionen
  2. Allgemeine Bestimmungen
  3. Kapitalidentifikation, -kalkulation und -allokation
  4. Governance
  5. Messung
  6. Aufsichtlicher Outliertest

Während die Sektionen 1) bis 5) qualitative Anforderungen an das Management des IRRBB gemäß internen Säule 2 Ansätzen darstellen, zielt der aufsichtliche Outliertest (als Tool der Aufsicht) darauf ab, Banken untereinander vergleichbarer zu machen.

Folgende Neuerungen wurden aus dem Konsultationspapier weitestgehend übernommen:

  • Berücksichtigung des Credit Spread Risikos im Anlagebuch (CSRBB). In den neuen Leitlinien wird klargestellt, dass hier die Aktivseite gemeint ist.
  • Anforderungen an die Kapitalallokation für IRRBB im Rahmen des ICAAP für den Fall ungünstiger Entwicklungen des wirtschaftlichen Wertes (EVE) und künftiger Zinserträge (NII)
  • Richtlinien für eine angemessene Beurteilung der Zinsänderungsrisiken von neuen Produkten und Aktivitäten in Zusammenhang mit IRRBB
  • Erwartungen der Aufsicht an die Messung des IRRBB (zB währungsspezifische Zinsschocks, Berücksichtigung von Negativzinsen und Zinsderivaten)

Wie ebenfalls bereits im Konsultationspapier angekündigt, versteht man unter dem Begriff „Aufsichtlicher Outliertest“ künftig zwei Schwellenwerte zur Messung der EVE-Veränderung:

  1. Für den bereits melderelevanten 200 bps Zinsschock (in Österreich: Risikoausweis zum Zinsrisiko A3b) aus der CRD soll nach wie vor der Schwellenwert von 20% der Eigenmittel (Tier 1 + Tier 2) bestehen bleiben.
  2. Basierend auf den Effekten aus sechs von der Aufsicht vorgebebenen Zinsschockszenarien soll eine Grenze bei 15% des Tier-1-Kapitals als zusätzliches Frühwarnsignal eingeführt werden. Die Institute müssen regelmäßig im Zuge des ICAAP Reports über die EVE-Veränderung berichten. Bei Überschreiten der Grenze muss die Aufsicht verständigt werden. 

Durch die neue Frühwarnschwelle sollen keine neuen Anforderungen an das Meldewesen entstehen. Ebenso sollen keine automatischen aufsichtlichen Maßnahmen mit der Verletzung der 15%-Marke verknüpft sein. Der neue Schwellenwert wird nicht als Verletzung einer regulatorischen Kennzahl gewertet, sondern soll lediglich zu einem intensiveren Dialog zwischen Institut und Aufsicht führen.

Um bei der Berechnung des EVE im Zuge des Outliertests institutsübergreifend vergleichbare Ergebnisse zu erhalten, sollen künftig folgende Prinzipien eingehalten werden:

a) Alle zinssensitiven Instrumente, die nicht vom Eigenkapital abgezogen werden, sind in den Test einzubeziehen

b) Geschäfte im kleinen Handelsbuch sind mit einzubeziehen sofern das Zinsrisiko nicht durch eine andere Kennzahl abgedeckt ist

c) CET-1 und andere dauerhafte Kapitalbestandteile ohne Kündigungsoption (perpetuals) sind zu exkludieren

d) Automatische Optionen und Verhaltensoptionen (z.B. vorzeitige Kreditrückzahlung) sind zu berücksichtigen

e) Pensionsrückstellungen sind zu berücksichtigen, sofern das Zinsrisiko nicht durch einer anderen Kennzahl abgedeckt ist

f) Tilgungen und Anpassung des Nominalwertes sowie Zinszahlungen sind mit anzusetzen

g) Bei einer NPE Ratio von größer als 2% sind die erwarteten Cashflows aus leistungsgestörter Aktiva abzgl. Risikovorsorge in die Berechnungen mit einzubeziehen

h) Produktspezifische Zinsuntergrenzen müssen beachtet werden

i) Der Umgang mit Margen bzw. anderen Spreadkomponenten (im Cashflow inkludiert oder exkludiert) muss im Einklang mit den internen Risikomanagementansätzen stehen

j) Der Run-Off Balance Sheet Ansatz ist anzuwenden

k) Beim Zinsschock gilt eine ansteigende Zinsuntergrenze von -1% (linearer Anstieg um +5 BP über 20 Jahre bis zum Floor von 0%)

l) Alle materiellen Währungen (größer 5% des Anlagebuchvolumens) sind zu berücksichtigen

m) Bei Exposures in verschiedenen Währungen sind negative und positive EVE-Veränderungen aufzusummieren. Dabei sind die positiven EVE-Veränderungen mit 50% zu gewichten.

n) Es ist eine risikolose Zinskurve (zB Swapkurve) pro Währung zu verwenden

o) Einlagen ohne spezifische Laufzeit (exkl. Einlagen anderer Finanzinstitute) dürfen bis maximal 5 Jahre modelliert werden

Mit Ausnahme der Punkte g), k) und m) wurden alle Anforderungen aus dem Konsultationspapier übernommen.

Die neuen Leitlinien treten nicht wie im Konsultationspapier angekündigt bereits mit Ende 2018 in Kraft, sondern erst mit 30. Juli 2019. Institute der SREP Kategorie 3 und 4 haben sechs Monate länger Zeit für die Umsetzung des CSRBB und die Implementierung der neuen Frühwarnschwelle von 15%.

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