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Neue Erwartungen der EZB an Sanierungspläne: Playbook & Dry-Runs

Playbook & Dry-Runs

Basierend auf drei Jahren Erfahrung in der Beurteilung von Sanierungsplänen, zweifelt die EZB an der zeitgerechten und effizienten Aktivierung von Sanierungsplänen in Krisensituationen. Nützliche Instrumente, um Sanierungspläne operationalisierbarer zu machen, sind Playbooks und Dry-Runs.

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Die Europäische Zentralbank hat am 3. Juli 2018 einen Bericht über ihre bisherigen Erkenntnisse und künftigen Erwartungen an Sanierungspläne von signifikanten Instituten (SIs) veröffentlicht. In dem Bericht beschreibt die Aufsicht sowohl den bislang mit Sanierungsplänen in Banken erreichten Standard, als auch erforderliche Handlungsfelder, um die Qualität der Pläne zu verbessern und beobachtete Best-Practice-Ansätze um erkannte Lücken zu schließen.

Als wichtigste Schlussfolgerung der Benchmark Analyse äußert die EZB erhebliche Zweifel an der operativen Reife der Sanierungspläne: Es ist nicht durchgängig sichergestellt, dass die in einem Sanierungsplan beschriebenen Vorkehrungen in einer akuten Krisensituation auch schnell und wirksam umgesetzt werden können. Insbesondere eine aus Umfang und mangelnder Struktur resultierende Unübersichtlichkeit von Sanierungsplänen, in denen sich wichtige Informationen nur sehr zerstreut finden lassen, stellt in der Wahrnehmung der Aufsicht eine hohe Implementierungshürde dar.

Bei der Beurteilung von Sanierungsplänen wird die EZB daher künftig einen speziellen Fokus auf die praktische Umsetzungsvorbereitung des Sanierungsplans, also die Geschwindigkeit der Eskalations- und Entscheidungsprozesse, die Präzision der zur Ursachenanalyse bereitgestellten Information und die zeitgerechte und effektive Implementierung der Sanierungsmaßnahmen, auch unter extremen Stressbedingungen, legen. Auch wenn die EZB es den Instituten grundsätzlich frei stellt, wie sie diesen Nachweis erbringen, betont die EZB explizit die Entwicklung eines Playbooks oder die Durchführung eines Dry Runs als die aus ihrer Sicht hierfür am besten geeigneten Instrumente.

Playbook

Unter einem Playbook versteht man einen, für die Aktivierung des Sanierungsplans präzise formulierten Umsetzungsleitfaden, der es dem Management erlaubt, mit einem übersichtlichen Bündel an Informationen, rasche und schnelle Entscheidungen zu treffen. Gemäß EZB beinhaltet ein gutes Playbook unter u.a. folgende Aspekte:

  • Eine Governance mit eindeutig zugewiesenen Rollen, Eskalationsprozessen und Reaktionszeiten
  • Klar definierte Entscheidungsprozesse um in der Krise schnell handeln zu können
  • Kontaktdaten der wichtigsten internen und externen Akteure zur Unterstützung des Managements
  • Kritische Kommunikationselemente und -strategien die gegebenenfalls unverzüglich und bereits zeitgleich mit der Ursachenanalyse, Maßnahmenvorbereitung und Entscheidungsfindung ablaufen können (z.B. durch Nutzung von Kommunikationsforen in sozialen Medien).

Dry-Runs

Ein Dry-Run ist die Live-Simulation einer realistischen Krisensituation. Vergleichbar mit einer Brandschutzübung ist es das Ziel eines Recovery Dry-Runs, in einem möglichst eng den Echtbedingungen entsprechenden Rahmen zu testen, ob die im Sanierungsplan beschriebenen Vorkehrungen tatsächlich geeignet sind, eine Krise zu bewältigen und ob die Mannschaft auch unter Krisenbedingungen in der Lage ist, besonnen und professionell, vor allem aber in der gebotenen Geschwindigkeit nach den Vorgaben des Plan zu handeln. Im Kern steht daher zum einen die Tauglichkeit der Governanceprozesse zu prüfen, von der Identifikation von Krisensignalen über die Eskalation, Faktenanalyse und Entscheidungsfindung bis zur Umsetzung und Überwachung von Sanierungsmaßnahmen: Wie lange dauert es, bis die Organisation in den Krisenmodus wechselt und die für die Krisenbewältigung erforderlichen Personen mit den relevanten Informationen versorgt werden und Entscheidungen treffen. Zum anderen geht es darum die tatsächliche Schlagkraft der definierten Sanierungs- und Kommunikationsmaßnahmen zu testen. Auch hier geht es um die Geschwindigkeit, aber vor allem um die Präzision, mit der z.B. Portfolien für einen Verkauf ausgewählt, bewertet, potentielle Käufer ausgewählt und angesprochen und Verkaufsprozesse aufgesetzt werden können oder Zielgruppen für die Krisenkommunikation identifiziert und mit konkreten Botschaften angesprochen werden können.

Die EZB stellt in ihrem Bericht die folgenden Erfolgsfaktoren für die Durchführung eines Dry-Runs heraus:

  • Eine klare Unterstützung des Dry-Runs durch den Vorstand, die auch die aktive Teilnahme des Vorstands am Dry-Run mit einschließt.
  • Eine klare Festlegung sowohl der Ziele des Dry-Runs als auch der zu testenden Aspekte des Sanierungsplans. Insbesondere ein erster Dry-Run sollte zunächst auf einzelne Ausschnitte des Sanierungsplans eingegrenzt werden. 
  • Das Nachstellen einer realitätsnahen Krisensituation erfordert eine detaillierte Vorbereitung, insbesondere der Szenarioannahmen.
  • Um Missverständnissen und Gerüchten vorzubeugen, kann die vorzeitige Kommunikation, dass ein Dry-Run durchgeführt wird hilfreich sein. Dies kann auch die Bankenaufsicht einbeziehen, wenn auch die Information des Aufsehers im Rahmen der Krisenkommunikation Bestandteil des Dry-Runs sein soll. 
  • Ein realistischer, auf die Zielsetzung der Übung abgestimmter Zeitrahmen, der ein Handeln unter Stressbedingungen erfordert.
  • Die Einbindung eines unabhängigen, ggf. externen Beobachters, um eine objektive Auswertung der Ergebnisse des Dry-Runs zu gewährleisten
  • Eine zeitnahe Weiterverfolgung der im Dry-Run identifizierten Schwächen und deren Einarbeitung in den Sanierungsplan
  • Die zeitliche Planung des Dry-Runs sollte idealerweise auf die jährlichen Aktualisierungsprozesse des Sanierungsplans abgestimmt sein, um die Erkenntnisse aus dem Dry-Run gleich in die nächste Aktualisierung einfließen lassen zu können
  • Eine regelmäßige Wiederholung (z.B. jährlich) erhöht die Effektivität der Dry-Runs; eine Roadmap mit Schwerpunktthemen künftiger Dry-Runs hilft bei der Planung
  • Nicht zuletzt empfiehlt die EZB eine offene Kommunikation der Ergebnisse gegenüber der Aufsicht sowie eine Beschreibung des Dry-Runs im Anhang des Sanierungsplans.

Fazit

Der Bericht der EZB zu dem erreichten Standard und der erwarteten Entwicklungsrichtung der Sanierungspläne kann als Einläuten einer dritten Phase der Sanierungsplanung interpretiert werden: Die erste Phase bestand aus dem initialen Erstellen der ersten Sanierungspläne. In den nachfolgenden rund vier Jahren hat die Aufsicht den Banken Rückmeldungen zur Verfeinerung und Präzisierung der Kernelemente des Sanierungsplans gegeben. In der nun beginnenden dritten Phase stellt die Aufsicht die „Operational Readiness“ der Pläne ins Zentrum. Zusammengefasst bedeuten diese neuen Anforderungen, dass die Sanierungsplanung als laufender Prozess zu betrachten ist der nicht mit der Abnahme des Plans durch das Management endet. Es ist im Interesse von beiden, Aufsehern und Banken, sich angemessen auf außergewöhnliche Krisen vorzubereiten. Der künftige Fokus der EZB bei der Prüfung von Sanierungsplänen wird darin liegen, ob diese ihren Zweck der erhöhten Krisenresistenz erhöhen.

EZB - Report on recovery plans 

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