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Dimensionen - Schwerpunkt Neue Arbeitswelt - Kreise ziehen

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Die KPMG Fachzeitschrift bietet Neuigkeiten aus den Bereichen Wirtschaftsprüfung und Beratung.

Circular Economy ist neben Digitalisierung und Nachhaltigkeitsberichterstattung eines der „Buzzwords“ der heutigen Zeit. Auch die EU hat bereits das zweite Paket erlassen, welches die europäische Wirtschaft bei ihrer Transformation unterstützen soll. Aber was genau steckt eigentlich hinter Circular Economy, warum brauchen wir sie und was „kostet“ sie uns?

Circular Economy (CE), zu Deutsch Kreislaufwirtschaft, bezeichnet mehr als nur einen Paradigmenwechsel, bei dem aus der Wiederverwertung und -verwendung von Abfall neue Ressourcen gewonnen werden. Es geht um viel mehr: Unsere Wirtschaft durch die Entwicklung eines widerstandsfähigen Systems anzukurbeln, indem Ressourcen effizient genutzt werden und ein Umdenken in der Gesellschaft vorangetrieben wird.

Herausfordernde Zukunft

Mit einer Weltbevölkerung, die bis 2030 auf knapp neun Milliarden Menschen anwachsen soll, sehen wir uns mit einem allgegenwärtigen Ressourcendruck konfrontiert. Der derzeit noch vorherrschend lineare Ansatz des Wachstums basiert auf folgender Annahme: Ressourcen sind reichlich vorhanden und billig zu entsorgen. Allerdings wurde in den vergangenen Jahren bereits mehrfach das Gegenteil bewiesen: Nämlich, dass dieser „Take-make-dispose“-Ansatz nicht dazu geeignet ist, den aktuellen, geschweige denn den prognostizierten, Bedürfnissen der Menschheit gerecht zu werden. Die Endlichkeit der Ressourcen, der massive Anstieg des Abfallaufkommens und die bisher gescheiterten Versuche „das“ Problem zu lösen, sprechen für sich.

Um diesem Problem Rechnung zu tragen, verabschiedete die Europäische Kommission Anfang 2018 das „2018 Circular Economy Package“. Es handelt sich hierbei um das zweite Maßnahmenpaket der EU mit dem Ziel, Europa in eine wettbewerbsfähigere und nachhaltigere Wirtschaft zu verwandeln. Kernelemente dieses Pakets sind der Kampf gegen den vorherrschenden „Plastikwahnsinn“ sowie ein Katalog mit insgesamt zehn Schlüsselindikatoren zur Fortschrittsüberwachung auf EU- und Länderebene.

Eine neue Denkweise

Die Kreislaufwirtschaft bezeichnet ein regeneratives System, in dem Ressourceneinsatz und Abfallproduktion, Emissionen und Energieverschwendung minimiert werden. Das geschieht durch das Verlangsamen, Verringern und das Schließen von Energie- und Materialkreisläufen. Erzielt werden kann dies durch langlebige Konstruk-tion, Instandhaltung, Reparatur, Wiederverwendung, Remanufacturing, Refurbishing und Recycling. Das Prinzip der Kreislaufwirtschaft erfordert ein konsequentes Umdenken bei Ressourcen, Produkten und Geschäftsmodellen und geht weit über rein technologische Optimierungen hinaus. Produkte und deren Design müssen neu gedacht werden: Ein solches Umdenken ist notwendig, um die Produkte zB auch nach der Demontage wiederverwenden zu können oder um zu deren Herstellung energieeffiziente bzw regenerative Ressourcen zu benötigen. Das Konzept erfordert grundsätzlich umfassendere Überlegungen, wie

  • die Umstellung einer produkt-orientierten auf eine dienstleistungsorientierte Konsumgesellschaft (zB Carsharing, Community-Marktplätze) oder
  • die verstärkte Nutzung von Online- bzw digitalen Diensten (zB Bücher, Streaming-Plattformen für Musik oder Filme/Serien, autonome Fahrzeuge).

So funktioniert Circular Economy – ein Beispiel zur Veranschaulichung: Ein Herrenmodehersteller produziert Jeans aus 100 Prozent Biobaumwolle und bietet folgende Dienstleistungen an: Einen kostenlosen Reparaturservice für seine Kunden und ein Rücknahmesystem, bei welchem die Kunden nach der Rückgabe eines alten Paar Jeans 20 Prozent Rabatt auf eine neue Jeans erhalten. Ist die retournierte Jeans nicht mehr zu reparieren, wird recycelt. Dieses Geschäftsmodell agiert auf diversen Ebenen der CE: Biologische Baumwolle als Rohmaterial birgt weniger schädliche Umweltauswirkungen als herkömmliche Baumwolle, das Unternehmen bietet Kunden Reparatur-Dienstleistungen an, es repariert und verkauft retournierte Produkte und lässt untragbare Jeans zB zu Teppichen weiterverarbeiten. Die geschilderten Hebel schaffen aber nicht nur einen ökologischen Mehrwert, sondern tragen auch zur Kostensenkung bei. Bspw werden Ausgaben für Neumaterialien (Primärressourcen), Haushalts- und Regierungsaufwendungen oder Opportunitätskosten eingespart.

Veränderte Arbeitswelt

Circular Economy birgt enormes Potenzial: Die Verbesserung der Ressourceneffizienz hat erhebliche positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Im Gegensatz zu weniger Arbeit, die aus traditionellen industriellen Entwicklungen resultiert, erfordert die Kreislaufwirtschaft mehr qualifizierte Arbeit. Einer Studie des „Club of Rome“ zufolge könnten in Europa durch CE über 1 Mio neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Ob diese die bisherigen Arbeitsplätze ersetzen oder tatsächlich hinzukommen, ist nicht immer klar. Dies ist in erster Linie von der Nutzung erneuerbarer Energien, der Energieeffizienz sowie der Materialeffizienz im jeweiligen Land abhängig.

Wichtig zu wissen: Recycling ist erst der Beginn der CE-Entwicklung. In Bezug auf die Art der Arbeitsplätze schafft das Recycling im Allgemeinen meist Arbeitsplätze mit geringer Qualifikation. Da eine Kreislaufwirtschaft jedoch anspruchsvollere Methoden und Prozesse erfordert, werden auf diesem Weg mehr hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen. Servicierung, Wiederaufarbeitung und Bio-Raffination sind die wichtigsten Pfeiler der Kreislaufwirtschaft, welche die Struktur des Arbeitsmarktes verändern können. Da die Arbeitslosigkeit derzeit hauptsächlich den Bereich der Geringqualifizierten betrifft, kann sich CE an die aktuelle Situation anpassen, derzeitige Probleme struktureller Ungleichheiten lösen und eine gute Grundlage für qualifizierte Arbeitskräfte schaffen.

Der Weg zum neuen Modell

Eines ist sicher: Ein Wechsel zu einem zirkulären Modell wird unvermeidbar sein. Eine solche Veränderung ist aber nur durch neue, innovative Geschäftsmodelle und Kooperationen möglich. Unternehmen müssen sich also die Frage stellen, wie sie sich CE-ready machen und dem BAU (Business-as-usual)-Ansatz den Rücken kehren können. KPMG entwickelt dazu einen vierstufigen Prozess, um zirkuläre Geschäftsmodelle in die Tat umzusetzen. Der Prozess wird von „KPMG Circular Training“-Modulen begleitet, die den Mitarbeitern das notwendige Know-how über sämtliche Transformationsphasen hinweg vermitteln.

Autorin

Jasmin Huber

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