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Dimensionen - Schwerpunkt Neue Arbeitswelt - Groß gewachsen

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Die KPMG Fachzeitschrift bietet Neuigkeiten aus den Bereichen Wirtschaftsprüfung und Beratung.

SAP verkündete, eine Plattform für „das intelligente Unternehmen“ anzubieten. Der Artikel geht der Frage nach, wie sich SAP im Bereich Digitalisierung selbst transformiert hat. SAP Vorstandsvorsitzender McDermott besuchte vor Kurzem den österreichischen Bundeskanzler, um die Digitalisierung im öffentlichen Bereich voranzutreiben. Ein Grund mehr, die Entwicklung in der Digitalisierung zu durchleuchten.

Bei der Untersuchung der digitalen Transformation von SAP legt der Artikel besonderes Augenmerk auf das anorganische Wachstum des Unternehmens. Dafür wurden die aktuellen Gartner Reports vom Mai 2018 zu einzelnen Geschäftsfeldern einer Unternehmung für eine Einschätzung der Investitionen in Milliardenhöhe aus den letzten Jahren herangezogen.

Das intelligente Unternehmen

Welche Komponenten sollten ineinandergreifen, um von einem intelligenten System innerhalb einer Unternehmung sprechen zu können? Zum einen sollten in einer digitalen Plattform intelligente Technologien, wie zB maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz (KI), genutzt werden können. Des Weiteren sollte sich die Verknüpfung dieser neuen Möglichkeiten in den End-to-end-Prozessen wiederfinden.

Anorganisches Wachstum

Die Ausgangssituation: 2010 platzierte SAP seine digitale Strategie mit SAP HANA. Der Umsatz lag zu diesem Zeitpunkt bei EUR 12,4 Mrd und stieg auf EUR 23,4 Mrd im Jahr 2017. Im gleichen Zeitraum stieg das operative Ergebnis (EBIT) von EUR 2,5 Mrd auf EUR 4,8 Mrd. Beschäftigte SAP 2010 noch 53.000 Mitarbeiter, so sind es aktuell 91.000. Ausgehend von einem stabilen Kernprodukt, Enterprise ­Ressource Management (ERP), hat SAP strategisch sehr stark in den Bereich Digitalisierung investiert.

SAP Gründer Hasso Plattner brachte es auf den Punkt: „Das intelligente Unternehmen ist kein Produkt – es ist ein System.“ Wie SAP dieses System durch anorganisches Wachstum systematisch ausgebaut hat und wie wichtig diese Akquisitionen für die Erweiterung hin zum intelligenten Unternehmen sind, zeigen die Akquisitionen aus den letzten Jahren sehr deutlich:

  • Vertrieb
    Im April 2018 kaufte SAP das US-Unternehmen Callidus, Spezialist für Software zum Management von Kundenbeziehungen (CRM), für USD 2,4 Mrd. Im Juni 2018 kündigte SAP an: Alle Produkte, welche den Vertrieb unterstützen, heißen zukünftig C/4HANA. 2017 wurde der US-Anbieter Gigya, dessen Lösung Unternehmen die Verwaltung von Kundenprofilen im Internet erleichtert, gekauft. Das Unternehmen wurde Teil der E-­­Commerce-Sparte Hybris. Hybris, führend im Multi-­Channel-Vertrieb, wurde 2013 für USD 1,5 Mrd gekauft. Leader in Gartner Magic Quadrant for Multichannel Marketing Hubs (05/2018).
  • Einkauf
    2012 übernahm SAP die US-Firma Ariba. Diese betreibt eine Plattform für die betriebliche Beschaffung, die in der Cloud läuft. Kaufpreis: USD 4,3 Mrd. Zur Cloud-Strategie passte auch die Übernahme von Fieldglass im Jahr 2014. Der US-Anbieter hat eine Plattform für die Personalverwaltung entwickelt sowie ein Managementsystem zur Beschaffung von Dienstleistungen und externe Workforce Management-Programme. Beide Produkte sind bei Gartner, Magic Quadrant for Procure-to-Pay Suites (2018), top gerankt.
  • Personal
    Software für das Personalmanagement kaufte SAP 2012 über die US-Firma SuccessFactors zu. Ihre Systeme reichen von der Kandidatensuche bis zur Nachfolgeplanung, bereitgestellt über die Cloud. Kaufpreis: USD 3,4 Mrd. Zusammen mit dem Konkurrenzprodukt Workday, die führende Lösung im Personal Bereich (Magic Quadrant for Talent Management Suites, Gartner 2018). Zusätzlich wurden 2014 für den amerikanischen Spezialisten für betriebliche Reisekostenabrechnung Concur USD 8,3 Mrd investiert.
  • Digitale Plattform
    Im Jahr 2016 hat SAP seine IoT-­Fähigkeiten unter der Marke Leonardo zusammengeführt und Investitionen in der Höhe von zwei Milliarden US-Dollar über fünf Jahre angekündigt. Dazu gehörten erste Akquisitionen wie PLAT.ONE und Fedem Technology sowie jüngst der Kauf von Coresystems. Im Gartner Magic Quadrant für industrielle IoT-Plattformen (05/2018) ist SAP in diesem Bereich führend. Um das Bild abzurunden: In das Jahr 2010 fiel der Kauf von Sybase für USD 5,8 Mrd. Mit dem Zukauf brachte der Konzern seinerzeit gleichzeitig sein Datenbankgeschäft voran. 2012 kaufte SAP Syclo, eine mobile Plattform, um mobile Prozesse an SAP-­Systeme anzubinden.
  • Management Reporting
    Um Business Intelligence in Echtzeit für das Management anzubieten, wurde das Digital Boardroom konzipiert. Es ermöglicht Entscheidungsgremien, nahezu jeden Sachverhalt übersichtlich darzustellen, umfassend zu analysieren und anhand der gewonnenen Ergebnisse direkt Handlungen anzustoßen. Das Entscheider-Cockpit basiert auf der SAP Cloud Plattform und der Lösung SAP Analytics Cloud und greift auf Geschäftsbereichsdaten aus SAP S/4HANA und andere Anwendungen zu. Der Grundstein hierfür liegt schon etwas zurück: 2007 kaufte SAP Business Objects, einen Anbieter für Business Intelligence Lösungen, für USD 4,8 Mrd.

Alle genannten Mergers & Acquisitions wurden in die digitale Plattform SAP S/4HANA integriert. Nicht zu vergessen: Alle gekauften Unternehmen wurden auch Richtung S/4HANA transformiert.

Organisches Wachstum

In folgende Innovationen hat SAP in den letzten Jahren viel investiert und sein Portfolio ausgebaut:

  • Finanzabteilungen
    Mit der Effektivität des maschinellen Lernens im Rahmen von SAP Leonardo nutzen Finanz- und Risikoanwendungen bereits in mehreren Szenarien maschinelles Lernen. Und die Zahl wächst weiter. So lernt das System zB mittels historischen Transaktionen, Kundenzahlungen auf Rechnungen für offene Debitorenpositionen auszugleichen. Zudem wurde das Datenmodell im Finanzbereich vereinfacht und es herrscht nun eine einheitliche Sicht auf Finanz und Controlling.
  • Sicherheit
    Predictive Analytics nutzt das maschinelle Lernen, um über Tausende von Vorhersagemodellen zu skalieren, um Muster im Zusammenhang mit Betrug, Compliance-Fehlern und anderen Ausnahmen zu finden.
  • Supply Chain
    Gartner gab im Mai 2018 die Rangliste der effizientesten Supply Chain-Firmen bekannt. Die Fähigkeit, mittels künstlicher Intelligenz Supply Chain- und Logistikfunktionen zu rationalisieren, bietet bereits jetzt starke Wettbewerbsvorteile. Die Skalierung der digitalen Lieferkettenfähigkeiten fokussiert sich auf die Automatisierung in Fertigung und Logistik, wobei auch der digitale Kundendienst explosionsartig angestiegen ist. Dies beinhaltet Robotic Process Automation (RPA) im Order to Cash-Zyklus und die Verwendung von KI-Chatbots. So hat bspw Unilever als Ranglistenanführer bereits Hunderte von Prozessen automatisiert. Eine Roadmap für weitere Hunderte existiert bereits.

Trends im Überblick

Im Juni 2018 fanden die CEBIT und SAPPHIRE statt. ­Folgende Trends konnten hier beobachtet werden:

  1. SAP Partner werden stärker eingebunden und können in der SAP Leonardo Machine Learning Foundation eigene Services erstellen: In den Rubriken Objekt- erkennung, Texterkennung in Bildern, Textklassifizierung sowie mittels Googles Open Source-Lösung TensorFlow. Das bedeutet: Im stark wachsenden Markt für Künstliche Intelligenz können Algorithmen von SAP Partnern eigenständig entwickelt und in die Leonardo Plattform integriert werden. Dies zeigt aber auch, dass der Markt um KI sehr kompetitiv ist und viele Firmen mit Schwerpunkt KI in den letzten Jahren aufgekauft wurden.
  2. Der Trend, dass Cloudlösungen bei verschiedenen Cloud-Anbietern laufen können, hat sich auch bei SAP durchgesetzt. Das SAP Produkt Leonardo ist jetzt multicloud-fähig und läuft nicht nur in der SAP Cloud, sondern auch auf Amazon-, Google- und ­Microsoft-Cloud-Services.

Sei es nun mit SAP oder ohne – die Tendenz ist klar: Der Weg für ein intelligentes Unternehmen ist bereits geebnet und schon sehr fortgeschritten.

Ein Denkanstoß

Uber yourself before you get kodaked. Allein mit agilen kreativen Methoden wie Design Thinking und Scrum ist es nicht getan. Zu disruptiv sind bereits die Technologien, Produkte und Dienstleistungen. Entschlossenes Handeln aus einem stabilen Unternehmenskern heraus in Segmente, die sehr kompetitiv sind, ist mehr denn je gefragt. Hierfür benötigt es Lösungen, welche iterativ mitwachsen können.

Autor

Gernod Beckhuis

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