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Erste Erfahrungen mit dem Bestätigungsvermerk „Neu“

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1. Der „Bestätigungsvermerk Neu“

Kernelement des neuen Bestätigungsvermerks ist die Beschreibung der „besonders wichtigen Prüfungssachverhalte“ – englisch „Key Audit Matters“ („KAMs“). War der Bestätigungsvermerk bisher formelhaft gleichgehalten, so soll die Darstellung der Key Audit Matters besser auf die unternehmensspezifischen Themen und deren Prüfung eingehen. Der Aufbau eines KAM ist zweigliedrig: Zuerst werden kurz der besondere Sachverhalt und das Risiko für den Abschluss dargestellt. In Teil zwei beschreibt der Abschlussprüfer, wie er diese Risiken im Rahmen der Abschlussprüfung adressiert hat. Generell betreffen KAMs häufig Sachverhalte, die wesentliche Annahmen oder Ermessensentscheidungen beinhalten, und für den Abschluss damit ein höheres Fehlerrisiko besteht.

2. Internationale Erfahrungen

In Großbritannien besteht die verpflichtende Berichterstattung über KAMs seit dem Geschäftsjahr 2013. Eine Studie1 des britischen Financial Reporting Councils FRC aus 2016 für die Geschäftsjahre 2014 und 2015 gibt einen guten Überblick über die häufigsten als KAM berichteten Themen. Spitzenreiter waren„impairments of goodwill“ (43 Prozent), „taxation“ (43 Prozent), „accounting for revenue“ (42 Prozent) sowie „other asset impairments“ (29 Prozent). Im Zeitverlauf stetig zunehmende Bedeutung erlangten die Kategorien Umsatzrealisierung, Akquisitionen und außerordentliche Posten. Einer deutschen Studie2 zufolge, die sich mit englischen und irischen BVs mit KAMs von 2012 bis 2016 befasst, enthielten die Bestätigungsvermerke in diesem Zeitraum durchschnittlich 3,8 Key Audit Matters. Die Anzahl war über die betrachtete Periode leicht rückläufig. Ein Rückgang war insbesondere bei den Kategorien „risks of fraud in revenue recognition“ und „risks of management override of control“ zu verzeichnen. Weiters stellten die Autoren einen Trend zu einer zunehmend unternehmensindividueller werdenden Auswahl fest.

3. Erste Erfahrungen in Österreich

Die Pflicht zur Erläuterung von KAMs ergibt sich in Österreich einerseits aus den als Prüfungsstandard vorgeschriebenen International Standards on Auditing (ISA 701) für Abschlüsse von börsennotierten Unternehmen, und andererseits aus der unmittelbaren Wirkung der EU-VO für Unternehmen von öffentlichem Interesse. Der Adressatenkreis der EU-Verordnung ist deutlich weiter als jener von ISA 701, weil neben börsennotierten Unternehmen auch alle Banken und Versicherungen umfasst sind. Weil ISA 701 bereits für Abschlüsse zum 31. Dezember 2016 anwendbar war, liegen in Österreich seit vorigem Jahr die ersten Erfahrungen mit dieser neuen Berichterstattung vor.

Eine Analyse der Geschäftsberichte von an der Wiener Börse notierten Unternehmen zeigte folgendes Bild: Im Industriebereich (68 von 103 Unternehmen) betreffen die häufigsten KAMs „Impairment Sachanlagevermögen und IFRS 5“, knapp gefolgt von „Impairment Goodwill“. Sehr häufig wurden aber auch „latente Steuern und sonstige Steuern“ sowie „Umsatzrealisierung/ Auftragsfertigung“ angeführt. Hingegen kaum behandelt wurden „Vorratsbewertung“ oder „Pensionsrückstellungen“. Der Mittelwert der Anzahl an Key Audit Matters pro Bestätigungsvermerk liegt bei 2,41. Bei der Analyse der Finanzdienstleistungsunternehmen (35 von 103 Unternehmen) zeichnet sich ein deutlich anderes, allerdings in sich weitgehend homogeneres Bild ab. Die KAMs zur Prüfung der Abschlüsse von Finanzdienstleistungsunternehmen entfallen ca zur Hälfte (46 Prozent) auf die Kategorie „Finanzinstrumente IAS 39/Kundenforderungen“. Weiters stark vertreten sind „Bewertung Rückstellungen“, „Impairment Beteiligungen“ und „Bewertung Verbindlichkeiten“. Im Vergleich zu den Industrieunternehmen sticht aus der Analyse hervor, dass generell häufiger die gleichen KAMs identifiziert wurden. Die Homogenität der Abschlussprüfungen in diesem Bereich mag durch die Finanzdienstleistungsunternehmen inhärenten Strukturmerkmale bedingt sein. Zusätzlich ist bemerkenswert, dass die Beschreibungen zu den einzelnen KAMs etwa ein Drittel länger als die zu Industrieunternehmen sind und im Durchschnitt 2,86 KAMs berichtet werden.

4. Zusammenfassung: mehr als nur ein längerer Text?

Die schon lange Zeit diskutierte „Individualisierung des Bestätigungsvermerks“ und damit die Abkehr vom reinen „Formeltestat“ ist Kern der Neuerungen in den internationalen Prüfungsstandards und in der EU-Abschlussprüfungsverordnung seit dem Jahr 2016 bzw 2017. Übergeordnetes Ziel ist die Verbesserung der Aussagekraft von Bestätigungsvermerken. Wurde das Ziel auch erreicht?

Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die Anzahl der als Key Audit Matter angeführten Themen mit gewissen regionalen und branchenbezogenen Unterschieden großteils zwischen 2 und 5 liegt. Inhaltlich handelt es sich bei den berichteten Key Audit Matters um die „üblichen Verdächtigen“ – Sachverhalte, die auf Grund ihrer Bedeutung auch im jeweils geprüften Abschluss und anderen Kommunikationsmedien berichtet werden. Bei genauerem Lesen eines – vor allem nach IFRS erstellten – Abschlusses war diese Information daher bereits bisher verfügbar. Der Nutzen der Key Audit Matters liegt damit mehr in der prominenteren Platzierung im Bestätigungsvermerk und wohl auch in der Tatsache, dass die Beschreibung vom unabhängigen Abschlussprüfer stammt. Hilfreich mag auch die Darstellung der vom Abschlussprüfer durchgeführten Prüfungshandlungen sein – einerseits um den Komfort der Leser zu verbessern, andererseits aber auch um eine etwaige Erwartungslücke zu verringern.

Damit ist insgesamt zweifellos ein gewisser Fortschritt sichtbar. Ob dieser den zusätzlichen Aufwand für die Formulierung des neuen Bestätigungsvermerks rechtfertigt, bleibt zu beobachten. Interessant wird es auch sein, inwieweit sich langfristig weitere Angleichungstendenzen in Bezug auf die Identifikation und Gestaltung von KAMs innerhalb einzelner Länder, Branchen und eventuell auch Abschlussprüfer ergeben werden.


1 FRC, Extended auditor’s report (2016) 2 Henselmann/Seebeck, WPg 2017 Auswertung nach Kategorien

– 68 Industrieunternehmen

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