Kreditrisiko | KPMG | AT

Kreditrisiko: Geplante NPL-Anforderungen bringen für alle europäischen Banken ab 2019 neue Herausforderungen

Kreditrisiko

Vor dem Hintergrund gestiegener NPLs („Non-performing Loans“) in den Bilanzen der europäischen Banken begann die EU-Kommission (EC) letztes Jahr Maßnahmen in Form eines Aktionsplans zu ergreifen. Als Beitrag zu diesem Aktionsplan hat – nach der EZB Guidance zu NPLs im letzten Jahr – die europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) am 8. März 2018 einen Leitlinien-Entwurf zur Behandlung von notleidenden Forderungen veröffentlicht.

Senior Manager, Advisory

KPMG Austria

Kontakt

Verwandte Inhalte

Nach Finalisierung dieser Leitlinien gelten diese – im Gegensatz zum in der Branche vieldiskutierten EZB-Leitfaden zu NPLs – für alle Banken jeglicher Größe, jedoch unter Beachtung von Proportionalitätsgrundsätzen.

Der Inhalt der Leitlinien befasst sich mit aufsichtlichen Maßnahmen, um die Zusammenarbeit von Behörden mit Banken zu stärken und Strategien zur Reduktion von NPEs („Non-performing exposures“) zu verbessern. Daher werden primär Maßnahmen zur Beschleunigung des Abbaus von notleidenden Beständen forciert.

1. Für alle Banken (unabhängig von der NPL-Ratio) sind folgende Vorgaben der EBA-Leitlinien verbindlich einzuhalten:

  • Analyse der Realisierbarkeit von Stundungsmaßnahmen (Forbearance)
  • Harmonisierung der NPE-Identifizierung / Default-Trigger
  • Analyse der angemessenen Höhe der Wertminderungen und Abschreibungen
  • Angemessene Bewertung der Kreditbesicherung

2. Für Banken mit signifikanten Beständen an notleidenden Forderungen (zB NPL-Ratio > 5% gesamt oder in einem signifikanten spezifischen Teil des Portfolios) gelten besondere Vorgaben. Diese Banken sollen zusätzlich zu den oben genannten Aspekten eine klar definierte NPE-Strategie aufweisen, an der die NPE-Governance und Operations (wie etwa spezielle Workout-Einheiten für NPEs) ausgerichtet sind. Die betroffenen Banken werden dazu angehalten, für jedes relevante Portfolio einen klaren und realistischen NPE-Reduktionsplan über einen ambitionierten, aber realistischen Zeithorizont zu erstellen, der die Herangehensweise und die Ziele der Bank berücksichtigt. Ebenfalls sollen solche betroffenen Banken über eine Governance-Struktur und operationelle Vereinbarungen verfügen, welche Herausforderungen mit NPE effizient und effektiv behandeln.

Es ist geplant, dass die nun im Entwurf veröffentlichten Maßnahmen im Sommer finalisiert werden und mit 1.1.2019 gelten, dh Banken sollten bereits jetzt die Leitlinien analysieren um Anpassungsbedarf zu eruieren.

Als weiterer Teil des Aktionsplans wurde von der EC am 14. März 2018 eine Verordnung zur Änderung der bestehenden Eigenkapitalverordnung (CRR) im Hinblick auf die Mindestdeckung notleidender Risikopositionen für alle Banken in Europa vorgeschlagen. Diese spielt insofern mit den EBA-Leitlinien zusammen, als dass beide Veröffentlichungen die Verhinderung einer zukünftigen Anhäufung notleidender Kredite verfolgen und dabei insbesondere Stundungsmaßnahmen (Forbearance) behandeln.

Im Rahmen dieses Verordnungsentwurfes wurde eine einheitliche Definition für NPEs eingeführt, welche auf dem NPE-Konzept aus dem Meldewesen (VO Nr. 680/2014) beruht und daher für aufsichtliche Meldungen bereits in Verwendung ist. Zudem sind strikte Kriterien eingeführt worden, wann eine Risikoposition nicht mehr als notleidend behandelt wird und welche regulatorische Folgen sich durch Stundungsmaßnahmen (Forbearance) ergeben.

Die EC verfolgt mit dem Verordnungsentwurf die Sicherstellung einer ausreichenden Verlustdeckung der Banken für ab 14. März 2018 neu als notleidend eingestufte Forderungen. Zudem werden einheitliche Mindestbeträge festgelegt, die die Banken für Verluste aus künftigen NPEs vorhalten müssen. Falls eine Bank die anwendbare Mindesthöhe unterschreitet, sind gemäß der EC Abzüge von den Eigenmitteln der Bank vorzunehmen. Im Rahmen der Pflicht zur Ermittlung des Betrags der unzureichenden Deckung von NPEs ist dieser Betrag von den Posten des harten Kernkapitals (CET1) abzuziehen. Die Höhe der Mindestdeckung ist abhängig von einer etwaigen Besicherung: dabei werden besicherte notleidende Exposures zu mind. 35% im Jahr 1 und 100% im Jahr 2 sowie unbesicherte und notleidende Exposures nichtlinear von 5% im Jahr 1 bis 100% im Jahr 8 zu bevorsorgen sein.

EBA-Dokument

EC-Verordnungsentwurf

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden