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Dimensionen - Schwerpunkt Digitalisierung - Der Weg zur Künstlichen Intelligenz

Daten unter der Lupe

Daten unter der Lupe

Dimensionen - Schwerpunkt Digitalisierung

Forensische Untersuchungen stellen Unternehmen und Untersuchungsteams regelmäßig vor große Herausforderungen. Fehlende Informationen zum Sachverhalt sowie unübersichtliche, große Datenmengen zählen zu den häufigsten. Eine professionelle Datenanalyse schafft Abhilfe. Dazu das folgende Fallbeispiel.

Der Ausgangspunkt einer forensischen Untersuchung ist oft ein Hinweis auf (vermutete) Unregelmäßigkeiten, zum Beispiel in Form eines anonymen Whistleblowings. Die Ziele sind klar: Der Sachverhalt soll aufgeklärt und die relevanten Beträge (zB Schaden) sollen ermittelt werden. Eine der größten Herausforderungen bei der Erreichung dieser Ziele liegt häufig darin, dass zu Beginn der Untersuchung nur wenige Informationen zum Sachverhalt verfügbar sind und eine große, unübersichtliche Menge an Rohdaten analysiert werden muss. Die Anwendung von zielgerichteten Datenanalysen bietet Hilfe bei der Überwindung dieser Hindernisse. Mit entsprechenden Werkzeugen sind maßgeschneiderte Analysen und die übersichtliche Darstellung der Erkenntnisse möglich. Werkzeuge wie beispielsweise „Power BI“ ermöglichen eine schnelle und flexible Darstellung relevanter Geschäftsdaten und machen auf einfache Art und Weise verwertbares Wissen sichtbar.

Intensive Spurensuche

Das folgende Beispiel veranschaulicht einen Anwendungsfall: Das Management des fiktiven Lebensmittelproduzenten „Honigbär“ verfügt über Hinweise, dass im Lager unerklärbare Fehlstände auftreten. Genauere Informationen liegen vorerst nicht vor. Eine forensische Untersuchung soll klären, ob es tatsächlich Fehlstände gibt, wie sich diese ergeben haben (Ursache) und wie hoch der Schaden daraus ist.

Der beigezogene Datenanalyst macht sich an die Arbeit. Nach dem Export und der Aufbereitung von Daten aus den Kunden-Systemen werden diese in die Datenanalyse-Umgebung importiert. Daraufhin können rasch vielfältige Analysen durchgeführt werden, die eine Aufklärung des Sachverhalts und eine Berechnung der relevanten Kennzahlen bzw Beträge ermöglichen.

So erfolgt im konkreten Fall eine Analyse der Lagerbewegungen und von allen damit in Zusammenhang stehenden Buchungen (über einen Zeitraum von sieben Jahren sowie von mehreren Standorten und IT-Systemen). Durch die grafische Aufbereitung der Analyse wird augenscheinlich, dass tatsächlich hohe Fehlstände vorliegen.

Analyse im Detail

Die Vorteile einer solchen Datenanalyse liegen insbesondere in der Flexibilität und der Skalierbarkeit. Beispielsweise können Daten aus anderen Konzernunternehmen, welche häufig unterschiedliche Formate und Strukturen aufweisen, jederzeit in der Analyse berücksichtigt werden. Nach dem Import der entsprechenden Daten ist auch die Darstellung mehrerer projektspezifischer Szenarien möglich. Zusätzliche Faktoren oder Varianten können einfach und schnell, oft bereits „live“ während Abstimmungsgesprächen mit dem Kunden, berücksichtigt werden.

Im konkreten Beispiel werden mehrere zusätzliche Analysen durchgeführt: Zuerst erfolgte eine Analyse der Fehlstände im Zeitablauf. Aus der Analyse wird ersichtlich, dass sich in den letzten vier Jahren ein deutlicher Anstieg der Fehlstände ergeben hat. Aus der Vergleichsanalyse mit anderen Konzernstandorten (Abbildung 1) zeigt sich, dass die Fehlstände in den Vergleichsstandorten verhältnismäßig stabil blieben, während sich am untersuchten Standort in den letzten Jahren deutlich höhere Fehlstände ergaben.

Daten unter der Lupe - Abbildung 1

Aus der Darstellung der Fehlstände nach Artikeln (Abbildung 2) wird wiederum ersichtlich, dass bei den exklusiven Sorten Honig „Ka-Bienenparty“ und Stadthonig „Hipster-Biene“ deutlich höhere Fehlbestände verbucht wurden als bei anderen Artikeln.

Daten unter der Lupe - Abbildung 2

Eine Analyse der Buchungen nach Usern zeigt, dass der Großteil der Buchungen in den letzten vier Jahren vom User Willi Schlemmer vorgenommen wurde (Abbildung 3).

Daten unter der Lupe - Abbildung 3

Der gelöste Fall

In der Folge führt das Untersuchungsteam ein Interview mit Willi Schlemmer und konfrontiert ihn mit den Ergebnissen der Analyse. Willi Schlemmer räumt im Gespräch ein, in den letzten Jahren erhebliche Mengen der Honigsorten „Ka-Bienenparty“ und „Hipster-Biene“ entwendet und privat verkauft zu haben. Gestützt darauf kann der Schaden ermittelt werden. Dieses Praxisbeispiel verdeutlicht, dass eine professionelle Datenanalyse bei forensischen Untersuchungen wesentliche und oft fallentscheidende Unterstützung bietet.

Große Datenmengen können zielgruppengerecht und verständlich aufbereitet sowie Prozesse bzw Geschäftsfälle visualisiert werden. Die interaktive und flexible Darstellung der Daten (zB in Workshops mit Kunden) ermöglicht die Identifikation von Auffälligkeiten, Handlungsmöglichkeiten bzw Optimierungspotenzialen und trägt so zu einer effektiven Untersuchung und einer raschen Lösung bei.

Autoren

Johanna Salzinger

Klaus Nöbauer

Manuel Wüthrich

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