Transparenz-Sache | KPMG | AT
close
Share with your friends

Transparenz-Sache

Transparenz-Sache

Als Reaktion auf die Finanzkrise 2008 hat der europäische Gesetzgeber im Mai 2014 eine neue Fassung der MiFID (nun MiFID II) zusammen mit der MiFIR erlassen, welche im Juli 2014 in Kraft traten. Die MiFID II-Richtlinie war bis zum 3. Juli 2017 in nationales Recht umzusetzen, die MiFIR gilt ab dem 3. Jänner 2018 unmittelbar. Die Umsetzung erfolgte insbesondere im WAG 2018 sowie im BörseG 2018 (BGBl 107/2017), beide ab 3. Jänner 2018 anwendbar.

Verwandte Inhalte

Dimensionen - Risikomanagement - Transparenz-Sache - MiFID II

Durch die nationale Umsetzung der MiFID II in das österreichische Wertpapieraufsichtsgesetz 2018 (WAG 2018) wird va der Anlegerschutz verstärkt. Die organisatorischen Anforderungen für Wertpapierfirmen und Wertpapierdienstleistungsunternehmen wurden angepasst. Die Ziele: 

  • die Verstärkung der Wohlverhaltensregeln für Kreditinstitute, Wertpapierfirmen und Wertpapierdienstleistungsunternehmen durch höhere Transparenz- und Informationspflichten beim Anbieten von Wertpapierdienstleistungen und Finanzprodukten,
  • bessere Überwachungs- und Eingriffsbefugnisse der Aufsichtsbehörden, ua durch Produkt- und Vermarktungsverbote,
  • die Vereinheitlichung und Verschärfung der Sanktionsmöglichkeiten innerhalb der EU.

Der Zielmarkt als Neuerung

Eine der wesentlichsten Neuerungen im WAG 2018 ist die gesetzliche Normierung von Produktüberwachungsvorschriften. Noch bevor Finanzprodukte zum Vertrieb gelangen, ist von Produktherstellern, aber auch von jenen, die Produkte vertreiben, ein Zielmarkt für jedes Finanzprodukt festzulegen. Dabei ist zu gewährleisten, dass

  • Finanzprodukte so beschaffen sind, dass sie den Bedürfnissen des bestimmten Zielmarkts von Endkunden entsprechen,
  • Finanzprodukte nur an den definierten Zielmarkt vertrieben werden; die Überprüfung ist vor Geschäftsabschluss durchzuführen,
  • Finanzprodukte als auch der Zielmarkt regelmäßig überprüft werden.

Konzepteure und Vertreiber von Finanzprodukten haben sich regelmäßig auszutauschen, um rasch auf sich ändernde Marktgegebenheiten reagieren und dem Zielmarkt entsprechend anpassen zu können.

Vorteile zur Qualitätssteigerung

Das Streben nach mehr Transparenz beim Vertrieb von Finanzprodukten steht im Vordergrund. Daher dürfen künftig Vorteile (zB Gebühren, Provisionen oder andere Geldleistungen oder nicht in Geldform angebotene Zuwendungen) bei Anbieten von nicht-unabhängigen Anlageberatungsdienstleistungen nur dann angenommen bzw gewährt werden, wenn dadurch die Qualität der Dienstleistung iSd § 52 WAG 2018 für den Kunden verbessert wird. Dies wird ua durch Zugang zu Anlageberatungsdienstleistungen durch die Vor-Ort Verfügbarkeit von qualifizierten Beratern gewährleistet.

Hingegen untersagt das WAG 2018 beim Anbieten von unabhängiger Anlageberatung sowie Portfolioverwaltungsdienstleistungen die Annahme und Gewährung von Vorteilen gänzlich – bzw sind dennoch entgegengenommene Vorteile unverzüglich an den Kunden weiterzugeben. Damit sollen Anreize, bestimmte Produkte zu vertreiben, vermieden werden. Erlaubt sind geringfügige nicht-monetäre Vorteile, wie beispielsweise die Teilnahme an Konferenzen und Schulungen.

Wesentlich dabei: Sämtliche Vorteile sind dem Kunden künftig im Detail offenzulegen. Geringfügige nicht-monetäre Vorteile können generisch offengelegt werden. Über die eingenommenen Vorteile und deren Art der Verwendung ist ein Verzeichnis zu führen. Es soll damit einerseits die Mittelherkunft und andererseits die Mittelverwendung im Sinne einer Qualitätsverbesserung für den Kunden dokumentiert und nachgewiesen werden.

Mehr Dokumentation

Dokumentationspflichten im direkten Kundenkontakt sind künftig noch relevanter:

  • Die Überprüfung der Geeignetheit von Finanzprodukten und Wertpapierdienstleistungen für Kunden anhand der individuellen Bedürfnisse, der finanziellen Situation sowie der Kenntnisse und Erfahrungen des bisherigen WAG 2007 wurde ergänzt: Bei der Anlageberatung gegenüber Privatkunden ist bspw nun vor Geschäftsabschluss zusätzlich eine „Geeignetheitserklärung“ zu übermitteln. Sie legt dar, wie die empfohlenen Finanzinstrumente auf die Präferenzen, Ziele und sonstigen Merkmale des Privatkunden abgestimmt wurden.
  • Im Zusammenhang mit Kostenoffenlegungspflichten ist künftig Folgendes zu beachten: Dem Kunden ist ex-ante und ex-post (zumindest einmal jährlich) eine Aufstellung der mit dem Finanzprodukt/der Wertpapierdienstleistung verbundenen Kosten in aggregierter Form zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich ist dem Kunden die Auswirkung der Kosten auf die Rendite seiner Veranlagung darzustellen (zB mittels einer Grafik).
  • Das WAG 2018 weitet die Aufzeichnungspflichten auch auf telefonische Gespräche bzw elektronische Kommunikation (zB E-Mail) mit Kunden aus: Jegliche Kommunikation, die zu einem Abschluss von Wertpapiergeschäften führen könnte (einschließlich Eigenhandel), ist künftig aufzuzeichnen. Dazu zählen auch interne Telefongespräche, wenn sie mit dem Kundenauftrag direkt in Verbindung stehen. Die Aufzeichnungen sind mindestens fünf Jahre aufzubewahren. Der Kunde kann kostenlos eine Ausfolgung der Abschriften verlangen.

Mehr Handelstransparenz

Zur Verbesserung der Handelstransparenz und der Funktionsweise der Kapitalmärkte sieht die MiFIR eine Reihe neuer Meldeverpflichtungen für Wertpapierfirmen und Handelsplätze vor. Insbesondere beabsichtigte der europäische Gesetzgeber die Vorschriften für die Vor- und Nachhandelstransparenz sowie Transaktionsmeldung auszuweiten. Einen weiteren Kernbereich der MiFIR bildet die Einführung der Handelspflicht für bestimmte OTC-Derivate.

Ausbildung der Berater

Das WAG 2018 sowie das neue FMA-Rundschreiben „Kriterien zur Beurteilung von Kenntnissen und Kompetenzen von Anlageberatern und Personen, die Informationen zu Anlageprodukten erteilen (§ 55 WAG 2018)“ regeln die Kompetenzen der Berater: Es wird im Detail vorgeschrieben, über welches Know-how Berater und Mitarbeiter künftig verfügen müssen. Bis zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des WAG 2018 (3. Jänner 2018) muss evaluiert werden, ob die Mitarbeiter diese Anforderungen erfüllen. Gegebenenfalls ist nachzuschulen sowie jährlich eine Weiterbildung der relevanten Mitarbeiter sicherzustellen.

Durch die neuen MiFID II-Vorgaben gelangt Compliance mehr denn je in den Fokus und in die Verantwortung bei der Überwachung und Sicherstellung der Einhaltung der aufsichtsrechtlichen Regelungen.

Neue Herausforderungen

Die Anforderungen an die Organisation von Kreditinstituten und Wertpapierdienstleistern werden immer höher. Um künftig Wertpapierdienstleistungen anbieten zu können, braucht es bestens ausgebildete Berater und entsprechende Infrastrukturen. Aber auch einen Vertriebsapparat, der es ermöglicht, die geforderten Informationen und Transparenzverpflichtungen möglichst automatisiert dem Kunden zur Verfügung zu stellen. Der verlangte Nachweis einer stetigen Qualitätsverbesserung zur Rechtfertigung der eingenommenen Provisionen stellt Unternehmen vor große Herausforderungen.

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden