Neu berechnet | KPMG | AT
close
Share with your friends

Neu berechnet

Neu berechnet

Die Überarbeitung der Capital Requirements Regulation (CRR) bringt umfangreiche Änderungen im Bereich Marktrisiko mit sich. Im Fokus stehen neue Anforderungen für Handelstische, eine klarere Abgrenzung zwischen Handelsbuch und Anlagebuch und neue Berechnungslogiken der Eigenmittelanforderungen für den Standardansatz als auch für interne Modellansätze.

Senior Manager, Advisory

KPMG Austria

Kontakt

Verwandte Inhalte

Dimensionen - Schwerpunkt Risikomanagement - Neu berechnet

Mit 2019 nähert sich das Ende der Implementierungsfrist der neuen Kapitalanforderungen für Marktpreisrisiken. Das Thema ist aus der Historie heraus auch unter dem Synonym FRTB (Fundamental Review of the Trading Book) bekannt. Es wird mit dem im November 2016 als Entwurf veröffentlichten Reformpaket zur Überarbeitung der CRD/CRR voraussichtlich 2018 als EU-Gesetz verabschiedet. Das genaue Umsetzungsdatum ist noch in Diskussion.

Die neuen Regelungen

Die bisherigen Vorschriften haben insbesondere in der Finanzkrise 2007 und 2008 Schwächen gezeigt. Mit der Einführung der neuen Regelungen nach FRTB beabsichtigt der Standardsetzer Interpretationslücken bei der Handelsbuchzuordnung zu schließen. Veraltete Berechnungsmethoden für die Eigenkapitalanforderungen, die aufgrund neuartiger, strukturierter Produkte möglicherweise nicht alle Risikoarten erfassen, sollen ausgefeilter und einheitlicher werden. Der Spielraum für die Anwendung von internen Modellen soll durch verpflichtende laufende Tests weiter eingeschränkt werden.

Die Anforderungen von FRTB haben das Potenzial, Geschäftsmodelle zu verändern. Derzeit stehen die Institute daher vor der Herausforderung, ein auf die Größe ihres Handelsbuchs und die Komplexität ihrer Handelsinstrumente zugeschnittenes Zielbild einer FRTB-Umsetzung und eine den zeitlichen Vorgaben entsprechende Roadmap zu definieren.

Im Kern dieser Vorbereitungen steht eine Business Case-Rechnung, die zum einen die Eigenmitteleffekte von FRTB je Instrument mit einer Profitabilitätsanalyse je Instrument und Handelstisch verknüpft. Zum anderen sind die Kosten einer FRTB-Umsetzung in ihrer Abhängigkeit zu angrenzenden Regularien, wie IFRS 9 und BCBS 239, zu berücksichtigen.

Die wichtigsten regulatorischen Neuerungen von FRTB umfassen folgende vier Elemente:

1. Neue Anforderungen für Handelstische

Institute müssen Handelstische neu definieren und die Handelspositionen einem dieser Tische zuordnen. Die Definition der Handelstische muss außerdem weitergehenden Governance-Anforderungen entsprechen und bedarf der ausdrücklichen Zustimmung der Aufsichtsbehörde. Diese kann unter bestimmten Umständen auch Erleichterungen gewähren. Weitere Ausnahmeregelungen gibt es für Institute, die ausschließlich ein kleines Handelsbuch führen.

2. Abgrenzung von Handelsbuch und Anlagebuch

Um bisherige Interpretationslücken zu schließen, ist es das Bestreben von FRTB, objektivere und im Ergebnis strengere Kriterien zur Abgrenzung zwischen Anlagebuch und Handelsbuch einzuführen. Unter anderem wurden zur weiteren Differenzierung des Proportionalitätsprinzips die Kriterien für ein kleines Handelsbuch überarbeitet und eine neue Kategorie für Bücher mit mittlerer Handelsaktivität eingeführt. Für beide sollen künftig abgestufte Erleichterungen für die Berechnung der Kapitalanforderungen für das Marktrisiko gelten. Die Umwidmung von Finanzinstrumenten vom Handels- in das Anlagebuch unterliegt künftig strengerer Limitierungen. Das soll die Möglichkeiten schließen, regulatorische Arbitragevorteile zu erzielen. Die Anerkennung interner Risikotransfers, insbesondere die Absicherung von Risiken im Anlagebuch über interne Handelstische, unterliegt künftig gestiegenen Voraussetzungen.

3. Standardansatz

Die Berechnung der Kapitalanforderungen für Marktpreisrisiken nach dem Standardansatz (SA) wurde fundamental überarbeitet. Die deutlich erhöhte Risikosensitivität soll eine Alternative zum internen Modellansatz (IMA) darstellen. Zudem gilt der neue SA als Fallback für den IMA und soll ein transparentes, konsistentes und insbesondere unter Banken vergleichbares Reporting des Marktrisikos ermöglichen. Die Hauptkomponente des SA ist die sensitivitätsbasierte Methode (SbM), die ein Rahmenwerk zur einheitlichen Anwendung auf unterschiedliche Banken und Jurisdiktionen bildet. Gleichzeitig wird die Risikosensitivität großer, international aktiver Banken berücksichtigt. Der Baseler Ausschuss veröffentlichte im Juni 2017 dazu ein weiteres Konsultationspapier: Demnach beinhaltet die SbM aufgrund ihrer Komplexität mögliche Implementierungshürden und erscheint deshalb nicht für alle Banken als angemessen. Dies gilt insbesondere für kleinere Banken mit nur sehr geringer Handelsaktivität. Für kleinere Institute mit einfachen Handelsbüchern schlägt der Baseler Ausschuss eine reduzierte sensitivitätsbasierende Methode (R-SbM) vor.

4. Interner Modellansatz

Als interne Modelle werden unter FRTB nur noch Modelle von der Aufsicht akzeptiert, die dem Expected Shortfall-Ansatz entsprechen. Dies stellt eine deutliche Weiterentwicklung der regulatorischen Anforderungen gegenüber der bisher verbreiteten Anwendung von internen Value-at-Risk-Modellen dar. Zielsetzung dieser Neuerung ist es, eine umfangreichere Darstellung und eine bessere Berücksichtigung von extremen Verlusten und Marktilliquidität zu erreichen. Die aufsichtsrechtliche Zulassung von internen Modellen muss zudem künftig je Handelstisch beantragt werden.

Aufgrund der neuen Anforderungen werden nach Schätzungen der EBA die RWAs für das Marktrisiko im Schnitt um 27 Prozent (Median) ansteigen. Aufgrund von Übergangsbestimmungen dürfen jedoch Institute drei Jahre ab Geltungsbeginn der überarbeiteten CRR die Eigenmittelanforderungen für das Marktrisiko mit einem Faktor von 65 Prozent multiplizieren – unabhängig davon welcher Ansatz gewählt wurde.

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden