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Express Accounting News 10/2017

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Gemeinsames Positionspapier des AFRAC und der FMA - "Fragen der Folgebewertung bei Kreditinstituten"

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AFRAC und FMA haben im September 2017 ein gemeinsames Positions-papier veröffentlich, das Fragen der Folgebewertung von Ausfallsrisiken bei Forderungen von Kreditinstituten zu kären versucht. Auch wenn sich der Hauptteil des Dokuments primär an Banken richtet, sind in der Einleitung einige Klarstellungen zu gültigen Rechtslage im UGB nach dem RÄG 2014 mit Bezug auf Wertminderungen enthalten, welche grundsätzlich auch für Unternehmen des Nichtbankensektors von Interesse sein dürften.

Problemstellungen

Mit dem RÄG 2014 wurden §§ 204 und 207 UGB zur Wertminderung im Anlage- und Umlaufvermögen neu gefasst. Im Zusammenspiel mit dem ebenfalls neu gefassten § 189a Z 4 UGB und der darin enthaltenen Definition des beizulegenden Zeitwerts ergibt sich nunmehr, dass seit Inkrafttreten des RÄG 2014 im Umlaufvermögen jedenfalls auf den niedrigeren beizulegenden Zeitwert abzuwerten ist, sofern dieser unter dem Buchwert liegt. Zwar ist auf den beizulegenden Wert als Zeitmaßstab auszuweichen, wenn der beizulegende Zeitwert nicht ermittelbar ist; bei Finanzinstrumenten wird diese Ermittelbarkeit aber grundsätzlich unterstellt. Dies stellt eine Änderung der bisherigen Bewertungspraxis dar, bei der eine Abwertung aufgrund von Marktrisikoschwankungen (wie insbesondere Zinsschwankungen) im Umlaufvermögen bislang nicht erforderlich war, wenn für den betreffenden Vermögenswert keine Veräußerungsabsicht bestand.

Diese beschriebene Änderung ergibt sich zwingend aus dem neuen Gesetzeswortlaut und gilt für alle UGB-Anwender. Sie hat aber idR für Industriebetriebe aufgrund der Kurzfristigkeit der finanziellen Vermögenswerte im Umlaufvermögen wohl grundsätzlich keine erhebliche Auswirkung. Auch im Finanzanlagevermögen von Industriebetrieben ist die Auswirkung der nunmehr verpflichtenden Abwertungen auf den beizulegenden Zeitwert („Fair Value“) nur von eingeschränkter Bedeutung, da sie nur bei dauerhafter Wertminderung zum Tragen kommt. Stärker betroffen sind Kreditinstitute, bei denen aufgrund der Vorschriften des BWG auch langfristige Kredite zum Umlaufvermögen zählen und bei welchen daher jedenfalls auf den niedrigeren beizulegenden Zeitwert abzuwerten wäre.

Mit der Einführung des RÄG 2014 stellen sich außerdem weitergehende Fragen, zum Beispiel ob nach UGB Pauschalwertberichtigungen für nicht ausgefallene Forderungen zu bilden sind und ob eine Ermittlung der Risikovorsorgen nach der Methode gemäß IFRS 9 zulässig oder sogar geboten ist.

Aussagen der Stellungnahme

Die Stellungnahme kommt zum Schluss, dass die neue Bewertungsvorschrift des RÄG 2014 (zwingende Abwertung auf den niedrigeren beizulegenden Zeitwert) bei Banken aufgrund § 57 Abs 1 letzter Satz BWG nur eingeschränkt wirkt, weil Besonderheiten des Bankgeschäfts bei der Bewertung zu berücksichtigen sind, die dazu führen, dass Banken bei der Bewertung von Krediten weiterhin nur Ausfallsrisiken, nicht aber sonstige Risiken in Banken zu berücksichtigen haben und damit eine Bewertung zum beizulegenden Wert (und nicht zum beizulegenden Zeitwert) zu erfolgen hat.

In weiterer Folge widmet sich die Stellungnahme daher der Frage, wie das Ausfallsrisiko bei Banken konkret zu berücksichtigen ist. Die wesentlichsten Aussagen sind in der Folge aufgelistet:

  • Dem Stichtagsprinzip folgend müssen alle konkret zum Abschlussstichtag bestehenden Ausfallsrisiken durch Wertberichtigungen berücksichtigt werden.
  • Statistisch ermittelbare Erfahrungswerte aus gleich gelagerten Sachverhalten, wenn diese vorliegen, sind gemäß § 201 Abs 2 Z 7 UGB dabei zwingend zu berücksichtigen.
  • In Banken finden sich daher folgende Formen von Wertberichtigungen:
    • Einzelwertberichtigungen, bei denen sowohl der Ausfall als auch die Höhe des Ausfalls konkret ermittelt wird.
    • Pauschale Einzelwertberichtigungen, bei denen der Ausfall zwar am Einzelfall festgemacht werden kann, die Höhe des Ausfalls aber pauschal mit Hilfe von validen statistischen Daten ermittelt wird.
    • Pauschalwertberichtigungen, welche aufgrund des Wortlautes des UGB für Forderungen zu bilden sind, welche zum Abschlussstichtag noch nicht ausgefallen sind, für die aber aufgrund statistischer Erfahrungswerte ebenfalls ein Ausfallsrisiko zu berücksichtigen ist, wobei hier sowohl der Grund (dh das Ausfallsrisiko) als auch die Höhe pauschal ermittelt werden.
  • Insbesondere für die Gruppe der Pauschalwertberichtigungen muss die Vorsorge auf einer sorgfältigen Schätzung beruhen, die statistisch ermittelbare Erfahrungswerte aus gleich gelagerten Sachverhalten berücksichtigt. In der Praxis zeigt sich eine große Bandbreite von Methoden zur Ermittlung der erwarteten Kreditverluste, wobei allen gemein ist, dass sie nachteilige Wertänderungen, die auf eine Erhöhung des Kreditrisikos zurückzuführen sind, abbilden.
  • Die Stellungnahme stellt weiter klar, dass das dreistufige Modell der Ermittlung der Risikovorsorge gemäß IFRS 9 die beschriebenen Anforderungen des UGB an statistisch valide Daten und Methoden erfüllt. Die Methode zur Ermittlung erwarteter Kreditverluste gemäß IFRS 9 stellt daher eine auch für UGB zulässige Methode zur Berücksichtigung von erwarteten Kreditverlusten dar. Insbesondere wird auch die unterschiedliche Anwendung von „12-month expected credit loss“ und „lifetime expected credit loss“ in Abhängigkeit von einem signifikant gestiegenen Ausfallsrisiko für Zwecke des UGB als sachgerecht anerkannt. Gleichzeitig wird klargestellt, dass auch andere Methoden zur Berücksichtigung des Ausfallrisikos die Anforderungen des UGB erfüllen können.
  • Abschließend ruft die Stellungnahme in Erinnerung, dass ein Abgehen von bisher angewandten Bewertungsmethoden vor dem Hintergrund des Grundsatzes der Bewertungsstetigkeit nur bei Vorliegen besonderer Umstände zulässig ist. Die mit der Einführung des IFRS 9 einhergehenden wesentlichen Auswirkungen auf die Unter¬nehmens¬steuerung, -strategie und die EDV-Systeme bzw die Datenlage zur Ermittlung von erwarteten Kreditverlusten stellen in diesem Zusammenhang allerdings idR eine hinreichende Grundlage für ein Abweichen vom Grundsatz der Bewertungsstetigkeit dar. Die Stellungnahme erachtet es daher für zulässig, ab 1. Jänner 2018 (Erstanwendungszeitpunkt des IFRS 9) im Jahresabschluss nach UGB/BWG auf die Methode des IFRS 9 für die Ermittlung der Pauschalwertberichtigungen zu wechseln.

Kreditinstituten wird empfohlen, die Empfehlungen des Positionspapiers grundsätzlich bereits im nächstfolgenden Abschluss zum 31. Dezember 2017 zu berücksichtigen, was insbesondere bedeutet, dass Kredite im Umlaufvermögen (entgegen dem UGB-Wortlaut) in Banken bereits zu diesem Stichtag nicht zwingend auf den niedrigeren beizulegenden Zeitwert abzuwerten sind und dass gleichzeitig mit einem etwaigen Umstieg auf eine IFRS 9-Wertberichtigungslogik auf den 1. Jänner 2018 gewartet werden kann.

Auswirkung auf Nichtbanken

Aufgrund der Gesetzeslage des UGB nach RÄG 2014 ist die Auswirkung der Stellungnahme auf Nichtbanken auf die grundsätzlichen Aussagen in der Einleitung über die aktuell gültigen Wertminderungsregelungen im UGB eingeschränkt. Auch wenn die Stellungnahme grundsätzlich auch für Nichtbanken relevante Aussagen zur Anwendbarkeit des IFRS 9-Modells bei der Bemessung von Kreditrisiken tätigt, so befreien diese Aussagen Unternehmen außerhalb des Bankensektors nicht von der gesetzlichen Verpflichtung, gemäß UGB sowohl im Anlagevermögen (sofern eine dauerhafte Wertminderung vorliegt), als auch im Umlaufvermögen zwingend auf den beizulegenden Zeitwert abzuwerten. Nichtbanken sollten daher zum 31. Dezember 2017 überprüfen, ob ihre vorgenommenen Wertberichtigungen im Einklang mit den Forderungen des neu gefassten UGB (idF RÄG 2014) stehen.

Zwar ist derzeit in Diskussion, dass die genannten Bestimmungen des UGB auf den Status vor RÄG 2014 (rück-)geändert werden könnten, eine Umsetzung dieses Vorhabens noch vor dem 31. Dezember 2017 erscheint allerdings praktisch ausgeschlossen.

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