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Neues Gehaltssystem für den KV Handelsangestellte – Umstieg ab 1.12.2017 möglich

KV Handelsangestellte

Die Sozialpartner des KV Handelsangestellte haben eine Modernisierung der bisherigen Gehaltsregelungen paktiert, die u.a. aus einer vereinheitlichten Gehaltstabelle mit höheren Einstiegsgehältern (Mindestgrundgehalt EUR 1.600), flacherer Gehaltskurve, differenzierteren Beschäftigungsgruppen und einer begrenzteren Anrechnung von Vordienstzeiten besteht. Ein Übertritt zum neuen Gehaltssystem soll frühestens ab 01.12.2017 möglich, spätestens ab 01.12.2021 soll es verpflichtend anzuwenden sein.

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Die Partner des Handelsangestellten-Kollektivvertrags haben nach langjährigen Verhandlungen in einem ersten Schritt eine Grundsatzeinigung über die Entgeltreform im Handel erzielt. Ende Juli 2017 wurde eine Sozialpartnereinigung unterzeichnet, auf deren Basis derzeit der genaue Kollektivvertragstext erstellt wird. In Kürze beginnen die Verhandlungen zum zweiten Teil betreffend die Arbeitszeitregelungen und die Zuschlagsregelungen (zB Öffnungszeitenzuschläge).

Anstelle der bisherigen 8 Gehaltstafeln und 2 Gehaltsgebiete wurden nunmehr im Rahmen einer einzigen Gehaltstabelle 8 Beschäftigungsgruppen mit nur mehr 5 Stufen (bedeutet 4 Vorrückungen) festgelegt. Die bisherigen 6 Beschäftigungsgruppen wurden in die Gehaltsgruppen A bis H differenziert. Nach 3, 6, 9 und 12 Jahren ist jeweils eine Vorrückung vorgesehen (ausgenommen Gruppe A und B). Zur Orientierung dienen 7 definierte Arbeitswelten1 und die Benennung von 75 (für den Handel typischen) Referenzfunktionen2.

Elternkarenzen werden nunmehr bei Vorrückungen und bei den Vordienstzeiten verstärkt anrechenbar sein; neu ist auch die teilweise Anrechnung von Arbeitervordienstzeiten. Dafür soll eine Deckelung der Vordienstzeiten-Anrechnung bei Neueintritten (maximal 7 bzw 8 Jahre bei Kassenkräften) die Aufnahme auch älterer Mitarbeiter/innen fördern. In der Sozialpartnereinigung wird auch besonderer Wert auf Rechtssicherheit und Transparenz bei All-In-Verträgen gelegt. Neuerungen betreffen weiters eine Entgeltregelung für Pflichtpraktikanten und eine Entgeltregelung bei Stellvertretung. Die Sonderbestimmungen für Angestellte mit Provision wurden überarbeitet, insbesondere die Höhe des Fixums und die Regelungen zur Mindesthöhe von Weihnachtsrenumeration und Urlaubsbeihilfe.

Der Umstieg soll ab einem frei zu wählenden Stichtag (frühestens 01.12.2017) jeweils ein ganzes Unternehmen betreffen (alles-oder-nichts-Prinzip) und hat binnen 4 Jahren zu erfolgen. In Unternehmen mit Betriebsrat ist für den Umstieg eine „Übertrittstichtags-Betriebsvereinbarung“ notwendig. Bis zum Umstieg gilt das alte Gehaltssystem - auch für neu eintretende Angestellte und Lehrlinge - weiter. Automatisch gilt das neue System nur für Neugründungen ab 01.12.2017 bzw wenn der Handelsangestellten-KV ab diesem Datum erstmalig angewendet wird (KV-Wechsel oder zusätzliche Gewerbeberechtigung). Erst ab 01.12.2021 muss das neue System auch dort angewendet werden, wo kein früherer Umstieg stattgefunden hat. Für Umstiege in den ersten beiden Jahren der Übergangsfrist gelten Sonderbestimmungen für einen gleitenden Übergang.3 Im Falle von Rückstufungen (zB bei Kassenkräften) wird der Erwartungsschutz durch wertgesicherte Überzahlungen (Reformbeträge) gewährleistet.

Im Rahmen des Umstieges muss der Arbeitgeber entsprechend der aktuellen Tätigkeit jedes einzelnen Angestellten bzw Lehrlings eine Zuordnung entsprechend den neuen Beschreibungen vornehmen und einen Umstiegs-Dienstzettel ausstellen. Das bedeutet in der Regel eine umfangreiche Vorbereitungsarbeit und Kalkulationen. Das bisherige Einkommen darf dabei nicht gekürzt werden. Da der Umstieg nicht automatisiert erfolgen kann, ist zu empfehlen, zeitgerecht vor dem geplanten Umstieg Kontakt mit der Personalverrechnungsstelle aufzunehmen.

Sowohl die GPA als auch die WKÖ-Bundessparte Handel organisieren im Herbst umfangreiche Informationskampagnen, wobei der endgültige KV-Text noch in Arbeit ist. Eine Begleitgruppe wird ua auch mit einem Fragen & Antworten-Katalog unterstützen; zur Beilegung von Meinungsverschiedenheiten wurden die Regelungen über die Schlichtungsstelle ausgebaut.

Der Handelsangestellten-KV gilt (mit wenigen Ausnahmen) nicht nur für die Angestellten und Lehrlinge der Mitgliedsbetriebe der Sparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich, sondern auch für jene des Fachverbandes der Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten sowie des Fachverbandes für Buch- und Medienwirtschaft. Das neue Gehaltsschema betrifft 40.000 Betriebe (davon mehr als 82 % mit weniger als 10 Mitarbeiter/innen) mit über 400.000 Angestellten (über 63 % Frauen).

Wir werden nach Erscheinen des endgültigen KV-Textes und bei weiteren wichtigen Änderungen weiter berichten.

1 Einkauf, Verkauf & Vertrieb, Marketing & Kommunikation, kaufmännische und administrative Dienstleistungen, Logistik, Technischer Dienst, IT.

2 Die detailliert ausformulierten Beschreibungen der jeweiligen Beschäftigungsgruppe bilden die aktuelle Praxis ab und stellen die Aufgaben der Arbeitnehmer/innen „heutig“ und realitätsbezogen dar. Die beispielhaft angeführten Referenzfunktionen (dzt 75) kennen nunmehr ua auch Tätigkeiten in Onlineshops und im Online-Marketing, z.B. Onlineshop-Manager, SEO-Manager, oder auch die Social Media Betreuung.

3 Die diesbezüglichen Übergangsbestimmungen, insbesondere beim Umstieg bis 01.12.2019, sind komplex: Beträgt die Differenz zwischen dem neuen KV-Mindestgehalt und dem alten Grundgehalt (Reformbetrag) mehr als EUR 65, kann die Anpassung etappenweise erfolgen. Für dienstältere Angestellte der bisherigen Beschäftigungsgruppe 3 wird ein aufzehrbarer Reformbeitrag (EUR 20, 40 oder 60) vorgesehen. Inwiefern die Reformbeträge auf Dauer wertgesichert sind, ist vom endgültigen Kollektivvertragstext abhängig.

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