Korrekter Wechsel | KPMG | AT

Korrekter Wechsel

Korrekter Wechsel

Die freie Wahl des Stromlieferanten ist, mehr als 15 Jahre nach der Liberalisierung des Elektrizitätsmarktes, gelebte Praxis.

Senior Manager, Tax

KPMG Austria

Kontakt

Verwandte Inhalte

Papierschiffchen

Der Netzlieferant bleibt dem Stromkunden allerdings als Vertragspartner erhalten. Für Unternehmen ist dabei die umsatzsteuerliche Komponente von Interesse.

Der Lieferantenwechsel zur Erzielung günstigerer Konditionen in der Belieferung mit Elektrizität und damit der Erreichung höherer Kosteneffizienz ist im Rahmen des Tarifsystems (privater Bereich sowie KMU mit einem Jahresverbrauch von unter 100.000 kWh) genauso von Interesse wie für Großunternehmen in Industrie und Gewerbe, die Energiepreise individuell ausverhandeln können.

Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass jeder Stromkunde seit der Trennung von Energielieferung und Netz („Unbundling“) zwei Gegenüber hat: den Stromlieferanten, der den „Gegenstand Strom“ liefert, sowie den Netzbetreiber als „Transporteur des Stroms“, hinsichtlich Netzzugang und -nutzung. Der Netzbetreiber verfügt über ein festgelegtes Netzgebiet. Ihm obliegen Instandhaltung und Wartung des Netzes sowie die Zähler-
ablese. An diesen sind unverändert fixierte Netznutzungstarife zu zahlen („regulierter Bereich“).

Wechsel leicht gemacht

Der Lieferantenwechsel ist grundsätzlich für jeden Verbraucher vergleichsweise einfach und unbürokratisch möglich. Die E-Control unterstützt mit verschiedenen Services (Gewerbe-Tarifkalkulator, KMU-Energiepreis-Check, Information zum Ablauf des Lieferantenwechsels etc). Nicht zu vernachlässigen ist in diesem Zusammenhang für den unternehmerischen Stromkunden aber auch die umsatzsteuerliche Komponente hinsichtlich der Bereitstellung der elektrischen Energie einerseits sowie des Netzes andererseits.

In der Regel bieten Stromlieferanten Full Service und übernehmen die Kündigung beim bisherigen Stromanbieter, die Ummeldung beim Netzbetreiber usw. Aber auch in der laufenden Lieferbeziehung werden One-Stop-Shop-Lösungen angeboten.

Vertragspartner Netzbetreiber

Der bestehende Netznutzungsvertrag hinsichtlich der Zählpunkte bleibt, ungeachtet des Lieferantenwechsels, aufrecht. Aus Sicht des Zivilrechts ist dieser daher unverändert Vertragspartner. Damit ist er aber auch derjenige, von dem die Netzleistungen erbracht werden. Der zivilrechtlichen Vertragslage hätte damit aber grundsätzlich auch die Abrechnung der Leistungen zu folgen, was die Ausstellung von zwei unterschiedlichen Rechnungen zweier verschiedener Unternehmer an den Stromkunden zur Folge hätte.

Die Umsatzsteuer-Richtlinien des BMF (UStR) lösen dies pragmatisch und erlauben in diesem Zusammenhang jedoch für Umsatzsteuerzwecke eine Vorgangsweise, die sich bis zu einem gewissen Grad vom Zivilrecht löst.

Beauftragungsmodell

Das bedeutet: Der Netzbetreiber kann den Stromlieferanten beauftragen bzw bevollmächtigen, für ihn die Netzleistungen, die er an den Kunden erbracht hat, abzurechnen. Diesfalls stellt der Stromlieferant als leistender Unternehmer seine Stromlieferungen in Rechnung und hat für diese die Umsatzsteuer abzuführen. Die Abrechnung durch den Stromlieferanten hinsichtlich der Netzleistungen ist als Rechnung des Netzbetreibers zu qualifizieren, für die der Netzbetreiber die Umsatzsteuer abführt (Rechnungslegung durch einen Bevollmächtigten – fremder Name, fremde Rechnung). Der Kunde hat damit zwei verschiedene leistende Unternehmer.
Dem Kunden gegenüber wäre dieses Auftragsverhältnis offen zu legen und der Netzbetreiber müsste sämtliche Abrechnungsdaten in geeigneter Form an den Stromlieferanten übermitteln. Gerade die Übermittlung von Daten scheidet in der Praxis jedoch aus und ist der Grund dafür, dass sich das Beauftragungsmodell nicht durchgesetzt hat.

Verwahrungsmodell

Eine weitere Alternative bietet das Verwahrungsmodell: Hier übermittelt der Netzbetreiber die – an den Endkunden als Leistungsempfänger gerichtete – Rechnung über die Netzleistungen an den Energielieferanten, der diese aufbewahrt. Der Netzbetreiber führt die darauf entfallende Umsatzsteuer ab. Ein Vorsteuerabzug aus der Rechnung steht dem Stromlieferanten nicht zu. Im Rahmen der Abrechnung werden sodann die Daten der Netzrechnung an den Kunden mitgeteilt. Diese Mitteilung führt nicht zur Entstehung einer Steuerschuld kraft Rechnungslegung für den Stromlieferanten, der nur die Stromlieferung der USt zu unterwerfen hat. Der Kunde kann jedoch hinsichtlich Stromlieferung und Netzleistung den Vorsteuerabzug geltend machen.

Aufgrund des hohen administrativen Aufwandes der Verwahrung der Rechnungen (im Falle einer Betriebsprüfung müsste der Stromlieferant die Rechnungen des Netzbetreibers zur Vorlage an die Finanzverwaltung an den Kunden übermitteln können) ist auch diese Vorgangsweise in der Praxis völlig unbedeutend.

Vorleistungsmodell

Seit nunmehr über zehn Jahren hat sich das Vorleistungsmodell in der Praxis bewährt und wird von der überwiegenden Zahl der Stromlieferanten angewandt: Hier wird – in ausdrücklicher Abweichung von den zivilrechtlichen Verhältnissen – nach Randzahl 1536 der UStR für umsatzsteuerliche Zwecke die Leistung des Netzbetreibers als für den Stromlieferanten erbracht angesehen, wenn eine vertragliche Vereinbarung zwischen Stromlieferanten, Netzbetreiber und Kunden über die Anwendung dieser Vereinfachungsmöglichkeit getroffen wird.

Sodann legt der Netzbetreiber seine Rechnung über die Netzleistungen hinsichtlich des betreffenden Zählpunktes des Kunden an den Stromlieferanten. Der Stromlieferant kann aus dieser Rechnung den Vorsteuerabzug geltend machen. Der Stromlieferant stellt eine Rechnung über Stromlieferung und Netzbereitstellung an den Kunden aus und unterwirft beide Leistungen der Umsatzsteuer. Der Kunde seinerseits hat aus der Rechnung des Stromlieferanten den vollen Vorsteuerabzug sowohl für die Stromlieferung als auch die Netzbereitstellung. Wesentlich ist bei Anwendung des Vorleistungsmodells, dass die Rechnung sämtliche gesetzlichen Rechnungsmerkmale korrekt und vollständig aufweist, um den Vorsteuerabzug des Kunden zu gewährleisten.

Mittlerweile ist diese Vorgangsweise jedoch nicht nur im Bereich der Lieferung von elektrischer Energie gelebte Praxis, sondern wird – wie das BMF in den Umsatzsteuer-Richtlinien ausdrücklich bestätigt (Rz 1536a) – sinngemäß auch im Bereich der Gaslieferungen angewandt. Auch hier wurde somit der Ermöglichung des freien Wettbewerbs durch entsprechende umsatzsteuerliche Begleitmaßnahmen des BMF Rechnung getragen.

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden