Über Grenzen hinweg

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Seit der Einführung der Gesamtverantwortung des Konzernabschlussprüfers hat sich viel getan. Dem Umdenkprozess über die standardkonforme Durchführung von Konzernprüfungen folgte der Aufbau leistungsfähiger Prüf- und Kommunikationstools, welche nicht nur die Qualität der Prüfung, sondern auch die Effizienz und Transparenz vorantreiben. Eine Bestandsaufnahme.

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Die Gesamtverantwortung

Erfahrenere Leser werden sich noch an die Zeit vor der Verpflichtung zur Aufstellung von Konzernabschlüssen erinnern: Diese Verpflichtung fand erst mit dem Rechnungslegungsgesetz (RLG) 1990 mit Wirksamkeit ab 1994 Einzug in die österreichischen Regelungen und damit in die Bilanzierungspraxis. Ein relativ kurzer Zeitraum, aber mit großen Fortschritten. Ähnlich ist die Geschichte der Konzernabschlussprüfung. Das Unternehmensrechts-Änderungsgesetz 2008 sah im damals neu gefassten § 269 Abs 2 UGB erstmals vor, dass der Abschlussprüfer des Konzernabschlusses die volle Verantwortung für den Bestätigungsvermerk des Konzernabschlusses trägt. Dies entspricht auch den Vorgaben des seit 2010 anzuwendenden ISA 600.

Eine wesentliche Grundüberlegung liegt nun darin, die Prüfung eines Konzernabschlusses so zu planen, wie das auch bei einem Einzelabschluss erfolgt: eine Risikoeinschätzung auf Basis des Konzernabschlusses, zentral geplante und konzernweit umgesetzte Prüfungshandlungen und ein Prüfungsurteil auf Basis der quer über den Konzern erlangten Prüfungsnachweise und Erkenntnisse. Die sich daraus ergebenden Herausforderungen liegen auf der Hand: Die zu prüfenden Konzerngesellschaften (auch: Teilbereiche oder Components) befinden sich häufig in vielen Ländern mit unterschiedlichem rechtlichen Umfeld und wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die lokalen Prüfteams kennen nur Ausschnitte aus dem gesamten Konzern und verfügen damit nicht über alle erforderlichen Informationen. Und sie müssen die Finanzberichte (Reporting Packages) daran messen, ob sie den Bilanzierungsgrundsätzen des Konzerns (für österreichische Konzerne idR auf Basis der IFRS) entsprechen. Zur Bewältigung dieser Herausforderungen sind eine genaue Planung, starke Instrumentarien und Tools sowie eine intensive Kommunikation erforderlich.

Wesentlichkeit und „Scoping“

Entsprechend der „Einheitstheorie“ muss der Konzernabschlussprüfer die Festlegung der Materiality (Größenordnungen, die er als wesentlich für den Konzernabschluss ansieht) auf Basis des Konzernabschlusses anstellen. Die Besonderheit besteht darin, aus der Gesamtkonzernwesentlichkeit die geeignete Größe für die in den Konzern einbezogenen Gesellschaften abzuleiten und damit das richtige Maß an Prüfungsintensität für die einzelnen Components sicherzustellen. Die Grund-überlegung bildet die Analogie zum Einzelabschluss: mit welcher Intensität müssen die einzelnen Bereiche geprüft werden, um eine belastbare Gesamtaussage für den Konzern machen zu können? So wenig wie im Einzelabschluss eine simple Aufteilung der Gesamtwesentlichkeit auf die einzelnen Bereiche erfolgt, ist im Konzern eine reine Aufteilung auf die einbezogenen Gesellschaften möglich. Wesentliche Bestimmungsfaktoren stellen die Anzahl der Gesellschaften, die Gesamtabdeckung durch (lokale) Prüfungen, das Ausmaß an Ermessen und Schätzungen bei der Abschlusserstellung oder die historischen Erfahrungen mit Fehlern dar. Im Regelfall wird so die Summe der Wesentlichkeiten der einbezogenen Gesellschaften – häufig deutlich – über der Konzernwesentlichkeit liegen.

Mit der Festlegung der Wesentlichkeit einher geht auch die Entscheidung über den Prüfungsumfang (Scoping) bei den einzelnen Teilbereichsgesellschaften. Für eine effiziente Prüfung stehen dabei neben einer umfassenden Prüfung (full scope audit) oder einer Prüfung von bestimmten Abschlussposten (audit of account balances) auch die Vorgabe von Prüfungshandlungen (specified procedures) für einzelne kritische Prüffelder oder die prüferische Durchsicht (review) der Berichterstattung der Components zur Verfügung.

Selektionskriterien stellen neben der absoluten Größe (bspw mehr als ein gewisser Prozentsatz des Konzern-umsatzes) vor allem das Vorliegen von wesentlichen Risiken von Fehldarstellungen, die Qualität des Erstellungsprozesses, den Grad der Zentralisierung im Rechnungswesen und nicht zuletzt die Gesamtabdeckung durch Prüfungen dar. Der Trend geht aktuell dahin, neben einem „full scope audit“ für sehr große und wichtige Konzerngesellschaften bei den übrigen Gesellschaften zunehmend auf die Prüfung ausgewählter Bilanzposten und/oder die Vorgabe von zentral festgelegten Prüfungshandlungen zurückzugreifen. Dies ermöglicht eine zielgerichtete Prüfung der zentral als risikobehaftet und wesentlich eingestuften Themenbereiche mit dem Ziel, sowohl die Prüfungsqualität als auch die Effizienz deutlich zu erhöhen. Letzteres vor allem deshalb, weil damit „Streuverluste“ vermieden werden, die bei einem „full scope audit“ aller Konzerngesellschaften anfallen.

Kommunikation als Kernthema

Eine Folge der Gesamtverantwortung ist ein erheblich gesteigerter Informationsbedarf. Damit verbunden ergibt sich auch die Notwendigkeit einer stärkeren Einbindung des Konzernabschlussprüfers in die Prüfung der Tochtergesellschaften. Neben Abstimmungstelefonaten und der Teilnahme an lokalen Besprechungen kann die Einbindung vor allem auch die Durchsicht von Arbeitsunterlagen (auch über „remote“ Zugang zum Prüfungsakt) umfassen.

Um dem gestiegenen Informations- und Kommunikationsbedarf Rechnung zu tragen, finden zunehmend maßgeschneiderte Kommunikationsplattformen, wie beispielsweise die in KPMG Clara integrierte eAudIT Engagement Site, Anwendung. Mithilfe dieser Plattformen können Prüfungsanweisungen und Ergebnisse zentral durchgeführter Prüfungshandlungen an und Reportings von lokalen Prüfern kommuniziert, Projektfortschritte gemessen und Ergebnisse zusammengefasst und analysiert werden (siehe dazu auch den Beitrag von Michael Melcher auf Seite 18). Unternehmen können über diese Plattform zudem einen maßgeschneiderten Zugriff auf wesentliche Informationen erhalten.

Virtuelle Einzelabschlussprüfung

Mit zunehmender Automatisierung und auch Zentralisierung von Rechnungslegungsprozessen in den Unternehmen ergeben sich auch weitergehende Entwicklungsfelder für die Konzernprüfung. Der Ort der Prüfungsleistung löst sich dabei – je nach Systemausgestaltung – zunehmend vom Ort der jeweiligen Konzerngesellschaften. Als Spiegelbild der Organisation im geprüften Konzern bestehen zentral bzw an einem bestimmten Ort zu prüfende Themen. Diese reichen dabei von den unternehmensweiten IT-Systemen und den damit verbundenen Kontrollprüfungen, Treasury Funktionen, Bewertungen (zB von Firmenwerten), Prüfung von in Shared Service Centern erstellten Finanzberichten bis hin zur zentralen Prüfung von wesentlichen Teilen der lokalen Abschlüsse. Voraussetzung dafür sind eine einheitliche Systemlandschaft und weitgehend standardisierte Prozesse.

Die Ergebnisse dieser zentralen Prüfungshandlungen werden mit den Prüfungsteams vor Ort geteilt, sodass die lokalen Prüfer aus Konzernsicht „virtuelle Teammitglieder“ darstellen, bei denen jeder einen definierten Beitrag zur gesamten Prüfung liefert. Eine Entwicklung, die moderne Kommunikationsmittel, einheitliche Prüfungsstandards und -tools sowie sehr international agierende Prüfungsteams erfordert.

Nutzen für die Unternehmen

Wo liegt dabei der Nutzen für das geprüfte Unternehmen? Eine zentrale Prüfung führt zu zielgerichteten Prüfungshandlungen und damit zu höherer Qualität und Effizienz, die auch den geprüften Unternehmen zugute kommen. Der Konzernprüfer kann darüber berichten, ob Konzernvorgaben erfüllt und Prozesse wie eingerichtet gelebt werden. Dies hilft Prozess- und Kontrollschwächen zu erkennen, die Vereinheitlichung der eigenen Prozesse voranzutreiben (zB durch Prüfung von zentralen Vorgaben), gibt zusätzlichen Einblick in lokale Abläufe (zB durch zentrale Massendatenanalysen für Vorräte, Bestellwesen, Absatzvorgänge) und kann als Motor sowie Ideengeber für weitere Verbesserungs- und Integrationsschritte dienen.

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