Neue Wege

Neue Wege

In letzter Zeit gab es viele Neuigkeiten zum Thema Abschlussprüfung, vor allem in Zusammenhang mit der EU Audit Reform und deren Umsetzung in Österreich. Im Schatten dieser Ereignisse fand die Entwicklung der Prüfungsdurchführung weniger Beachtung. Zu Unrecht – denn die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung macht auch vor der Abschlussprüfung nicht Halt. Vernetzte Systeme, Big Data und neue Kommunikationsmöglichkeiten öffnen bisher nicht erahnte Möglichkeiten.

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4.0 in Industrie und Audit

Wir lesen und hören viel über Industrie 4.0 – die industrielle Revolution mit Hilfe von Digitalisierung, Vernetzung, Automatisierung und dezentralen Entscheidungen. Dadurch sollen die Produktivität weiter erhöht und die Wertschöpfungskette ausgeweitet werden. Doch was hat dies mit der Abschlussprüfung zu tun?

Audit 4.0 bedeutet zunächst einmal die unmittelbare Nutzung der bestehenden Unternehmensdaten. Digitalisierung, Harmonisierung von Systemen und Vereinheitlichung innerhalb von Konzernen führen dazu, dass in vielen Betrieben über die Konzerngesellschaften hinweg einheitliche Daten verfügbar sind. Aus diesen „Big Data-Informationen“ können mithilfe spezieller Software Auswertungen erstellt werden, die Hinweise auf höhere Risikopositionen, die Wirksamkeit interner Kontrollen oder Ausnahmen von vorbestimmten Transaktionen sichtbar machen. Durch ausgeklügelte Algorithmen „lernt“ die Software aus den vorhergehenden Perioden, erkennt nachteilige Veränderungen und erstellt Vorschläge für den Prüfungsansatz. Somit entsteht eine solide Basis für ein risikoorientiertes Vorgehen in der Prüfungsplanung und -durchführung. Dies ermöglicht es den Abschlussprüfern, ihre Zeit verstärkt den finanziellen Entwicklungen, der Beurteilung einzelner außerhalb der Routineprozesse liegenden Transaktionen sowie der Einhaltung zunehmender regulatorischer Vorschriften zu widmen. Das Ergebnis: eine größere Sicherheit für die Abschlussadressaten und Mehrwert aus der Abschlussprüfung für das geprüfte Unternehmen bei gleichzeitig wirtschaftlich vertretbarem Aufwand.

Die Entwicklung ist damit noch nicht zu Ende. Bei zukünftigen Abschlussprüfungen werden fortgeschrittene Analyse- und Szenariotechniken auch dafür genutzt, die Auswirkungen von externen Einflüssen in einem bisher nicht möglichen Ausmaß zu erkennen. Zum Beispiel: Wie wirken sich neue Regelungen, politische Ereignisse, Wirtschaftswachstum und demografische Entwicklung auf den finanziellen Erfolg eines Einzelhandelsunternehmens aus? Welche Risiken für die zutreffende Darstellung des Jahresabschlusses ergeben sich daraus? Fortschritte in der Datenwissenschaft werden es ermöglichen, „unstrukturierte“ Daten aus einer großen Vielfalt von Quellen zu integrieren. Von Wetterberichten über Arbeitslosenzahlen bis hin zu Rohstoffpreisen lassen sich so potenzielle Auswirkungen auf die Entwicklung eines Unternehmens und sein Risikoprofil besser abschätzen. Die Möglichkeit, diese Daten zu nutzen und sie in die Prüfung zu integrieren, gewährleistet eine verbesserte Qualität der Abschlussprüfung. Vieles davon ist noch Zukunftsmusik, einiges aber schon Wirklichkeit oder zumindest in Planung.

Gute Prozesse, bessere Prüfung

Aber zurück zur Gegenwart: Die oben erwähnte Digitalisierung und Harmonisierung der Reportingprozesse bringen in der Regel auch wesentliche Verbesserungen im internen Kontrollsystem der Unternehmen mit sich. Kontrollen, die in der Vergangenheit manuell oder gar nicht durchgeführt wurden, sind zunehmend Teil von Funktionalitäten der Unternehmenssoftware. Vom geprüften Unternehmen selbst eingesetzte Datenanalyseprogramme verstärken diese. Die automatisierten Kontrollen geben uns Sicherheit darüber, dass bestimmte Prozesse – meist Routineprozesse – ohne Fehler ablaufen. Die Prüfung betrifft damit weniger das Ergebnis der Prozesse, sondern den Prozess und die immanenten Kontrollen selbst. Wenn der Prüfer ausreichende Sicherheit darüber erlangt, dass diese Prozesse und Kontrollen funktionieren, muss weniger in die Prüfung der Ergebnisse investiert werden. Dies bringt wiederum mehr Zeit für Themen, die außerhalb der routinemäßigen Transaktionen von Unternehmen liegen. Lesen Sie mehr dazu auch in den Beiträgen von Christoph Karer und Kerstin Heyn-Schaller auf den Seiten 14 bzw 16.

Virtuelle Teams und Shared Services

Nicht zuletzt bestimmen Digitalisierung, Standardisierung und moderne Kommunikationstechniken auch die Art und Weise, wie Prüfungsgesellschaften arbeiten und miteinander kommunizieren. Schon seit mehreren Jahren arbeiten Prüfer bei KPMG in „virtuellen Teams“ zusammen: Arbeitspapiere werden zentral auf unseren Servern gespeichert mit Bearbeitungs- und Zugriffsmöglichkeit von allen Orten, an denen ein Internet-zugang besteht. Das soll nicht bedeuten, dass sich die Prüfer dadurch weniger vor Ort bei den Kunden befinden, sondern dass alle Mitglieder eines Prüfungsteams flexibel ihren Beitrag leisten können – und das nicht nur innerhalb von Österreich, sondern mithilfe von Tools wie der KPMG ­eAudIT Engagement Site weltweit.

Konzernabschlussprüfungen können damit zentral geplant, verfolgt sowie kontrolliert und Shared Services für gleichartige Prüfungshandlungen entwickelt und effizient genutzt werden. Die Artikel von Gerold Stelzmüller und Werner Dorfmeister auf den Seiten 20 bzw 22 geben dazu weitere Informationen.

Keine Veränderung ohne Herausforderungen

Wie bei Industrie 4.0 ist von diesen Entwicklungen ein weiterer erheblicher Fortschritt in der Qualität und Produktivität der Abschlussprüfung zu erwarten. Ein Fortschritt, der die Prüfungsgesellschaften und alle Beteiligten aber auch vor Herausforderungen stellt.

Dies betrifft zunächst Themen wie Datentransfer und Datensicherheit. Die Transaktion und das Speichern von Massendaten erfordert erprobte Software und professionelles Vorgehen. Hier wird ein intensiver Dialog zwischen den Unternehmen und ihren Abschlussprüfern entscheidend sein, in dem es darum geht, in welchem Rahmen Daten preisgegeben und wie diese Informationen gespeichert sowie geschützt werden sollen. Neue Methoden und Vorgehensweisen werden auch einer intensiven Abstimmung mit den für die Aufsicht der Abschlussprüfer zuständigen Behörden – in Österreich der APAB – bedürfen. Die Prüfer müssen diese Behörden überzeugen, dass die Entwicklungen in erster Linie die Qualität der Prüfung stärken und sicherstellen, dass alle Beteiligten von den Ergebnissen und Vorteilen profitieren: Investoren, Regulierer und die Unternehmen selbst.

Für die Prüfgesellschaften bringt die Entwicklung die Notwendigkeit mit sich, die klassischen Fähigkeiten in Zukunft intensiv um weitere Bereiche zu erweitern. Während sich die Abschlussprüfung in der Praxis bereits auf andere Disziplinen wie Prozessorientierung, Internes Kontrollsystem oder IT erstreckt, muss der Prüfer von morgen sein Wissen um diese nicht-traditionellen Bereiche erweitern und enger als je zuvor mit Daten- und Analyseexperten kooperieren.

Für Abschlussprüfer bedeutet dies zunächst auch erhebliche Investitionen: Zum einen in die Vermittlung der erforderlichen Kompetenzen durch Ausbildung und Personalentwicklung, sowohl im fachlich-technischen Bereich als auch im Bereich der sozialen Kompetenzen und zum anderen in die Anschaffung und Entwicklung der erforderlichen Software. Es ist ein Investment, das nicht von einer einzelnen Abschlussprüfungsgesellschaft getragen werden kann, sondern nur im Netzwerk oder durch Zukauf von professionellen Anbietern.

Der Abschlussprüfer als Pfeiler des Vertrauens

Es ist klar und konsequent, dass KPMG als Abschlussprüfer diesen neuen Entwicklungen offen gegenübersteht und sie proaktiv begleitet. Nur so können wir mit den Bewegungen im Umfeld – vor allem bei den Kunden – und den Anforderungen der Gesetzgeber und des Kapitalmarkts mithalten, mit dem Ziel, allen Stakeholdern auch weiterhin eine gute und nutzbringende Dienstleistung zu erbringen – als verlässlicher Pfeiler des Vertrauens in die Finanzberichterstattung der geprüften Unternehmen.

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