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EBA veröffentlicht Benchmarking zur Governance und Indikatoren in Sanierungsplänen

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Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) hat Sanierungspläne von 26 europäischen Bankengruppen untersucht und sie mit Fokus auf zwei für die Erkennung und Bewältigung von Krisen besonders bedeutsame Aspekte analysiert.

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Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) hat Sanierungspläne von 26 europäischen Bankengruppen untersucht und sie mit Fokus auf zwei für die Erkennung und Bewältigung von Krisen besonders bedeutsame Aspekte analysiert:

(a) die Einrichtung geeigneter Sanierungsindikatoren, mit denen frühzeitig verlässlich auf eine sich anbahnende Krise hingewiesen wird, und

(b) das Etablieren hinreichend robuster Governance-Strukturen, mit denen eine rasche Reaktionsfähigkeit im Krisenfall sichergestellt werden kann.

Optimierungspotentiale ergaben sich hinsichtlich beider Aspekte insbesondere in Bezug auf die Einbindung von Tochterinstituten.

Die Kritikpunkte an den beschriebenen Krisengovernance-Strukturen bemängeln Defizite in Hinblick auf die Effektivität mit der Entscheidungen im Krisenfall herbeigeführt und insbesondere in Instituten mit Konzernstrukturen umgesetzt werden können:

  • Governance-Regelungen: Bei einer Vielzahl der überprüften Sanierungspläne überlagern sich die für den normalen Regelbetrieb vorgesehenen Entscheidungsstrukturen mit den regelmäßig hiervon abweichenden Zuständigkeiten bei Inkrafttreten des Sanierungsplans. Als Folge dieser unklaren Abgrenzung bemängelt die EBA eine unklare Kompetenzverteilung im Krisenfall mit der resultierenden Gefahr einer zu geringen Reaktionsgeschwindigkeit. Kritisch angemerkt wurde zudem, dass eine Verständigung zuständiger Aufsichtsbehörden oftmals erst zum Zeitpunkt der Einleitung von Sanierungsmaßnahmen vorgesehen ist. Die BRRD sieht allerdings eine Meldung bereits dann vor, wenn der Eskalationsprozess durch Überschreiten eines Sanierungsschellwertes ausgelöst wird.
  • Abstimmung von zentralen und dezentralen Überwachungs- und Eskalationsprozessen in Konzernen: Aus Sicht der EBA werden Wechselwirkungen von Eskalationsprozessen auf der zentralen Ebene einer Konzernsteuerung und der dezentralen Ebene von Konzerngesellschaften in den Sanierungsplänen nur mangelhaft dargelegt. Die beschriebenen Prozesse sehen oftmals lediglich zu einen nachträglichen Informationsaustausch vor, nicht jedoch eine enge Abstimmung zwischen der Steuerungseinheiten auf der Gruppen- und Tochterebene bereits während des Eskalations- und Entscheidungsprozesses.
  • Mangelnde Einbindung von Tochterinstituten bei der Erstellung und Aktualisierung eines gruppenweiten Sanierungsplans: Bei über einem Drittel der überprüften Sanierungspläne wird nach Erkenntnissen der EBA zwar angegeben, dass das Management von Tochterinstituten in die Erstellung bzw. die Aktualisierung des Sanierungsplans eingebunden gewesen ist. Allerdings werden Art und Ausmaß dieser Einbindung nicht weiter angegeben. Entsprechend lässt sich die Verlässlichkeit der Angaben insbesondere zu Sanierungsmaßnahmen die auf Ebene der Tochtergesellschaften eingesetzt werden sollen sowie zum Zusammenspiel des zentralen und dezentralen Managements bei der Krisenbewältigung nur eingeschränkt nachvollziehen. 

In Hinblick auf die Sanierungsindikatoren ergab die Studie der EBA Verbesserungspotential in drei Bereichen:

  • Umfang der herangezogenen Indikatoren: Bei der überwiegenden Mehrzahl der von der EBA untersuchten Sanierungspläne stehen die Kapital- und Liquiditätsindikatoren im Mittelpunkt der Krisenüberwachung. Demgegenüber werden Indikatoren der übrigen vier von der EBA vorgegebenen Kategorien (Qualität der Vermögenswerte, Rentabilität sowie marktbasierte und makroökonomische Indikatoren) nicht oder zumindest nicht in ausreichendem Maße berücksichtigt. Bemängelt wird in diesem Zusammenhang, dass Indikatoren dieser Kategorien in der Regel mit keinen Schwellenwerten versehen sind, deren Überschreiten einen Eskalationsprozess auslösen würden. Aus Sicht der EBA verhindert dies eine angemessene Beurteilung der tatsächlichen Lage eines Instituts bzw. einer Institutsgruppe und hemmt eine frühzeitige Identifikation einer sich anbahnenden Krisensituation.
  • Kalibrierung von Indikatoren: In Bezug auf die Festlegung der Schwellenwerte für Kapital- und Liquiditätsindikatoren stellt die EBA eine durchgängige Tendenz fest, diese zu niedrig festzusetzen. Ein zu geringer Abstand zwischen dem Sanierungsschwellenwert und den jeweiligen Mindestanforderungen verringert die Reaktionszeit für das Institut für die Auswahl und Implementierung geeigneter Sanierungsmaßnahmen. Entsprechend steigt dadurch die Gefahr, dass insbesondere sich schnell entwickelnde Krisen nicht effektiv bekämpft werden können.
  • Sanierungsindikatoren für einzelne juristische Personen: Die Kritik der EBA in Bezug auf die mangelnde Nachvollziehbarkeit der Einbindung von Tochtergesellschaften findet sich analog auch bei den Indikatoren wieder: Die Vielzahl der überprüften Pläne beschränkt sich auf die Beschreibung von Sanierungsindikatoren auf der Gruppenebene. Bemängelt wird eine unzureichende Ausgestaltung der Indikatoren, einschließlich einer Festlegung von Schwellenwerten und Einbindung in Überwachungsprozesse auf der Ebene von Konzerntöchtern.

 

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