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Tax News: Steuerliche Zuschreibungspflicht für alle Wirtschaftsgüter tritt mit 01.01.2016 in Kraft

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Mit dem Rechnungslegungsänderungsgesetz 2014 (RÄG 2014) wurde eine allgemeine Zuschreibungspflicht für alle Vermögensgegenstände des Anlage und Umlaufvermögens eingeführt. Da das unternehmensrechtlich normierte Zuschreibungsgebot auch für steuerliche Zwecke maßgeblich ist, wurde für nachzuholende Zuschreibungen eine Übergangsregelung vorgesehen. Die Neuregelung tritt für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2015 beginnen, in Kraft.

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1. Allgemeine Zuschreibungspflicht

Mit dem Rechnungslegungsänderungsgesetz 2014 (RÄG 2014) wurde die bisherige Regelung des § 208 Abs 2 UGB, wonach eine Zuschreibung dann unterbleiben konnte, wenn der jeweilige Wertansatz im Steuerrecht beibehalten werden durfte, ersatzlos gestrichen. Aus unternehmensrechtlicher Sicht gilt daher für alle Vermögensgegenstände des Anlage- und Umlaufvermögens bei Wertaufholung für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2015 beginnen, gemäß § 208 Abs 1 UGB eine Zuschreibungspflicht. Aus steuerrechtlicher Sicht wurde in der korrespondierenden Bestimmung des § 6 Z 13 EStG ebenfalls eine Anpassung vorgenommen. Nunmehr ist das unternehmensrechtliche Zuschreibungsgebot auch für steuerliche Zwecke maßgebend. Eine steuerwirksame Zuschreibungspflicht gilt daher nicht mehr nur für Beteiligungen, sondern grundsätzlich für alle Wirtschaftsgüter (zB auch für Liegenschaften, Forderungen, Maschinen etc).

2. Übergangsregelung für Werterholungen

Für aufgrund der unternehmensrechtlichen Neuregelung nachzuholende Zuschreibungen ist aus steuerrechtlicher Sicht eine Übergangsregelung vorgesehen. Grundsätzlich sind bisher unterlassene Zuschreibungen im Geschäftsjahr, das nach dem 31.12.2015 beginnt, nachzuholen, sofern die Gründe für die Abschreibung nicht mehr bestehen. Da auch die nachgeholte Zuschreibung an sich steuerpflichtig wäre, wurde dem Steuerpflichtigen ein Wahlrecht eingeräumt. Der nachgeholte Zuschreibungsbetrag ist entweder sofort zu versteuern oder aufgrund eines Antrags im Rahmen der Steuererklärung einer „Zuschreibungsrücklage“ zuzuführen. Durch die außerbücherliche, aufwandswirksame Bildung der Zuschreibungsrücklage wird der Ertrag aus der Zuschreibung wieder neutralisiert. Wird vom Wahlrecht der Zuschreibungsrücklage Gebrauch gemacht, ist für die betreffenden Wirtschaftsgüter in weiterer Folge ein Verzeichnis über Bilanzansatz und Zuschreibungsrücklage zu führen.

Kommt es beim betreffenden Wirtschaftsgut nachfolgend zu einer allfälligen Teilwertabschreibung, hat eine steuerwirksame Auflösung der Zuschreibungsrücklage zu erfolgen. Spätestens im Zeitpunkt des Ausscheidens des betreffenden Wirtschaftsguts aus dem Betriebsvermögen ist die Zuschreibungsrücklage jedenfalls mit steuerlicher Wirkung gewinnerhöhend aufzulösen.

Aus unternehmensrechtlicher Sicht besteht die Möglichkeit, dass der aufgrund der Zuschreibung einer Rücklage zugeführte Betrag in einer passiven Rechnungsabgrenzung erfasst wird. Unterbleibt die Bildung eines passiven Rechnungsabgrenzungspostens, so ist dafür eine entsprechende Rückstellung für passive latente Steuer zu bilden.

3. Praxishinweise

Die steuerliche Übergangsregelung bezieht sich ausschließlich auf die Nachholung von früher unterlassenen Zuschreibungen. Aus Praxissicht ist daher von Bedeutung, ob eine Werterholung vor dem Jahr 2016 oder erst danach eingetreten ist. Daher sollte in den Jahresabschlüssen, für Wirtschaftsjahre die nach dem 31.12.2014 beginnen untersucht werden, ob bei abgeschriebenen Wirtschaftsgütern eine Werterholung eingetreten ist. Alle weiteren Zuschreibungen ab Wirtschaftsjahren, die nach dem 31.12.2015 beginnen, sind in weiterer Folge ohne Möglichkeit zur Bildung einer Zuschreibungsrücklage sofort voll steuerwirksam. Ferner ist zu beachten, dass steuerpflichtige Zuschreibungen bzw auch die steuerwirksame Auflösung der Zuschreibungsrücklage nicht von der 75 %-Grenze des § 8 Abs 4 Z 2 KStG ausgenommen ist und es daher in Einzelfällen zu einer „Scheingewinnbesteuerung“ kommen kann.

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