Tax News: Schlägt nun tatsächlich der Opfertheorie die letzte Stunde?

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Schon seit 2006 zeichnet sich in der VwGH-Rechtsprechung eine Abkehr von der Opfertheorie ab, zumindest wenn es sich um den Abbruch eines seit Längerem dem Betrieb dienlichen, noch nutzbaren Gebäudes handelt. Ein aktuelles VwGH-Erkenntnis vom geht nun sogar einen Schritt weiter und lässt die Sofortabzugsfähigkeit von Abbruchkosten und Restbuchwert auch bei einem zeitnahen Abbruch eines noch verwendbaren Gebäudes zu.

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1. Bisheriger Rechtsstand

Abbruchkosten für Gebäude können je nach Sachlage zu den Herstellungskosten eines neu errichteten Gebäudes, zu den Anschaffungskosten des Grund und Boden gehören oder als laufender Aufwand sofort abgezogen werden. In der älteren Judikatur des VwGH wurde hierzu die Opfertheorie entwickelt, die im Allgemeinen besagt, dass im Falle eines Abbruchs eines Gebäudes, um die Errichtung eines neuen Gebäudes zu ermöglichen, der Restbuchwert des abgetragenen Gebäudes sowie die Abbruchkosten auf das neu errichtete Gebäude bzw den Grund und Boden zu aktivieren sind. Die Literatur stand dieser Theorie seit jeher kritisch gegenüber.

Seit dem Jahr 2005 hat sich der VwGH in der Folge von dieser Opfertheorie zum Teil abgewendet. So wurde mit dem Erkenntnis vom 25.01.2006, 2003/14/0107 bereits bestätigt, dass bei Abriss eines schon länger vom Unternehmen genutzten Gebäudes der Restbuchwert sowie die Abbruchkosten den Wert des Neugebäudes jedenfalls nicht erhöhen dürfen, sondern als Sofortaufwand zu bilanzieren sind. Begründet wurde dies insofern, als dass das Altgebäude und das Neugebäude nicht als das selbe Wirtschaftsgut anzusehen sind. Fraglich war allerdings, ob diese Ansicht auch auf jene Fälle zutreffen sollte, in denen ein zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Kauf der Liegenschaft, dem Abriss des alten Gebäudes und dem Bau eines neuen Gebäudes gegeben ist. Zumindest die Finanzverwaltung hielt in den EStR 2000 Rz 2618, daran fest, dass der Restbuchwert und die Abbruchkosten zu den Herstellungskosten des neuen Gebäudes zu zählen sind.

In der Literatur wurde jedoch großteils bereits die gegenteilige Meinung – die sofortige Aufwandswirksamkeit der Abbruchkosten und des Restbuchwertes – vertreten (siehe v.a. Hirschler, SWK 2011, 922ff). Dabei wurden ua folgende Argumente angeführt:

  • Kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Erwerb des Altgebäudes und der Herstellung des Neugebäudes gegeben (sondern wenn überhaupt nur zwischen dem Abbruch des alten und der Herstellung des neuen Gebäudes).
  • Das Altgebäude und das Neugebäude sind 2 unterschiedliche Wirtschaftsgüter, die nach dem Grundsatz der Einzelbewertung jedes für sich steuerlich zu beurteilen sind.
  • Das Nutzungspotential des neuen wird nicht durch den Abbruch des alten Gebäudes erhöht.
  • Herstellungskosten können definitionsgemäß nur vorliegen, wenn eine Substanz- und Werterhöhung gegeben ist und das Abtragen des Altgebäudes stellt keine solche werterhöhende Maßnahme dar.

2. Sachverhaltsdarstellung & Entscheidung des VwGH

Im Zuge des VwGH-Erkenntnisses vom 27.11.2014, 2011/15/0088 wurde nunmehr folgender Sachverhalt einer Prüfung unterzogen: Die Beschwerdeführerin, eine GmbH, erwarb im Jahr 2005 eine neben ihrer Unternehmenszentrale (Einzelhandel mit Sportartikeln) befindliche Liegenschaft, auf der sich ein noch verwendbares Gebäude befand. Ein Jahr später wurde dieses Gebäude abgetragen, wobei die Bf die Abbruchkosten und den Restbuchwert des Gebäudes im Wirtschaftsjahr 2006/07 als sofortigen Aufwand absetzte. Im Jahr 2008 ließ sie ein neues Gebäude auf diesem Grundstück errichten.

Nach Auffassung des Finanzamts war für diesen Fall die Opfertheorie anzuwenden, dh diese Kosten wären zu den Herstellungskosten des neuen Gebäudes hinzuzuaktivieren sind.

Der VwGH hat sich dieser Meinung allerdings nicht angeschlossen und letztlich erkannt, dass in diesem Streitfall kein Anlass bestünde, von der in der Erkenntnis vom 25.01.2006 vertretenen Auffassung (Sofortabzugsfähigkeit der Abbruchkosten und des Restbuchwertes) abzugehen. Dies begründet er damit, dass auch für den Fall, dass ein noch verwendbares Gebäude erworben und zeitnah zum Erwerb abgerissen wird, das Altgebäude und das Neugebäude nicht als dasselbe Wirtschaftsgut angesehen werden können.

3. Zusammenfassung & Conclusio

Mit dem Erkenntnis vom 27.11.2014, 2011/15/0088 hat der VwGH bestätigt, dass unabhängig davon, welcher Zeitraum zwischen Erwerb, Abbruch eines noch verwendbaren Gebäudes und Neuerrichtung verstrichen ist, die Abbruchkosten und der Restbuchwert sofort abgezogen werden dürfen. In der Regel sind der Restbuchwert und die Abbruchkosten als Sofortaufwand zu bilanzieren. Somit dürfte als letzter relevanter Anwendungsfall der Opfertheorie der Fall eines Abbruchs eines abbruchreifen Gebäudes iZm dem Erwerb eines Grundstücks verbleiben (vgl dazu VwGH 21.09.2005, 2001/13/0278).

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