Tax News | KPMG | AT

Tax News: Beteiligungsbewertung - Neuerungen zur Unternehmensbewertung durch das neue KFS/BW 1

Tax News

Bei Betriebsprüfungen sind Teilwertabschreibungen von bzw Zuschreibungen zu Beteiligungen oft auf der Tagesordnung. Das Vorliegen einer geeigneten Dokumentation zum Wertansatz der Beteiligung ist dabei unerlässlich. Umso wichtiger ist es, die relevanten Rahmenbedingungen der Unternehmensbewertung zu kennen. Wir stellen Ihnen hier die Änderungen durch das neue KFS/BW 1 vor.

Für den Inhalt verantwortlich

Partner, Advisory

KPMG Austria

Kontakt

Verwandte Inhalte

Bewertungen von Unternehmen und Beteiligungen werden immer wichtiger: nicht nur für Transaktionen, unternehmensrechtliche Bewertungen oder den IFRS-Impairment-Test, sondern gerade auch für steuerliche Zwecke. Das neue Fachgutachten zur Unternehmensbewertung (KFS/BW 1) wurde am 28. Mai 2014 vom Vorstand der KWT beschlossen, es finden derzeit nur noch redaktionelle Änderungen statt. Das Fachgutachten gilt für alle Bewertungen, die nach dem 30. Juni 2014 erfolgen. Es ist geplant, dass die Arbeitsgruppe in den kommenden Monaten zu einzelnen Themen Konkretisierungen und Praxishilfen veröffentlicht.
Die Basis-Konzeption der Unternehmensbewertung wurde im Fachgutachten grundsätzlich beibehalten (objektivierter Wert/ subjektive Perspektive, Diskontierung von zukünftigen Erfolgsgrößen), aber im Detail ergeben sich doch einige Neuerungen:

  • Der Bewertung muss ab jetzt eine integrierte Planungsrechnung zugrundeliegen. Es gibt eine Reihe von zusätzlichen Regelungen, wie der Gutachter bei nicht vorliegender oder unvollkommener Planung vorgehen kann bzw. inwieweit er die Planungsrechnung durch eigene Annahmen ergänzen bzw. ersetzen kann. Die Plausibilität der Ausschüttungs- und Finanzierungspolitik ist auch in der ewigen Rente zu beurteilen – im Sinne einer integrierten Planungsrechnung.
  • Zur Berücksichtigung der Besteuerung wurde klargestellt, dass für Kapital- wie auch für Personengesellschaften als Vereinfachung mit einem Modell nach KÖSt (die bei den Personengesellschaften dann fiktiv anzusetzen ist) und vor persönlicher Steuer gerechnet werden kann (dann ist natürlich auch der Diskontierungszinssatz vor persönlichen Steuern zu verwenden).
  • Die Ermittlung des Kapitalisierungszinssatzes bleibt im Grunde unverändert. Es besteht allerdings zukünftig die Möglichkeit, den Zins nach anderen Methoden zu bestimmen, wenn das Verfahren anerkannt und üblich ist. Eine konkrete Vorstellung zu einer alternativen Logik hat die Arbeitsgruppe zurzeit nicht, ein solches Verfahren wird an sehr hohen Maßstäben zu messen sein.
  • Bei der Ermittlung des Zinssatzes ist das investitionsrechnerische Gedankenkonzept der “Alternativanlage” fallen gelassen worden. Daraus ergibt sich aber keine Änderung, da sich die Ableitung des Diskontierungssatzes schon seit langem am Kapitalkostenkonzept orientiert. Der Basiszins kann nicht mehr vereinfachend nach der Rendite einer langfristigen Staatsanleihe bestimmt werden, er muss jetzt aus einer Zinskurve abgeleitet werden. Die Erfassung des Debt Betas ist zukünftig dann erforderlich, wenn die laufzeitäquivalenten FK-Kosten des Unternehmens wesentlich vom risikolosen Zinsfuß abweichen.
  • Es gibt eine deutlich stärkere Betonung der Berücksichtigung periodenindividueller Zinssätze. Das wird aber bereits seit längerem so praktiziert. Bei der Ausnahme „Verändert sich die Kapitalstruktur im Zeitablauf nur unwesentlich, kann auf eine periodenspezifische Anpassung verzichtet … werden“ ist es geblieben (Tz 49). Das Tax Shield ist mit einem risikoadäquaten Zins zu diskontieren (bisher war das der risikolose Zins).
  • Weiters sind Klarstellungen hinsichtlich der Vorgehensweise bei der Ermittlung der ewigen Rente erfolgt, die vor dem Hintergrund des typischerweise hohen Wertanteils der ewigen Rente am gesamten Unternehmenswert außerordentlich wichtig sind. Zu beachten ist besonders, dass es eine Wachstumsrate über die Inflation hinaus nur bei entsprechender Thesaurierung von Mitteln im Unternehmen geben kann. Sobald - wie üblich - in der ewigen Rente die Vollausschüttungsannahme zur Anwendung kommt (die ohnehin begrenzt ist durch das dazu notwendige Wachstum der Bilanzpositionen), kann es ein weiteres Wachstum nicht geben, da die dazu nötigen Mittel nicht mehr zur Verfügung stehen.
  • Neu für die Bemessung der ewigen Rente ist auch das Bekenntnis zur Konvergenz; es wird in der Bewertungspraxis mit Leben zu erfüllen sein. Die Konvergenztheorie basiert auf der Vorstellung, dass in der Wirtschaft aufgrund der Konkurrenz nicht „ewig“ Renditen verdient werden können, die weit oberhalb der Kapitalkosten liegen. Daher, so die Vorstellung, liegt es nahe, dass diese Renditen sich über einen gewissen Zeitraum den im Markt üblichen Renditen annähern.
  • Die Bewertung soll sich zukünftig klarer daran orientieren, dass (so wie in der Praxis üblich) nicht nur der eine Planungsfall Gegenstand der Bewertung ist, sondern Erwartungswerte auf Basis mehrerer Szenarien zu ermitteln sind. Eines davon kann auch das Insolvenzszenario sein, welches zB durch Insolvenzwahrscheinlichkeiten auf Basis von Kreditratings abgebildet werden kann.
  • Bisher war geregelt, dass thesaurierte Beträge zum Kapitalisierungszins angelegt werden können. Nunmehr ist in der Grobplanung und Rentenphase auf die Konsistenz der Renditeerwartungen, Wachstum und Thesaurierung zu achten.
  • Die Plausibilisierung der Ergebnisse durch Multiplikatoren (auf Basis von Börsenkursen oder Transaktionspreisen) ist nunmehr zwingend vorgesehen. Da Unternehmen unterhalb der Buchführungsgrenzen regelmäßig keine bzw. keine sinnvolle Planungsrechnung haben, ist hier zukünftig ausschließlich die Anwendung des Multiplitakorverfahrens zulässig (in diesem Fall auch - gut begründet - auf Basis von Erfahrungssätzen).

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden