Tax News: Herstellungs- oder Erhaltungsaufwand bei Software

Tax News

Der UFS hat sich kürzlich mit einigen Zweifelsfragen der Abgrenzung zwischen zu aktivierendem Herstellungsaufwand und sofort aufwandswirksamem Erhaltungsaufwand bei Software beschäftigt.

1000

Für den Inhalt verantwortlich

Director, Tax

KPMG Austria

Kontakt

Verwandte Inhalte

Erfolgen nach Erwerb eines Softwareprodukts in weiterer Folge Updates oder fallen Kosten für die Implementierung an, stellt sich in der Praxis häufig die Frage, ob diese Kosten zu aktivieren und auf die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abzuschreiben oder sofort als Aufwand zu erfassen sind. Der UFS hat in seiner Entscheidung UFS 23.7.2012, RV/0480-I/10 festgehalten, dass auch bei Software die allgemeinen Grundsätze zur Abgrenzung von Herstellungs- und Erhaltungsaufwand anzuwenden sind und orientiert sich dabei auch an einem Schreiben des deutschen BMF zur bilanzsteuerrechtlichen Beurteilung von Aufwendungen zur Einführung eines betriebswirtschaftlichen Softwaresystems (ERP-Software).

Grundsätzlich setzt nach der hL ein zu aktivierender Herstellungsaufwand eine "Änderung der Wesensart" voraus. Dies ist nach der VwGH-Judikatur vor allem dann der Fall, wenn es nicht bloß zu einem Austausch von Teilen kommt, sondern eine wesentliche Verbesserung (quantitativ oder qualitativ) oder eine Änderung der Funktion erfolgt. Demgegenüber liegt Erhaltungsaufwand vor, wenn das betreffende Wirtschaftsgut bloß in einem ordnungsgemäßen Zustand erhalten bzw wieder in diesen gebracht werden soll.

In dem gegenständlichen UFS-Fall schaffte eine Fachärztin ein neues Ärzte-Softwarepaket an, wobei in weiterer Folge (auch aufgrund eines gleichzeitig stattfindenden Hardware-Wechsels) Aufwand für Updates, Implementierungskosten und Aufwand für die Datenmigration anfielen. Laut UFS sind die angefallenen Kosten aus bilanzsteuerrechtlicher Sicht wie folgt zu behandeln:

a) Anschaffung von Standardsoftware oder betriebswirtschaftlicher Software

Die ursprüngliche Anschaffung eines Softwareprodukts ist grundsätzlich zu aktivieren und auf die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abzuschreiben.

b) Software-Updates, Versions- und Releasewechsel

In diesen Fällen ist zuerst zu prüfen, ob es dadurch zu Funktionserweiterungen oder zusätzlichen Nutzungsmöglichkeiten der Software kommt. Ist dies nicht der Fall liegt Erhaltungsaufwand vor. Führen derartige Updates aber zu Funktionserweiterungen (zB Installation von neuen Modulen) liegen nachträgliche Anschaffungskosten, die zu aktivieren sind, vor.

c) Implementierungskosten iZm der Lieferung von Software-Updates

Auch bei den Implementierungskosten ist zu prüfen, ob diese Anpassungsvorgänge im Vergleich mit der Gesamtheit der vom Softwarehersteller ausgelieferten Funktionen eine Erweiterung (zB zusätzliche Funktionalität) oder wesentliche Verbesserung darstellen oder ob bereits bestehende Funktionen lediglich ohne wesentliche Verbesserung modifiziert werden. Liegt keine Funktionserweiterung oder Verbesserung vor, sind die Kosten als Aufwand zu erfassen.

d) Kosten für Datenmigration

Aufwendungen für die Übernahme von Daten (zB Kunden-, Lieferantenstammdaten) aus Vorgängersystemen (Datenmigration) sind grundsätzlich sofort absetzbar. In dem oben zitierten UFS-Fall fielen die Kosten aufgrund des ebenfalls erforderlichen Hardwarewechsels an; bei einem Softwarewechsel dürfte analog vorzugehen sein.  

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden

KPMG's neue digitale Plattform

KPMG hat einen neuen Webauftritt entwickelt, der einen möglichst einfachen, nutzerfreundlichen Zugang zu den Inhalten von KPMG bieten soll.